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VfB Stuttgart : Babbel übernimmt Meistertrainer Vehs Job

  • -Aktualisiert am

Seine Zeit in Stuttgart lief am Sonntag ab: Trainer Armin Veh wurde entlassen Bild: ddp

Der VfB Stuttgart hat sich von seinem Meistertrainer von 2007, Armin Veh, getrennt. Der Verein reagierte damit auf die sportliche Talfahrt der Mannschaft in den vergangenen Wochen. Markus Babbel übernimmt Vehs Posten nun als Teamchef.

          Ein paar Stunden nur konnte sich Markus Babbel auf seine neue Rolle vorbereiten. Nun saß er mit Millimeterhaarschnitt und fester Stimme auf dem Platz, auf dem vor wenigen Tagen noch Armin Veh seine Demission mit merkwürdigen Statements in eigener Sache einleitete. Als der Europameister von 1996 nach seinem ersten Training im Schneetreiben um die Ecke bog, war der einstige Meistermacher entlassen und bereits nach Augsburg gebraust.

          Babbel verkündete, was die Führungsgremien des VfB Stuttgart in der Nacht und am frühen Morgen des Sonntages beschlossen hatten. „Ich bin der Chef“, sagte der frühere Nationalspieler, der vom „Trainer-Lehrling“ zum Boss aufsteigt, von den Schwaben aber als „Teamchef“ geführt werden muss, weil ihm die Fußballlehrer-Lizenz fehlt. Rainer Widmayer, früher VfB-Amateurspieler und zuletzt Assistent von Krassimir Balakow beim FC St. Gallen, wird offiziell als Trainer fungieren.

          Manager Heldt: „Wir hatten das Gefühl, einen neuen Reiz setzen zu müssen“

          „Es ist ein Gefühl wie beim ersten Bundesligaspiel. Ich bin neugierig und sehr aufgeregt“, sagte Babbel, der seit eineinhalb Jahren in Stuttgart als Assistent von Veh arbeitete. „Die Spieler wirkten blockiert, diese Blockade müssen wir auflösen. Glaube und Wille müssen wieder erkennbar sein“, meinte der 36 Jahre ehemalige Bayern- und Englandprofi. „Für mich steht der VfB für Offensivfußball“, so Babbel, der gegen den Frust der sportlichen Krise Spaß verordnete.

          Markus Babbel führt den VfB nun als Teamchef an

          Neben dem „Neuen“ saß beim in aller Eile anberaumten Mediengespräch Manager Horst Heldt und machte aus seinem Schlafdefizit keinen Hehl. „Wir hatten das Gefühl, einen neuen Reiz setzen zu müssen“, sagte er und griff nach einem Keks, um neue Energie nach dem stundenlangen Trennungsmarathon zu tanken. Veh, der im Februar 2006 als Nachfolger von Giovanni Trapattoni begonnen hatte und den Klub aus Bad Cannstatt 2007 zur deutschen Meisterschaft führte, traute man nicht mehr zu, die sportliche Krise zu bewältigen.

          Babbel nur als Zwischenlösung?

          Nach dem ernüchternden 1:4 in Wolfsburg (siehe: 1:4 in Wolfsburg - Stuttgart in der Krise - Trainer Veh entlassen) verständigten sich Veh und Heldt auf dem langen Heimweg darüber, in der Nacht ein intensives Vieraugengespräch zu führen. Das dauerte nach der Rückkehr über drei Stunden und keiner fand ausreichend Schlaf. „Wir waren in wichtigen Punkten unterschiedlicher Meinung“, berichtete Heldt und meinte, die Unterhaltung sei sehr emotional abgelaufen. Am frühen Morgen steuerten beide auf das Klubzentrum zu, wo man sich mit Präsident Erwin Staudt und Sportdirektor Jochen Schneider besprach und die Trennung beschloss.

          Veh verließ noch vor neun Uhr das Klubgelände. „Wir haben drei Jahre intensiv zusammen gearbeitet und das erfolgreich. Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen“, sagte Heldt. „Aber es gibt bis zur Winterpause wichtige Ziele zu verfolgen, deshalb haben wir den jetzigen Zeitpunkt gewählt“. Schon Donnerstag wird Babbel in der Uefa-Cup-Partie in Genua auf der Bank sitzen. Ob Babbel nur eine Zwischenlösung bleibt, ließ Heldt offen. „Ich freue mich, dass der Verein mir das zutraut und denke jetzt erst einmal ans nächste Spiel. Für die Mannschaft war das alles auch ein kleiner Schock, aber jetzt müssen vor allem die älteren Spieler Flagge zeigen“. Er sehe aber seine Zukunft in „dem Bereich“ sagte Babbel.

          Höhepunkt einer sportlichen Talfahrt

          Die Trennung von Veh bildet den Höhepunkt einer sportlichen Talfahrt, die auch dazu führte, dass sich zwischen Manager Heldt, manchem Vertreter der Vereinsführung und Veh eine immer größere Kluft entwickelte. Veh lehnte es stets ab, Spieler öffentlich an den Pranger zu stellen und galt vielen als zu verschlossen und eigensinnig, was seine Personalführung betraf. „Es gab unterschiedliche Ansichten, wie eine Mannschaft zu führen ist“, berichtete Heldt.

          Mehrfach hatte sich Veh über die zu hohe Erwartungshaltung im Verein beschwert und neues Personal gefordert. Im Klub drängte sich nach und nach der Eindruck auf, in einer Sackgasse gelandet zu sein. Veh, galt als profunder Fachmann mit Weitblick und Einfühlungsvermögen, aber er wirkte zuletzt seltsam bedrückt und nach außen hin leidenschaftslos.

          Verfehlte Personalpolitik

          Vergangenen Freitag hatte der gebürtige Augsburger die eigene Personalpolitik kritisiert und Fehler eingestanden. Veh hatte Heldt und Sportdirektor Jochen Schneider mit einbezogen. „Das hat keine Rolle gespielt“, meinte Heldt, der mit Veh für zahlreiche „Fehleinkäufe“ verantwortlich war. „Wir haben nicht die richtigen Leute geholt“, sagte Veh. Und: „Dafür bluten wir jetzt alle zusammen“.

          Weder Gledson, Yildiray Bastürk, noch Jan Simak oder Raphael Schäfer und Sergiu Radu, Ciprian Marica, Khalid Boulahrouz oder Ewerthon konnten die Erwartungen erfüllen. Nach dem Gewinn der Meisterschaft wollte man für frischen Wind im Team sorgen und scheiterte. „Wenn es ein Alibi gegeben hat, dann gibt es jetzt keines mehr“, sagte Manager Heldt und wusste in dem Moment, das wird fortan auch für ihn gelten. (siehe: Bundesliga-Kommentar: Vehs Abschied mit Ansage )

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