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Zweitliga-Ouvertüre : Blitz, Donner und Schmerzen in Stuttgart

  • -Aktualisiert am

Marcin Kaminski zog sich einen Kreuzbandriss zu und fehlt Stuttgart längere Zeit. Bild: Picture-Alliance

Der Start in die Zweitliga-Saison ist spektakulär. Und das liegt nicht alleine an den Turbulenzen, die das Wetter verursacht. Der VfB besiegt Hannover mit 2:1, doch der Stuttgarter Erfolg schmeckt bittersüß.

          Donnerwetter! Diese Ouvertüre zur neuen Zweitliga-Saison kam mit Naturgewalt daher. Starkregen, Hagel, Sturm, Blitz und Donnergrollen: Der Freitagabend war auch am Himmel über Stuttgart ein Ereignis. Die Volldusche von oben schreckte die Profis des VfB, ihre Gegenspieler von Hannover 96 und Deutschlands angeblich besten Schiedsrichter Felix Brych aber nicht ab, selbst ähnlich spektakuläre Akzente zu setzen. Und so bekamen rund 52.000 Zuschauer ein kunterbuntes Duell zwischen zwei Bundesliga-Absteigern zu sehen, in dem vor allem die runderneuerten Stuttgarter bei ihrem 2:1-Erfolg durch einen Volleykracher von Mario Gomez (29. Minute) und ein durchaus haltbares Freistoßtor von Daniel Didavi (36.) Appetit auf mehr machten.

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          Dass der Starterfolg letztlich nur bittersüß schmeckte, hatte weniger damit zu tun, dass dem eingewechselten Zweitliga-Debütanten Maxime Awoudja ein künstlerisch wertvolles Eigentor unterlief, als er den Ball an Torhüter Kobel vorbei spitzelte (39.), und auch nicht damit, dass der beim FC Bayern München ausgebildete „tragische Held“ des Abends, so der neue VfB-Trainer Tim Walter, vom Münchner Fifa-Referee Brych nach einer Miniberührung seines Gegenspielers Albornoz per Gelb-Roter Karte wie zuvor schon der Hannoveraner Ostrzolek (64.) des Feldes verwiesen wurde (85.). Was dem VfB wirklich weh tat, war der Kreuzbandriss, den sich Innenverteidiger Kaminski bei einem Zusammenprall mit seinem eigenen Torhüter im rechten Knie zugezogen hatte. Für den aus dem Spiel humpelnden Polen (35.), der dem VfB monatelang fehlen wird, bekam Awoudja seine Premierenchance. Er erlebte einen unangenehmen Freitag inmitten vieler glücklicher Stuttgarter, die noch nicht ahnten, wie schwer es den aus Düsseldorf zurückgekehrten Kaminski getroffen hatte.

          Da waren zum einen die Fans, die das Comeback ihres in der vorigen Saison saft- und kraftlosen VfB, der als Bundesliga-Sechzehnter nicht einmal seine Relegationschance mit Mut und Mumm nutzte, frenetisch bejubelten. „Die Zuschauer waren der Hammer“, bedankte Walter bei den Anhängern der Weiß-Roten, „sie haben uns immer wieder aufgebaut, das war grandios.“ Tatsächlich brauchte der in den Augen der meisten Kenner erste Aufstiegskandidat rund 20 Minuten, um sich auf die giftigen Balleroberer aus Hannover einzustellen.

          „Wir hatten auch schwächere Phasen im Spiel“, gab Walter zu. Ein proaktiver Trainer, der mit seiner Basisidee eines dynamischen Ballbesitzfußballs anscheinend gut bei den zuletzt uninspiriert wirkenden Schwaben ankommt. Es waren in einer Startelf mit fünf neuen Kräften vor allem die altgedienten Gomez und Didavi sowie der zum neuen Kapitän erhobene Innenverteidiger Marc Oliver Kempf, die das auf scharfen Pässen von hinten bis vorn beruhende Spiel des renovierten VfB belebten. Der 34 Jahre alte Gomez genoss seine Zweitliga-Premiere und beging sein Tor wie früher mit der stolzen Torero-Pose.

          „Wir sind in der Vergangenheit nur hinter dem Gegner hergerannt“, sagte er über den großen Unterschied zum Saisoneinstand am Freitag, „jetzt nehmen wir das Heft wieder in die Hand.“ Ein Verdienst des Trainers, der ein großes Herz für seine Spieler hat, sie aber auch bei Bedarf frisch von der Leber weg kritisiert. „Wir waren mutig, und das ist das Wichtigste“, attestierte der Badener seinen „Jungs“ nach dem Spiel die richtige Herangehensweise, um den neuen, risikobehafteten Stil des flotten Durchkombinierens von hinten bis vorn durchzusetzen. Dass der VfB nach der Pause beste Gelegenheiten ungenutzt ließ, war unter den Umständen zu verkraften.

          Auch die Verlierer behielten beim Blick zurück auf den Wiedereinstand zweiter Klasse vor allem die guten Momente in Erinnerung. Torhüter Ron-Robert Zieler, nach zwei Jahren beim VfB zu seinem Lieblingsklub zurückgekehrt, sah bei aller Selbstkritik über seine missglückte Parade bei Didavis Freistoßtreffer („ich hätte mir gewünscht, den Ball noch um den Pfosten lenken zu können“), im großen Ganzen nur das Positive: „Wir sind gut gestartet, daran wollen wir anknüpfen“, sagte er, „wir haben gesehen, dass die Mannschaft imstande ist, viele Spiele zu gewinnen.“ Aus einer richtigen Erkenntnis zählbare Erfolge zu machen, wird die künftige Aufgabe sein. Schließlich strebt Hannover 96 mit dem Trainer-Rückkehrer Mirko Slomka wie der Topfavorit VfB danach, schnellstmöglich wieder oben in der Bundesliga mitzumischen.

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