https://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/bundesliga/vfb-stuttgart-hofft-mit-vorstandschef-wehrle-auf-klassenerhalt-18028010.html

VfB-Stuttgart-Chef Wehrle : „Das Momentum liegt auf unserer Seite“

  • -Aktualisiert am

„Entscheidend für mich ist nur, dass wir drei Punkte holen“: Alexander Wehrle Bild: dpa

Der VfB Stuttgart hofft noch auf den direkten Klassenverbleib in der Bundesliga. Vorstandschef Wehrle bliebe auch im Abstiegsfall. Das nächste Spiel ist für ihn doppelt besonders.

          3 Min.

          Neun Jahre hat Alexander Wehrle im Rheinland gelebt, wo er als Geschäftsführer des 1. FC Köln gearbeitet hat. Als Schwabe ist das vor allem kulinarisch eine recht entbehrungsreiche Zeit, wie der in Bietigheim-Bissingen geborene Wehrle betont. Denn nördlich von Frankfurt finde man – abgesehen von Berlin – in der Regel keine adäquaten Brezeln und Maultaschen.

          Als Wehrle nun Ende März als Nachfolger von Thomas Hitzlsperger als Vorstandsvorsitzender zum VfB Stuttgart zurückkehrte, hatte er vor allem Verlangen nach Spezialitäten aus der Heimat. „Da habe ich großen Nachholbedarf“, sagt der 47-Jährige. Deshalb esse er nun oft im Klubrestaurant Maultaschen in allen Variationen.

          Es steht viel auf dem Spiel

          Am letzten Spieltag trifft der VfB an diesem Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) in der heimischen Arena auf Köln . Ausgerechnet. Während die Rheinländer in der kommenden Saison international spielen dürfen, geht es für Stuttgart um den Verbleib in der Bundesliga. Für Wehrle ist das ein besonderes Spiel nach ereignisreichen Jahren beim FC.

          Sentimental wird er aber nicht, dafür steht zu viel auf dem Spiel. „Entscheidend für mich ist nur, dass wir drei Punkte holen“, sagt er. Bei einem Sieg seiner Mannschaft und einer Niederlage von Hertha BSC in Dortmund würden sich die Stuttgarter auf Platz 15 vorschieben und sich eine weitere Spielzeit in der Bundesliga sichern.

          „Eine gefühlte Wundertüte“

          Wehrle zeigt sich zuversichtlich, dass diese Konstellation eintrifft. Vor allem das 2:2 zuletzt beim Meister FC Bayern habe das Selbstvertrauen der Spieler gemehrt. „Das Momentum liegt auf unserer Seite“, sagt er. Aber ein Problem, das die Stuttgarter bisher zuverlässig begleitet, ist die mangelnde Chancenverwertung. Die VfB-Spieler sind bisher mit ihren Torgelegenheiten sehr verschwenderisch umgegangen, bisweilen haben sie fast schon auf groteske Art und Weise das Tor nicht getroffen, auch bei der Partie in München.

          Bundesliga

          Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass Stürmer Sasa Kalajdzic danach sagte, „dass wir eine gefühlte Wundertüte sind“. Niemand weiß beim VfB vor dem Spiel, was ihn erwartet, selbst die Spieler sind sich oft ein Rätsel. Nachdem sie sich schon mit der Relegation gegen den Zweitligadritten abgefunden zu haben schienen, ist jetzt der direkte Klassenverbleib möglich. „Wenn irgendjemand so ein Ding schaffen kann, dann wir“, behauptet Kalajdzic.

          Wehrle dagegen ordnet alles weniger dramatisch ein, die Spieler hätten häufig sehr ordentlich Fußball gespielt, sagt er, „aber die Ergebnisse haben gefehlt“. Insiderwissen über Köln will er nicht weitertragen.

          Cheftrainer Pellegrino Matarazzo und seine Analyseteam hätten genügend Wissen und Daten gesammelt und den Gegner ausgiebig durchleuchtet: „Da brauchen sie nicht auch noch Hinweise von mir.“

          Matarazzos Zukunft bei Abstieg offen

          Über einen möglichen Abstieg des VfB will der Vorstandschef nicht sprechen, aber auseinandergesetzt mit dem Szenario hat er sich selbstverständlich. Stuttgart hat sowohl für die erste als auch für die zweite Liga die Lizenz beantragt.

          Bundesliga

          Im Fall eines Abstiegs wollen sie sofort in die Bundesliga zurück. Ob mit Matarazzo und Sportdirektor Sven Mislintat, ist noch offen. Eine Bewertung der Gesamtsituation erfolge nach der Spielzeit, sagt Wehrle.

          Leichter bekäme der Klub Kontinuität und mehr Ruhe in die Kaderplanung, wenn er in der Bundesliga bliebe. Auf Transfererlöse ist der VfB aber angewiesen, sodass Kalajdzic und Linksverteidiger Borna Sosa im Sommer den VfB wohl verlassen dürften. „Wenn Spieler den nächsten Schritt machen wollen, müssen wir das akzeptieren“, sagt Wehrle.

          Als Vorstandsvorsitzender ist ihm wichtig, dass er den VfB in den kommenden Jahren strategisch so positioniert, dass der Klub wieder für wirtschaftsstarke Unternehmen attraktiv wird.

          Das gelingt neben Verlässlichkeit und sportlichen Erfolgen vor allem dadurch, Nachwuchsspieler aus der eigenen Jugend nicht nur in den Kader der Profimannschaft zu berufen, sondern sie auch so weiterzuentwickeln, dass sie im besten Fall dort Stammspieler werden.

          „Das muss wieder eines unserer Merkmale werden“, sagt Wehrle. Das Potential ist da. Die B-Junioren unterlagen zuletzt erst im Finale um die deutsche Meisterschaft dem FC Schalke, und die A-Junioren stehen im Endspiel des Pokals gegen Dortmund.

          Wehrle selbst war einst als junger Außenstürmer des TV Möglingen so begabt, dass er nach einem Probetraining zum VfB hätte wechseln können. Doch seine Eltern hatten andere Pläne, der Bub studierte nach Abitur und Zivildienst und fing dann 2003 – zur Freude der Eltern – als Diplom-Verwaltungswissenschaftler beim VfB als Referent des damaligen Präsidenten Erwin Staudt an.

          F.A.Z. Frühdenker – Der Newsletter für Deutschland

          Werktags um 6.30 Uhr

          ANMELDEN

          Die Meisterschaft 1992 erlebte Wehrle noch als Fan. Am Samstag gegen den 1. FC Köln wird die Mannschaft in einem Sondertrikot auflaufen, das dem aus der Meistersaison 1991/92 sehr ähnelt. Die Aktion war lange vorher geplant, aber ein bisschen abergläubisch sind sie beim VfB. Viermal ist das Team in dieser Spielzeit mit besonderen Jerseys aufgelaufen, viermal hat es damit gewonnen.

          Weitere Themen

          Grankin muss zurück nach Russland

          Berlins Volleyball-Star : Grankin muss zurück nach Russland

          Der russische Zuspieler Grankin blühte bei den BR Volleys auf, vor allem in Kombination mit dem Amerikaner Patch. Nun löst er seinen Vertrag in Berlin auf – wegen der „aktuellen politischen Situation“.

          Topmeldungen

          Manuela Schwesig (SPD), die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, am 29. April 2021 bei der Besichtigung der Gasanlandestation von Nord Stream 2 in Lubmin.

          Schwesig und die Klimastiftung : Rohrbruch nach Russland

          In Mecklenburg-Vorpommern muss endlich geklärt werden, ob die sogenannte Klimastiftung tatsächlich dem Klima dienen sollte. Es sieht nämlich viel mehr nach windigen Geschäften aus.

          Frankfurter Oberbürgermeister : Feldmann bleibt trotz aller Kritik im Amt

          Frankfurts Oberbürgermeister widersetzt sich allen Forderungen – selbst aus der eigenen Partei. Feldmann bittet abermals um Entschuldigung. Die Koalitionspartner wollen nun ein Abwahlverfahren einleiten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          AllesBeste
          Testberichte & Kaufberatung
          Baufinanzierung
          Erhalten Sie Ihren Bauzins in 3 Minuten
          Spanischkurs
          Lernen Sie Spanisch