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VfB-Kapitän Gonzalo Castro : „Löw hatte andere Spieler im Fokus“

Wäre gerne Nationalspieler geblieben: Gonzalo Castro Bild: Picture-Alliance

Der frühere Nationalspieler Gonzalo Castro ist neuer Kapitän des Bundesligaklubs VfB Stuttgart. Im Interview spricht er über Karriererückschläge, Konfliktregelung und seine Lieblingspositionen.

          4 Min.

          Ist 33 das richtige Alter, um Kapitän einer Bundesligamannschaft zu werden?

          Ich würde das nicht am Alter festmachen. Ich spiele jetzt meine 17. Saison in der Bundesliga, da bringe ich eine enorme Erfahrung mit. Und deshalb passt das jetzt ganz gut. Ich kenne die Truppe beim VfB Stuttgart, ich kenne den Trainer, und ich weiß, was alles auf uns zukommt.

          Bundesliga

          Welche ganz konkreten Vorteile sehen Sie in dieser „enormen Erfahrung“? Außer, dass man damit offenbar Kapitän werden kann.

          Für einen Trainer ist es wichtig, wenn er einen Mannschaftskapitän bestimmt, wie er mit ihm reden kann. Was auch an Feedback zurückkommt. Ich sage immer, wenn etwas nicht stimmt, oder aber, wenn etwas richtig gut läuft. Das gebe ich immer ehrlich weiter. Auf dieser kommunikativen Ebene mit dem Trainer den richtigen Ton, das richtige Maß zu finden, dabei hilft Erfahrung auch sehr.

          Während Ihrer bisherigen Karriere bei Bayer Leverkusen oder bei Borussia Dortmund wurden Sie oft als Führungsspieler beschrieben. Jetzt, beim VfB Stuttgart, sind Sie als ältester Profi Kapitän. Wo sehen Sie da den Unterschied?

          Der ist nicht groß, eigentlich. Man führt die Truppe auf dem Feld und steht nach außen in erster Linie für die Leistung seiner Mannschaft. Aber viel Unterschied zwischen einem normalen Führungsspieler und dem Kapitän gibt es nicht. In Stuttgart haben wir ein paar ältere Jungs im Team, die diese Aufgaben genauso übernehmen könnten.

          Also ist die Kapitänsbinde eigentlich überschätzt?

          Ja, natürlich! Früher hat man seine Mannschaft immerhin noch auf das Feld geführt. Mittlerweile ist das ja anders, weil man wegen der Hygiene-Verordnungen nicht mehr gemeinsam mit der anderen Mannschaft aus der Kabine kommt, sondern sich eher wie bei einem Hobbykick an einem Sonntag irgendwann auf dem Rasen trifft. Aber ich muss trotzdem auf die Stimmung innerhalb des Teams achten, auf dem Feld oder in der Kabine, das gehört dazu.

          War die Ernennung noch mal eine Motivationsspritze in Ihrer durchaus fortgeschrittenen Profikarriere?

          Nein. Es hat mich einfach gefreut. Auch dass die Mannschaft das gut angenommen hat. Dass der Trainer viel von mir hält, dass er meine Meinung wertschätzt. Nach all den Jahren ist das schon eine Bestätigung dafür, dass man doch ein paar Sachen richtig gemacht hat.

          Tonangeber auf dem Feld: Stuttgarts Kapitän Gonzalo Castro
          Tonangeber auf dem Feld: Stuttgarts Kapitän Gonzalo Castro : Bild: Picture-Alliance

          Sie haben kürzlich gesagt, Sie seien in manchen Wesenszügen wie Ihr Trainer Pellegrino Matarazzo, weil Sie auch mal laut werden können, wenn es nicht nach Ihren Vorstellungen läuft. Was muss man tun, damit Sie laut werden?

          Wenn man kein Gas gibt, ganz einfach. Wenn man die Dinge, die der Trainer vorgibt, nicht umsetzt. Wenn man nicht zuhört. Das sind grundlegende Dinge, die man beachten muss, wenn man in der Bundesliga spielen will. Wenn man das nicht macht, wird man sehr schnell durchgereicht. Das zeigt meine Erfahrung aus den vergangenen Jahren. Wenn man die Basics nicht draufhat, dann wird es nicht klappen. Das haben wir vor drei Jahren erlebt, als wir abgestiegen sind.

          Wie regeln Sie das dann, wenn Sie einschreiten müssen?

          In erster Linie macht das der Trainer. Vielleicht gibt es Fälle, wo ich besser Zugang zu der entsprechenden Person finde. Aber pauschal kann man das nicht sagen.

          Nennen Sie doch mal ein Beispiel.

          Ich kenne ja die meisten Jungs und weiß, wie sie ticken. Der eine braucht vielleicht eine energischere Ansage, den anderen muss man etwas zurückhaltender ansprechen. Das ist normaler Menschenverstand, da ein Gefühl zu haben, wie man auf wen zugehen kann oder muss.

          Gab es dabei schon Konflikte?

          Nein. Wir haben zum Glück eine sehr homogene Mannschaft, die sehr viel Respekt voreinander hat.

          Sie haben kürzlich auch gesagt, dass Sie sich über die Ernennung zum Kapitän besonders freuten, weil das zeige, dass Ihr Trainer an Ihre fußballerischen Qualitäten glaubt. Haben frühere Trainer von Ihnen also nicht an Ihre Qualitäten geglaubt?

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