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VfB Stuttgart : Quälender Kampf

Es ist zum Verzweifeln: Der VfB Stuttgart taumelt mit Hochgeschwindigkeit der Zweitklassigkeit entgegen Bild: dpa

Der VfB Stuttgart steht vor der Partie an diesem Sonntag bei Eintracht Frankfurt (15.30 Uhr) am Abgrund: Kein Verein tut sich in der Krise schwerer. Hoffnung gibt nur Trainer Labbadia. Nun geht es auch um seinen weiteren Weg.

          Sieht so ein Absteiger aus? Bruno Labbadia hat seine dunklen Haare nach hinten frisiert, er redet mit kräftiger Stimme und trägt dabei sogar ein Lächeln im Gesicht. „Wir versuchen den Leuten immer wieder klar zu machen, dass wir ruhig bleiben müssen“, sagt der Trainer. „Dass keiner in Panik verfallen darf.“ Als wäre es so einfach. 47 Gegentore, 19 Punkte, Tabellenplatz 17 – der VfB Stuttgart taumelt mit Hochgeschwindigkeit der Zweitklassigkeit entgegen. Und Labbadia macht das, was man eben so macht in Krisenzeiten. Er suspendierte einen Stürmer (Ciprian Marica), verpflichtete einen neuen Spielmacher (Tamas Hajnal), setzte den bisherigen Stammtorwart (Sven Ulreich) auf die Bank – und muss ihn nun doch wieder spielen lassen, weil sich der Ersatzmann (Marc Ziegler) verletzte. Es geht bei diesen Entscheidungen und ihren Folgen um nichts weniger als die Zukunft des Vereins. Und um die von Labbadia.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Alles oder nichts – aber auf so eine Diskussion will sich der Fünfundvierzigjährige erst gar nicht einlassen. Ob der VfB Stuttgart und ein möglicher Abstieg nicht ein Sicherheitsrisiko für seine Karriere seien? „Ich könnte überfahren werden, wenn ich über die Straße gehe. Das ist auch ein Risiko“, sagt Labbadia. „Ich beschäftige mich nicht mit dem, was sein könnte. Ich konzentriere mich auf das, was ich beeinflussen kann.“ Elf Partien bleiben ihm noch, die erst an diesem Sonntag bei Eintracht Frankfurt (15.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker). Nicht mehr als eintausend Spielminuten, um einen weiteren Makel in seinem Lebenslauf als Fußballlehrer zu vermeiden. Labbadia hat ein Imageproblem. Innerhalb eines Jahres scheiterte er in Leverkusen und Hamburg, und immer wieder wurde ihm danach vorgeworfen, zu stur, zu fordernd und zu kompliziert zu sein. „Ich lasse mich nicht von meinem Weg abbringen, weil ich doch genau so dorthin gekommen bin“, sagt er. Mitten hinein in den Existenzkampf der Fußball-Bundesliga.

          Nebenkriegsschauplätze

          Längst formiert sich im Umfeld des Vereins eine Opposition. Ehemalige Profis wie Thomas Berthold und Guido Buchwald gehen immer wieder mit klugen Ratschlägen an die Öffentlichkeit. Die Faninitiative „Aktion VfB 2011“ will eine außerordentliche Mitgliederversammlung erzwingen. Und dem Bankmanager Björn Seemann geht es gar darum, den Verein vollständig auf den Kopf zu stellen. So sollen unter anderem VfB-Präsident Erwin Staudt und der Aufsichtsratsvorsitzende Dieter Hundt abtreten, Seemann hält ihnen mangelnde Fußballkompetenz vor.

          VfB-Trainer Bruno Labbadia: „Ich lasse mich nicht von meinem Weg abbringen”

          „Den Vorwurf kann jemand machen, auch wenn ich ihn für unberechtigt halte“, sagt Hundt. „Ich halte den Zeitpunkt, mit der Kritik an die Öffentlichkeit zu gehen, nicht für geeignet. In dieser schwierigen Situation ist es erstrebenswert, dass alle zusammen stehen.“ Machen sie aber nicht. Am Dienstag will Seemann in einer Pressekonferenz vor ausgewählten Medienvertretern verraten, wen er an seiner Seite hat. Allein die Vorstellung davon, treibt Sportdirektor Fredi Bobic die Zornesröte ins Gesicht: „Dieser Zeitpunkt verlangt, dass man keine Nebenkriegsschauplätze zulässt und diese entschieden bekämpft“, sagt er. „Sonst wirst du keine Möglichkeit haben, in der Liga zu bleiben.“

          „Fehler machen wir alle“

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