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Stuttgart gegen Freiburg : Kleines Derby, riesige Bedeutung

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Duell auf Augenhöhe: Der Stuttgarter Vedad Ibisevic (links) und Freiburgs Immanuel Höhn kämpfen im Hinspiel um den Ball. Bild: dpa

Reiches Württemberg gegen armes Baden – auch so kann man die Partie des VfB Stuttgart gegen den SC Freiburg sehen. Für die Schwaben geht es an diesem Samstag (15.30 Uhr) um alles.

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          Es war ziemlich voll und vor allem laut am vergangenen Samstag im Restaurant Schwarzwaldblick unweit des Freiburger Stadions. Hunderte Fans des SC saßen auf der Terrasse in der Sonne und stimmten sich in Sichtweite der Arena bei diversen Getränken auf das Abendspiel gegen Nürnberg ein.

          Auf den Fernsehschirmen lief derweil die Partie zwischen Stuttgart und Dortmund, und bei jedem der drei BVB-Tore durch Marco Reus jubelten die Fans, als hätte ihr SC gerade den Titel geholt. Nach dem Dortmunder Sieg erklang aus vielen Kehlen das Badnerlied, und als ein paar Stunden später die eigene Mannschaft auch noch Nürnberg besiegte, war es ein rundum geglückter Tag für die Freiburger.

          Der vermeintliche VfB-Retter: Huub Stevens

          Man mag sie dort eben nicht besonders, die Stuttgarter. Nein, das ist nicht der blanke Hass wie zwischen den Karlsruher Fans und den Anhängern der Schwaben, eher so ein schlechtes Gefühl, dass da in der Landeshauptstadt strebsam-käsige Bürokraten am Regierungssitz den Südwesten am langen Arm verhungern lassen und das Steuergeld nur im Württembergischen vergraben.

          In Freiburg denken viele, dass der gemeine Schwabe nur eifrig arbeitet, wenig lebt, kaum genießen kann und eben ein ziemlich lustfeindlicher Pietist sei. Umgekehrt pflegt zumindest der Stuttgarter ein ganz einfaches Badnerbild – nämlich keines. Das deckt sich mit der badischen Einschätzung, dass die Großkopfeten sie sportlich doch überhaupt nicht wahrnehmen würden. Weder die Menschen noch der öffentlich-rechtliche Landessender SWR, von dem sich der SC Freiburg auch immer ein bisschen benachteiligt fühlt.

          Freiburg war den Stuttgartern stets suspekt

          Das Gefühl des württembergischen Wahrnehmungsdefizits ist sicher nicht so falsch. Den Aufstieg der Badener 1993 etwa nahm man beim großen VfB eher beiläufig zur Kenntnis, man hielt das Ganze für eine vorübergehende Erscheinung. Der damalige Freiburger Trainer Volker Finke, ein Nordlicht mit einer für die Schwaben fast schon gefährlich linken Ausstrahlung und obendrein noch Lehrer, war jedenfalls den VfB’lern ein wenig suspekt.

          Und der Stuttgarter Vereinspräsident Gerhard Mayer-Vorfelder (aufgewachsen im Badischen) prägte über die Qualität des SC einst den Satz, dass er sich für Spieler wie Martin Spanring nur dann interessieren würde, „wenn der VfB um Platz 14 spielen will“. 1997 kaufte er ihn doch, weil sich der Innenverteidiger an der Dreisam in den Kreis der Nationalmannschaft gespielt hatte. Am Neckar fiel Spanring aber mehr als modische Erscheinung denn als leistungsstarker Spieler auf – und ganz Baden freute sich diebisch.

          Die Grenzen wurden über die Jahre aber durchlässig. Jens Todt kam mit einem Umweg über Bremen 1999 nach Stuttgart, Julian Schuster ging 2008 vom VfB zum SC, und auch Robin Dutt ist zwar gebürtiger Kölner, kam aber als bekennender Schwabe von den Stuttgarter Kickers 2007 als Trainer ins Badische. Spiele zwischen dem Sportclub und dem VfB sind zwar Derbys, gehen aber meist ohne die ganz großen emotionalen Aufgeregtheiten über die Bühne.

          „Es sind kleine Derbys“, sagte einst der Stuttgarter Sportdirektor Fredi Bobic. Er meinte das durchaus freundlich, löste so aber tief im Südwesten wieder den Verdacht der Nichtbeachtung aus. Vor dem Spiel an diesem Samstag (15.30 Uhr / Live im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) hört sich Bobic allerdings ein wenig anders an – es sei doch „etwas spezieller“, sagt der Manager, was angesichts der prekären Lage seines VfB zweifellos berechtigt ist.

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