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Stürmer Stefan Kießling : In Leverkusen weht ein Hauch von Abschied

  • -Aktualisiert am

Stefan Kießling genießt nach dem Schlusspfiff die Nähe zu den Fans Bild: Reuters

Gegen Borussia Mönchengladbach hat sich Stefan Kießling in Leverkusen eindrucksvoll zurückgemeldet. Doch für den Stürmer ist bei Bayer 04 längst nicht mehr alles in Ordnung.

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          Ein 5:0 über Borussia Mönchengladbach bringt viele Gewinner hervor, aber für die Hauptrolle einer Aufführung, wie man sie von Bayer 04 Leverkusen lange nicht gesehen hat, konnte es nur einen geben. Diesmal fiel sie nicht dem mexikanischen Stürmerstar Javier Hernandez zu, der drei Tore schoss, sondern seinem Kompagnon im Angriff. Stefan Kießling erzielte zwar einen Treffer weniger, lieferte aber mit einer Art Comeback ein Stück, bei dem auch Fußballromantiker auf ihre Kosten kamen.

          Seit Hernandez nach Leverkusen gewechselt ist und sich dort als Torjäger prächtig eingeführt hat, ist Kießling, jahrelang als Stürmer und als Anführer gesetzt, zu einem Spieler heruntergestuft worden, der zumeist auf der Ersatzbank auf seinen Einsatz warten muss; der Erfolg dieser Entwicklung hielt sich in Grenzen – für Kießling und für die Mannschaft.

          Mit gutem Beispiel voran

          Gegen Gladbach aber wirkte er von Anfang an mit. Und wie! Neben seinen beiden Treffern steuerte Kießling noch zwei Vorlagen für Hernandez bei. Wie Kießling in die Zweikämpfe und überhaupt mit gutem Beispiel voran ging, wie er im Mittelfeld Bälle eroberte und mit fast jedem Anspiel etwas anzufangen wusste, was dem Team nützlich war, das erinnerte an die vielen guten, teils großartigen Tage, die er in knapp zehn Jahren unter dem Bayer-Kreuz erlebt hat. Wie Kießling seine Rolle als Führungskraft mit Herz und mit Kopf-(Ball) ausfüllte, verlieh seinem Auftritt Züge eines Revivals. Plötzlich war alles wie früher, wie noch in der vergangenen Saison.

          Ist also alles wieder gut? Auf den ersten Blick vielleicht, die Fans huldigten ihrem Liebling wie eh und je. Und Kießling versuchte, das Glück des Augenblicks, so gut es ging, zu genießen. Aber das fiel ihm gar nicht so leicht. Natürlich sei er froh und glücklich, „ein solches Spiel“ gemacht zu haben, sagte er. „Es war super.“ Aber zwei Tore, zwei Vorlagen und jede Menge Lob reichten nicht aus, um all das vergessen zu machen, was Kießling als Ergänzungsspieler in den vergangenen Monaten erlebt hat oder eben nicht mehr erlebt hat. Ein Reporter fragte, ob das nicht eine harte Zeit gewesen sei. Die Antwort fiel knapp aus - und verriet doch einiges über Kießlings Empfinden. „Die Zeit ist immer noch hart“, sagte er.

          Vorneweg ins Glück: Stefan Kießling rutscht über den Rasen, Wendell und Chicharito (r.) kommen kaum hinterher Bilderstrecke
          Vorneweg ins Glück: Stefan Kießling rutscht über den Rasen, Wendell und Chicharito (r.) kommen kaum hinterher :

          Im Zweikampf auf dem Rasen ist Kießling robust. Das Dasein auf der Bank aber hat ihm offenkundig zugesetzt. Also steuerte die romantische Geschichte dieses sechzehnten Spieltages nicht geradewegs auf ein Happy End zu. Die Spekulationen, Kießling könnte den Klub in der Winterpause verlassen, halten an. Weder der Stürmer selbst noch seine Vorgesetzten traten ihnen mit Vehemenz entgegen. So gut ihm das Erfolgserlebnis dieses Abends emotional und sportlich getan haben mag, Kießling konnte und wollte nicht sofort in den Modus des strahlenden Helden wechseln, der seiner großen Liebe nach gewonnenem Kampf ewige Treue schwört.

          Auf seine berufliche Zukunft angesprochen, klang der Stürmer eher nachdenklich. „Ehrlich gesagt, wird man das sehen.“ Mit 31 Jahren fühlt Kießling sich noch fit und treffsicher genug, um regelmäßig zu spielen. Das aber wird ihm Trainer Roger Schmidt auch nach der jüngsten Gala wohl kaum zusichern. Also sagt Kießling, er werde sich weiter seine „Gedanken machen, mit den Verantwortlichen darüber reden und dann sehen, was die beste Lösung ist“.

          Der Leverkusener Trainer hat mit Wohlgefallen beobachtet, wie wertvoll Kießling noch sein kann. Schmidt bescheinigte ihm, bei der Rückkehr in die Startelf „aus dem Stand seine absolute Bestform“ erreicht zu haben. „Wenn er so spielt, können wir nicht auf ihn verzichten.“ Sogar das angeblich schwierige Zusammenspiel mit Hernandez ist eindruckvoll gelungen, wie vier der fünf Tore gegen Gladbach belegen. „Was funktioniert, sollten wir auf den Platz bringen“, sagte Schmidt. „Das kann auch große Zukunft haben.“

          Bei aller Freude über eine gelungene Gala ist es aber weder Kießling noch seinem Vorgesetzten gelungen, die weitere Zusammenarbeit als Ziel zu formulieren. Der Trainer zeigt Verständnis für Kießlings Gedanken an einen möglichen Wechsel. „Es ist eine Frage des Respekts, dass die Vereinsführung mit ihm darüber spricht und sich seine Wünsche anhört.“ Wie nah die Trennung ist, wissen nur die Beteiligten. Der Außenstehende aber konnte an diesem Abend den Eindruck haben, dass neben großer Begeisterung auch ein Hauch von Abschied durch die BayArena wehte.

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