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Vertragspoker mit Adi Hütter : „Es hängt nicht an viel“

  • -Aktualisiert am

Akribische Detailarbeit in der Sichtungsphase: Eintracht-Trainer Adi Hütter spricht mit seinen Spielern beim Test gegen die AS Monaco Anfang August. Bild: Reuters

Für Eintracht-Trainer Adi Hütter ist seine Vertragsverlängerung kein dringliches Thema, aber die von Kamada. Für einen anderen Spieler stehen die Zeichen dagegen wohl auf Abschied.

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          Drei Wochen vor dem Pflichtspielstart der neuen Saison befindet sich die Frankfurter Eintracht in der Sichtungsphase. Trainer Adi Hütter hat eine Vorauswahl von 20 Feldspielern getroffen, sie mischt er in den Trainingseinheiten immer wieder fleißig durch, wenn wettkampfnah elf gegen elf geübt wird. Und auch für das Testspiel an diesem Samstag (18.00 Uhr) bei der PSV Eindhoven kündigt der österreichische Trainer an: „Zu 98 Prozent werden wir mit zwei unterschiedlichen Teams jeweils 45 Minuten spielen.“ Jeder soll sich beweisen können. Jeder der 20. Für Simon Falette, Jetro Willems und Dejan Joveljic gilt das nicht, wie auch für ein halbes Dutzend Nachwuchsspieler, das mit einem Profivertrag ausgestattet worden ist. Sie trainieren unter der Anleitung von Athletiktrainern unter sich.

          Bundesliga
          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Von den Leihspielern, die zurückkehrten, haben Aymen Barkok (Fortuna Düsseldorf) und Tuta (Kortrijk) den ersten Cut überstanden. Dem Eintracht-Eigengewächs und dem Brasilianer bescheinigte Hütter, einen guten Eindruck hinterlassen zu haben, genauso wie die Zugänge Steven Zuber, der im Tausch mit Mijat Gacinovic von der TSG Hoffenheim kam und Ragnar Ache von Sparta Rotterdam. Auch Joveljic habe sich, so Hütter, nichts zuschulden kommen lassen, aber für den 21 Jahre alten Serben ist einfach kein Platz mehr im Trainingsteam. Nach Dost, Silva, Paciencia und Neuzugang Ache wäre er der fünfte Stürmer und so etwas wie das fünfte Rad am Wagen.

          Hütter empfiehlt Joveljic, sich auf Leihbasis einen passenden Verein zu suchen, bei dem er Spielpraxis und Selbstvertrauen erwerben kann. Er sei von den Entwicklungsmöglichkeiten des früheren Torjägers überzeugt. „Wenn er einen Klub findet, der ihn forciert, bin ich sicher, dass wir wie bei Kamada einen ganz anderen Spieler retour bekommen.“ Die Eintracht zahlte für den Serben im vergangenen Sommer über vier Millionen Euro Ablöse an Roter Stern Belgrad. Nachdem der Stürmer in der „Youth Champions League“ Tor auf Tor erzielt hatte, durfte Joveljic sogar in zwei echten Champions-League-Spielen ran. Halb Europa war hinter ihm her gewesen, die guten Kontakte zu seinem Berater und der Ruf, ein guter Ausbildungsverein zu sein, gaben den Ausschlag, dass er sich für die Eintracht entschied. Joveljic soll jetzt von einem Leihklub ausgebildet werden.

          Bei Falette stehen die Zeichen auf Abschied

          Auch Simon Falette wird von Hütter geschätzt, auch für ihn ist die Konkurrenz in Frankfurt zu groß, auch für ihn soll ein neuer Klub gefunden werden. Allerdings ist die Ausbildung des französischen Verteidigers mit 28 Jahren schon abgeschlossen. Die beiden Beispiele zeigen, wie groß der Verdrängungswettbewerb bei der Eintracht geworden ist. Wegen der Einnahmeverluste durch die Corona-Pandemie von 60 Millionen Euro ist die Eintracht gezwungen, den Kader möglichst schlank zu halten, zudem gibt es für die Profis weniger Einsatzmöglichkeiten, da die Europa-League-Begegnungen wegfallen. Entsprechend lebhaft und konzentriert geht es im Training zu. „Alle trainieren mit einem guten Drive, Einsatz und Engagement lassen nicht zu wünschen übrig“, formuliert Hütter.

          An der Qualität gilt es allerdings noch zu feilen. Das tut der Österreicher mit Akribie. Am Freitag unterbrach er das große Trainingsspiel spätestens alle 30 Sekunden, um seinen Profis die perfekten Laufwege und Passmöglichkeiten aufzuzeigen. Das kam den Trainingskiebitzen und vielleicht sogar dem ein oder anderen Spieler ein bisschen nervig vor, aber es zeigt, wie klar und detailliert die Vorstellungen des Trainers sind. Und nach einiger Zeit stellten sich bei einigen Spielzügen beeindruckende Erfolge im Pressing ein.

          Genau daran will Hütter während der gesamten Saison weiter arbeiten, „Besseres Anlaufen, schnelleres Gegenpressing, besseres gemeinschaftliches Verteidigen“. Im Gegensatz zu den vergangenen zwei Spielzeiten mit Europa-League-Kampagnen und vielen Englischen Wochen wird er die Zeit dazu haben. Mit welchem Personal der Österreicher dann arbeiten wird, steht noch lange nicht fest. Denn das Transferfenster schließt erst am 5. Oktober. „Wir müssen warten, wer geht“, sagt Hütter, „aber es ist ein gutes Gefühl, dass wir schon jetzt alle Positionen doppelt besetzt haben.“

          Und falls jemand aus dem Aufgebot herausgekauft werde, sei man vorbereitet. Einer der Wechselkandidaten ist Daichi Kamada. Der Japaner hat mit seinen Auftritten als offensiver Mittelfeldspieler Interesse geweckt und zögert mit der Vertragsverlängerung. „Ich würde ihm raten, zunächst in Frankfurt zu bleiben. Wenn er das Niveau hält oder vielleicht noch steigert, dann steht ihm nichts im Wege, woanders hinzugehen.“ Kamadas Zukunft sei ein viel interessanteres Thema als seine, meinte Hütter, als er auf seine ausstehende Vertragsverlängerung über den 30. Juni 2021 hinaus angesprochen wurde. Er habe sich keine Deadline für die Unterschrift gesetzt. „Es hängt nicht an viel, ich will aber keine Details nennen. Wichtig ist, dass die Gespräche auf einem hohen Niveau geführt werden.“

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