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Wirbel beim VfB Stuttgart : Wo Fußball Nebensache ist

Im Fokus beim VfB Stuttgart: Thomas Hitzlsperger Bild: Reuters

Der VfB Stuttgart kommt als Aufsteiger sportlich gut durch diese Saison. Beim Bundesliga-Klub tobt allerdings ein Machtkampf. Und nun gibt es auch noch ein saftiges Bußgeld.

          4 Min.

          Nach Jahren voller Frust sind VfB-Fans wieder zufrieden mit ihren Spielern. Das Zuschauen macht Spaß, der Wiederaufsteiger hält sich wacker im Mittelfeld der ersten Bundesliga. In der VfB Stuttgart 1893 AG aber, die vor vier Jahren für das Management des Profibetriebs gegründet wurde, tobt seit Monaten ein heftiger Machtkampf, in dem ein Datenskandal aus der Zeit der Ausgründung wie ein Katalysator wirkt. Der vorläufige Höhepunkt wird für Mitte dieser Woche erwartet: Der VfB muss mit einem Bußgeld in der Größenordnung von 300.000 Euro rechnen.

          Bundesliga
          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Für ein Unternehmen, das seit neuestem von der Staatsbank KfW wegen der Einnahmeausfälle in Corona-Zeiten mit einem Kreditrahmen von 25 Millionen Euro gestützt wird und seinen 300 Mitarbeitern Einkommenseinbußen abverlangt, ist das ein Batzen Geld. Es hätte noch viel heftiger kommen können, denn für Vergehen im Datenschutz-Bereich können Bußgelder bis zu 4 Prozent des Umsatzes verhängt werden, das wären im Fall der VfB AG rund 6 Millionen Euro. Dem Landesdatenschutzbeauftragten Stefan Brink geht es aber nicht in erster Linie um Sanktion, wie er gegenüber der F.A.Z. erklärte, sondern um einen Neuanfang, um eine Professionalisierung der Strukturen und Prozesse in Sachen Datenschutz, weshalb seit Wochen schon über eine Verständigung verhandelt wird.

          „Wenn arbeitsrechtliche Konsequenzen gezogen werden, ist das ein Signal, dass das Thema ernst genommen wird“, sagte Brink im Gespräch mit der F.A.Z. Er hatte das Verfahren Anfang Februar eröffnet, unter Verweis auf hinreichende Anhaltspunkte für erhebliche Verstöße gegen den Datenschutz. Seither hat der VfB-Aufsichtsrat unter anderen zwei Vorstände im Team um den Vorstandsvorsitzenden Thomas Hitzlsperger fristlos entlassen. Hitzlsperger wiederum setzte vor wenigen Tagen den ehemaligen Kommunikationschef und den ehemaligen Marketingleiter vor die Tür, was die Spekulationen darüber nährte, dass es den belegbaren Versuch gab, einiges zu vertuschen.

          Vielzahl von Streitigkeiten

          „Wir sind nicht die staatlich bestellten Vereinschroniker“, betont aber Stefan Brink, der gar nicht erst den Versuch unternimmt, die Fronten in dem Machtkampf zu sortieren. Aus der Vogelperspektive zeigt sich, dass eine Vielzahl von Streitigkeiten auf die Ausgliederung der VfB Stuttgart 1893 AG im Jahr 2017 zurückgeht. Dabei haben sich zwei wesentliche Lager gebildet. Auf der einen Seite stehen Vereinsmitglieder, angeführt von den Ultras, die sich gegen die Kommerzialisierung des Fußballs wenden und deshalb vor VfB-Präsident Claus Vogt stehen, der unter anderem die Bewegung Play Fair e.V. gegründet hat.

          Auf der anderen Seite gibt es jene, die sich für die Ausgliederung des Profisports starkgemacht haben und auch mehr Professionalisierung im Management fordern. Sie erzählen bereitwillig von der Unkenntnis des Präsidenten Claus Vogt über unternehmerische Entscheidungsprozesse und auch darüber, dass Vogt von seinen Versprechen nichts eingelöst hat, etwa jenes, dass er eine Reihe von Mittelständlern als potentielle Aktionäre finden werde.

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          So ist die Daimler AG, die anlässlich der Gründung der VfB Stuttgart 1893 AG einen Anteil von 11,75 Prozent am Kapital übernommen und dafür 41,5 Millionen Euro bezahlt hat, immer noch der einzige Aktionär. Die dadurch scheinbar starke Stellung des Autokonzerns, dessen Zentrale einen Steinwurf vom Stadion entfernt liegt, ist wiederum den Ultras ein Dorn im Auge, auch wenn Daimler-Vorstandschef Ola Källenius sich auf Anfrage der F.A.Z. deutlich distanziert: „Wir wollen keinen operativen Einfluss nehmen.“

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