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Bundesliga-Kommentar : 30.000 Euro für einen Böller

Tatort Köln: Der Mann, der den Böller geworfen hatte, wird in Polizei-Gewahrsam genommen Bild: Imago

Wenn Bundesliga-Klubs für das Fehlverhalten ihrer Fans aufkommen sollen, geht es vermehrt den Delinquenten ans Portemonnaie – sofern die Übeltäter ermittelt werden können.

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          War das der teuerste Böller in 40 Jahren Zweite Bundesliga? 30.000 Euro soll ein Anhänger des 1. FC Köln dem Verein erstatten, urteilte das Kölner Landgericht. Der Mann hatte am 9. Februar 2014 beim Heimspiel des damaligen Zweitligatabellenführers gegen den SC Paderborn einen Böller vom Oberrang der Nordtribüne auf den Unterrang geworfen. Sieben Personen wurden verletzt, im August vergangenen Jahres wurde der Mann wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Gefängnisstrafe von 18 Monaten verurteilt – auf Bewährung ausgesetzt.

          Zudem soll er 4000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Das strafrechtliche Urteil ist bislang nicht rechtskräftig. Das DFB-Sportgericht hatte den 1. FC Köln wegen des Böllerwurfs und vier weiteren Fällen zu einer Geldstrafe von 80.000 Euro verurteilt. Der Klub wiederum hat den Mann nun erfolgreich in Regress genommen und vom Landgericht Recht bekommen: einen beträchtlichen Teil der Strafe, eben 30.000 Euro, soll der Fan erstatten.

          Flitzer, Bengalos und Spruchbänder

          Der Fall und das Urteil, das ebenfalls noch nicht rechtskräftig ist, bestätigen einen Trend im Umgang mit verhaltensauffälligen Fußballfans. Wenn es teuer wird für die Klubs, dann geht es den Delinquenten ans Portemonnaie – sofern die Übeltäter eindeutig ermittelt werden können. Ähnlich war Hannover 96 im Winter verfahren, als es Teile einer von der Europäischen Fußball-Union (Uefa) verhängten Strafe aus einem Europa-League-Spiel beim FC Kopenhagen von einem Flitzer und einem Fan zurückholte, der einen Bengalo entzündet hatte.

          Und Bayer Leverkusens Geschäftsführer Michael Schade hat bereits angekündigt, die eigenen Fans für die Strafe in Höhe von 20.000 Euro in Regress zu nehmen, die von der Uefa am Donnerstag gegen den Klub wegen eines beleidigenden Spruchbandes verhängt worden ist, das Bayer-Fans im Champions-League-Achtelfinale an Anhänger von Atlético Madrid gerichtet hatten. Das alles klingt so logisch, das man sich fragen kann, warum die Klubs erst in jüngerer Zeit darauf gekommen sind. Es wäre im Gegenteil sträflich, würden die Klubverantwortlichen in einem so eindeutigen Fall wie dem des Böllerwerfers nicht versuchen, das Geld zurückzuholen: weil zumindest zu hoffen ist, dass eine Regressklage Nachahmer abschreckt. Und weil die Kölner Vereinsmitglieder, die über ihren Vorstand die ausgegliederte Profiabteilung kontrollieren, verlangen dürfen, dass Geldstrafen auf jene umgelegt werden, die für sie eindeutig verantwortlich sind.

          Das allerdings setzt zweierlei voraus: Der Täter muss eindeutig identifizierbar sein – und die von den Verbandsgerichten festgelegte Summe muss angemessen sein. Noch vor einiger Zeit war der 1. FC Köln daran gescheitert, einen Becherwerfer in Regress zu nehmen. Das Kölner Amtsgericht hatte damals geurteilt, es sei nicht vorherzusehen gewesen, dass der DFB den Klub deshalb zur Zahlung von 10.000 Euro verurteilen würde. Tatsächlich bedeutet das eine indirekte Kontrolle der Schiedssprüche der Verbände durch die Regressklagen – auch dagegen ist kaum etwas einzuwenden.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

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