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Bundesliga-Relegation : Die letzte Hoffnung des VfB Stuttgart

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Ratlos und niedergeschlagen: VfB-Profis um Mario Gomez (2.v.l.) nach dem Remis im Hinspiel Bild: Reuters

Der VfB steht am Abgrund zur zweiten Bundesliga. Das 2:2 im Hinspiel ist keine gute Basis für die zweite Partie bei Union Berlin. Und die Stuttgarter reagieren gereizt vor dem nun drohenden Abstieg.

          Alle Statistiken hatten vor dem Hinspiel der Bundesliga-Relegation für den VfB Stuttgart gesprochen. Zehn der letzten 15 Partien waren an die klassenhöhere Mannschaft gegangen in den vergangenen Jahren dieses Wettbewerbs, bei dem es zwischen dem Tabellensechzehnten der ersten und dem Drittplazierten der zweiten Liga um den letzten verfügbaren Platz im deutschen Fußball-Oberhaus geht. Seit 2012, als sich Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC durchsetzte, ist es keinem unterklassigen Team mehr gelungen, auch nur einen Sieg aus den Relegationsspielen mitzunehmen. Düsseldorf war die bislang letzte Mannschaft aus der zweiten Liga, der der Sprung nach oben glückte.

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          Doch genutzt haben all diese Statistiken dem VfB nicht. Am Donnerstag kam der Favorit gegen Union Berlin zu Hause nicht über ein 2:2 hinaus. Die mutigen Berliner glichen durch Suleiman Abdullahi (43.Minute) und Marvin Friedrich (68.) zweimal einen Rückstand aus. Angreifer Sebastian Andersson hatte in der Schlussphase zudem noch zweimal die Gelegenheit zum Siegtreffer, scheiterte jedoch in beiden Fällen am glänzend aufgelegten Stuttgarter Schlussmann Ron-Robert Zieler. Der VfB, für den zuvor Christian Gentner (42.) und Mario Gomez (51.) getroffen hatten, steht nach diesem enttäuschenden Ergebnis vor dem Abgrund – der dritte Abstieg der Vereinsgeschichte nach 1975 und 2016 droht. Am Montag (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga-Relegation und im Eurosport-Player) geht es im Rückspiel in Berlin um alles.

          Der Fußball richtet sich eben nicht nach Statistiken, könnte man also sagen. Und Zieler tat dies auch ganz entschieden nach dem Schlusspfiff. „Solche Statistiken sind schön für sie“, sagte der frühere Nationaltorhüter, angesprochen auf die Frage, ob sich seine Mannschaft möglicherweise zu sehr auf ihre Favoritenrolle verlassen habe. „Uns aber interessiert das nicht. Berlin ist keine Laufkundschaft. Wir müssen nun einfach eine Schippe drauflegen, dann ist noch alles möglich.“ Doch existieren Statistiken auch nicht völlig ohne Grund. Dass ein Bundesliga-Klub mit all seinen vor allem finanziellen, oft aber auch strukturellen Möglichkeiten Vorteile gegenüber einem Verein aus der zweiten Liga haben sollte, der zudem die Saison nur hinter den beiden direkten Aufsteigern auf dem dritten Tabellenplatz abgeschlossen hat, erschließt sich von selbst.

          47 Millionen Euro ließ sich der VfB allein in dieser Spielzeit neues Personal kosten. 41,5 Millionen erhielt das Bundesliga-Gründungsmitglied zuvor für den Verkauf von 11,75 Prozent der Anteile an der ausgegliederten Profiabteilung. Das sind Verhältnisse, von denen die Berliner nur träumen können. Aktuell beträgt ihr Kader-Etat etwa 15 Millionen Euro. Das würde nicht einmal für zwei der Stuttgarter Neuzugänge reichen. Innenverteidiger Ozan Kabak kam im Winter für 11 Millionen aus Istanbul, Außenverteidiger Pablo Maffeo zu Saisonbeginn für neun Millionen von Manchester City. Ein Aufstieg würde Union immerhin Mehreinnahmen in Höhe von etwa 14 Millionen Euro bescheren, doch die Unterschiede zum Finanzpolster des VfB blieben auch dann enorm.

          Der Grund, warum sämtliche Datenerhebungen vor der Partie tatsächlich nutzlos waren, ist ein anderer: Ein Klassenunterschied, wie er zu vermuten wäre angesichts der verschiedenen Voraussetzungen zwischen Stuttgart und Berlin, ist in sportlicher Hinsicht nicht vorhanden. Die Kräfteverhältnisse zwischen dem VfB, der Mannschaft aus der Ersten Bundesliga, und Union aus der Zweiten sind ausgeglichen.

          Dabei stehen die Stuttgarter nach einer desaströsen Saison mit 20 Niederlagen aus 34 Spielen abermals vor einem Scherbenhaufen ihrer zuvor benannten Ziele. Der angestrebte Platz im oberen Tabellenmittelfeld wurde deutlich verfehlt. Fünf Niederlagen in ebenso vielen Partien halten die Berliner dagegen, die ihre positive Entwicklung aus den vergangenen Jahren auch in dieser Spielzeit unbeirrt fortgesetzt haben. „Die Leute haben erwartet, dass wir die 3:0 putzen. Erstligist gegen Zweitligist. 2019 ist das aber nicht mehr so“, sagte VfB-Stürmer Gomez am Donnerstagabend deshalb richtigerweise im SWR.

          Tatsächlich haben die Berliner alle Trümpfe in der Hand: „Wir haben gekämpft bis zur Schmerzgrenze. Das Ergebnis aus dem Hinspiel ist ein guter, erster Schritt“, sagte Union-Kapitän Christopher Trimmel, der beim zweiten Duell mit den Schwaben gelbgesperrt fehlen wird. „Man hat gesehen, dass sich meine Mannschaft nicht versteckt“, fügte Trainer Urs Fischer hinzu. Mit seinem Team hat der 53 Jahre alte Schweizer nun nichts mehr zu verlieren. Berlin steht deutlich dichter vor dem Aufstieg als der VfB vor dem Klassenverbleib – aller erhobenen Statistiken zum Trotz. Zieler traf es deshalb wohl am besten, als er meinte: „Das haben wir uns selber eingebrockt. Da müssen wir jetzt durch.“

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