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5:4 in Leverkusen : Irrer Sieg für Wolfsburg

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Wohl dem, der so einen Stürmer hat: Bas Dost trifft vier Mal in Leverkusen Bild: AP

Unglaubliches Bundesliga-Spiel der Werksklubs: Erst führt Wolfsburg Bayer vor. Dann legt Leverkusen eine grandiose Aufholjagd hin. Das letzte Wort hat aber ein VfL-Spieler – mit seinem vierten Tor.

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          In der BayArena schienen am Karnevalssamstag die Narren los. Bunter, turbulenter und spektakulärer ging es hier seit langem nicht mehr zu. Was zur Pause gegen den VfL Wolfsburg nach den Toren von Dost (6./29. Minute) und Naldo (17.) fast verloren schien, wendete Bayer 04 Leverkusen nach dem Wechsel durch einen Hattrick von Son (57., 62. und 67.) und einen Treffer Bellarabis (72.) fast noch zum Sieg.

          Der Niederländer Bas Dost aber war der Mann des Tages und sorgte mit seinem dritten und vierten Tor (64./90.+3) dafür, dass der Tabellenzweite der Fußball-Bundesliga doch noch mit einem Sieg für die vereinseigenen Geschichtsbücher heimreisen konnte – 5:4. Bayer, der Tabellensechste, dagegen musste die erste Heimniederlage dieser Saison erst einmal verkraften, nachdem sich das Team bravourös an die Wolfsburger herangearbeitet hatte. 28.000 Zuschauer konnten jedenfalls kaum glauben, was sie am Samstag erlebten.

          Zu Beginn der Saison hatte es noch so ausgesehen, als könnten die Leverkusener mit ihrem aggressiven Offensivpressing vielen Abwehrreihen der Bundesliga Angst und Schrecken einjagen. Doch zu mehr als einem Strohfeuer, das beim 2:0 in Dortmund besonders leuchtete, reichte es nicht. Die Werkself schoss immer weniger Tore und verhedderte sich in ihrem oft unkoordiniert anmutenden Tempofußball allzu häufig selbst.

          Bayer schrumpfte zu einer berechenbaren Größe im Vorderfeld der Liga. Je gebremster die Angriffslust wirkte, desto stabiler präsentierte sich zumindest die zunächst für anfällig gehaltene Defensive der Mannschaft von Trainer Roger Schmidt. Das erkennbare Ungleichgewicht innerhalb eines hochbegabten Teams vergrößerte sukzessive den Abstand zur Tabellenspitze.

          Die Entscheidung: Der Niederländer köpft zum 4:5 ein Bilderstrecke
          Die Entscheidung: Der Niederländer köpft zum 4:5 ein :

          Während der FC Bayern München wie erwartet zu einer uneinholbaren Größe der Bundesliga wurde, wuchs auch der Punkteabstand zum VfL Wolfsburg, dem anderen Konzernklub der Bundesliga. Neun Zähler lag der Tabellensechste vor dem 22. Spieltag hinter dem Tabellenzweiten zurück, der mit ihrem auch am Samstag exzellenten Spielmacher Kevin de Bruyne (acht Tore, zwölf Torvorlagen) im Mittelpunkt und dem jüngst vom FC Chelsea für 32 Millionen Euro verpflichteten Weltmeister und früheren Bayer-Star André Schürrle auf dem linken Flügel frischen Glanz verbreiten.

          Und so sah auch die erste Hälfte aus, die die Niedersachsen nach Belieben dominierten. Bei Halbzeit begleitete ein Pfeifkonzert der Bayer-Fans die eigene Mannschaft in die Kabine. Kein Wunder, dass ihnen am Karnevalssamstag der Spaß an der Freud’ vergangen war. Wolfsburg führte 3:0 durch die Treffer von Mittelstürmer Bas Dost sowie das Freistoßtor von Naldo. Hätte der an alter Stätte mit Schmähungen bedachte Schürrle dazu nur eine seiner beiden großen Chancen genutzt, der Rückstand für Bayer wäre wohl uneinholbar gewesen.

          Es war ein Klassenunterschied zwischen beiden Teams. Wolfsburg beherrschte Gegner und Raum. Auf den Flügeln spielten Vieirinha, Caligiuri, Rodriguez, Schürrle, manchmal auch de Bruyne ihre ängstlichen Widersacher nach Belieben aus; im zentralen Mittelfeld eroberte der VfL immer wieder den Ball und schwärmte dann zu kreuzgefährlichen Kontern aus.

          Sehenswert, wie das 1:0, eine punktgenaue Flanke Vieirinhas und ein Kopfballaufsetzer des Niederländers Dost, und das 3:0, eine maßgenaue Vorarbeit de Bruynes, gekrönt durch Dosts Hackentor, zustande kamen. Naldos Freistoßtreffer aus dreißig Metern hätte Torhüter Leno indes verhindern müssen an einem Tag, da Bayer 04 erst nach der Pause sein eigenes Spiel fand.

          Und wie! Nun drehte sich alles in diesem zusehends aufregenderen Duell. Sons Treffer zum 1:3 nach einem Torwartfehler Benaglios, der einen Schuss Bellarabis aus den Händen fluschen ließ, und zum 2:3 nach Wolfsburger Nachlässigkeiten in der Defensive machten alles wieder möglich. Dost konterte mit seinem dritten Tor des Tages, seinem sechsten im vierten Rückrundenspiel, die erste Sturm-und-Drang-Phase der Leverkusener. Sie ließen sich trotzdem nicht mehr abschütteln und legten wieder nach in dieser irren Partie.

          Zuerst vollendete Son seinen Hattrick, und dann lief Bellarabi allen Wolfsburgern davon und erzielte den nicht mehr für möglich gehaltenen Ausgleich. Für den vorletzten Knalleffekt sorgte dann noch der Leverkusener Innenverteidiger Spahic, dem die Gelb-Rote Karte vor Augen gehalten wurde. Eine Aufforderung an den VfL Wolfsburg, den letzten Knalleffekt des Tages zu setzen. Und wieder war es der Matchwinner Bas Dost, der in der Nachspielzeit nach Vieirinhas Flanke zum 5:4 nutzte. Eine Wahnsinns-Schlusspointe in einem irren Spiel.

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