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VfB Stuttgart : „Abstiegskampf ist Leidenszeit“

  • -Aktualisiert am

In Stuttgart will keine wirkliche Derbystimmung aufkommen Bild: dpa

Beim VfB Stuttgart fällt die Derbystimmung am Samstag (15.30 Uhr) gegen 1899 Hoffenheim wegen Erfolglosigkeit aus. Die Schwaben müssen gewinnen, um nicht immer weiter in den Abstiegsstrudel zu rutschen. Doch das wird nicht einfach.

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          Ziemlich schnell schien Jens Keller des Themas „Derby“ überdrüssig. „Für uns“, sagte der Trainer des VfB Stuttgart, „ist jedes Spiel ein besonderes Spiel. Wir brauchen drei Punkte, egal gegen wen.“ Neben ihm saß Manager Fredi Bobic und warf fast alle Begriffe in die Runde, die man in Fußball-Krisen gewöhnlich strapaziert. Vom besonderen Duell gegen einen Nachbarn aber, für das „du als Fußballer doch lebst“, wollte Keller nichts wissen.

          Warum bei den Schwaben vor dem Spiel am Samstag (15.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker) gegen 1899 Hoffenheim kaum die erwünschte erwartungsfrohe Derby-Stimmung aufkommen will, ist leicht an der Tabelle abzulesen. Dort steht der VfB Stuttgart mit exakt elf Punkten notiert, was vor dem 15. Spieltag keine gute Nachricht ist. In mancher lokalen Zeitung tauchen Vergleiche zur Saison 1974/75 auf, als der VfB am Ende abstieg, ohne die Gefahr ernsthaft wahrgenommen zu haben. Zumindest das ist 35 Jahre später anders. Abstiegskampf sei „das Brutalste“, was es gebe, meinte Bobic.

          Die Sorge, auch diesmal abzusteigen, ist in Stuttgart wesentlich präsenter, als es die Derby-Aspekte sind. In dieser prekären Situation müssen sich die Stuttgarter mit den Hoffenheimern herumschlagen, die vom ehemaligen VfB-Trainer Ralf Rangnick betreut werden, der zudem einige ehemalige Stuttgarter in seinem Kader hat. Mit mehr Punkten auf der Habenseite hätte man womöglich darüber gesprochen, wer mit wem noch eine Rechnung offen habe. Oder: wem man gerne etwas beweisen möchte.

          Trainer Jens Keller gilt nur als Übergangslösung - die Nachfolger stehen schon bereit
          Trainer Jens Keller gilt nur als Übergangslösung - die Nachfolger stehen schon bereit : Bild: dapd

          Spekulationen um Balakow, Meyer, Daum und Köstner

          Die Aussicht, möglicherweise mit elf Punkten in die Winterpause zu gehen und sich dann dem fast aussichtslosen Kampf um den Klassenverbleib stellen zu müssen, verbreitet in Stuttgart Alarmstimmung. Schon eine Niederlage gegen Hoffenheim könnte kurzfristige Konsequenzen nach sich ziehen. Keller ist als Nachfolger von Christian Gross zwar erst seit Mitte Oktober auf dem Posten. Bei einer Niederlage müsste er aber unter Umständen schon vor der Winterpause für den nächsten Feuerwehrmann Platz machen, weil im Spiel des VfB kaum Fortschritte sichtbar werden. Spekulationen reichen von Krassimir Balakow über Lorenz-Günther Köstner bis zu Hans Meyer, der als heißer Kandidat gilt. Meyer soll seine Bereitschaft, bis Saisonende auszuhelfen, signalisiert haben. Aber selbst die große Lösung mit dem Meistertrainer von 1992, Christoph Daum, erscheint angesichts der bedrohlichen Lage denkbar.

          Es ist noch nicht lange her, da rühmten sich die Stuttgarter, ihr neues Stadion (60.000) würde doppelt so groß sein wie das in Hoffenheim (30.000). Vor dem Duell gegen den badischen Klub hat sich der Fokus drastisch geändert. Es droht die Vorstellung, der VfB könnte gezwungen sein, sein zur reinen Fußballarena umgebautes Stadion im Sommer als Zweitligaklub einzuweihen.

          Die Zwischenlösung Keller

          Ein Abstieg hinterließe in der schwäbischen Führungsetage ebenfalls Spuren. Dieter Hundt, der mächtige Aufsichtsratschef und Arbeitgeberpräsident gilt als interner Kritiker von Staudt und befürwortet, im Gegensatz zu Staudt, eine Verpflichtung seines guten Bekannten Daum, der nicht nur bei ihm, sondern auch beim Stuttgarter Hauptsponsor „Gazi“ hoch im Kurs steht. Wie intensiv der Vorstoß der „Daum-Fraktion“ in Stuttgart diesmal ausfallen könnte, hängt von weiteren Ergebnissen ab. Als Gross gehen musste, lenkte man schnell ein und einigte sich auf die Zwischenlösung Keller.

          „Wenn wir anfangen, uns zu zerfleischen, dann werden wir untergehen. Abstiegskampf ist Leidenszeit, und wir werden zusammen leiden“, sagte Bobic. Der Manager sah sich trotz des vorläufigen innerbetrieblichen Friedens zu einer Warnung veranlasst. Man müsse nun „bedingungslos zusammenstehen und auf dem Platz ein Zeichen setzen“. Es mache wenig Sinn, sich über Dinge zu unterhalten, die einmal sein könnten. Er spüre, jeder sei gewillt, sich einzubringen. Es klang wie der Versuch, vor einem denkbar schwierigen Spiel alle im Klub in ein Boot zu holen. Zumindest das gelang Bobic an diesem Tag vor der Begegnung gegen Hoffenheim überzeugend. Den Rest müssen seine Spieler auf dem Rasen erledigen. Auch für die hatte der Stuttgarter Manager schließlich einen guten Ratschlag übrig: „Entschlossen rausgehen und das Spiel gewinnen.“

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