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Mainz 05 : Vereinsrechtler empfiehlt eine GmbH

Eingetragener Verein: Mainz 05 droht die Löschung aus dem Vereinsregister. Bild: Imago

Mainz 05 wurde die Löschung aus dem Vereinsregister angedroht. Eine ernsthafte Gefahr für die Lizenz des Fußball-Bundesligavereins besteht nicht. Der Klub will mit dem etwas aufgebauschten Kampf ein Zeichen setzen. Es gäbe aber auch eine praktikable Lösung.

          Eine Rechtspflegerin meint es ernst: Am 4. Oktober hat die für das Vereinsregister zuständige Mitarbeiterin des Amtsgerichts Mainz dem Fußball-Bundesligaklub Mainz 05 eine Frist gesetzt. Sie wolle endlich einen Zeitplan, wie sich der nach wie vor eingetragene Verein angesichts von mehr als 100 Millionen Euro Umsatz die für ein derartiges Wirtschaftsunternehmen angemessene Ausgliederung in eine Kapitalgesellschaft vorstelle. Auf drei vorangegangene Schreiben hatte der Klub nicht zu ihrer Zufriedenheit reagiert. „Daher sieht sich das Gericht gezwungen, wenn bis zum 15.11.2018 keine Mitteilung erfolgt, ein Verfahren auf Löschung einzuleiten“, steht in dem Brief.

          Bei der Mitgliederversammlung am Montagabend reagierte der Verein trotz der Vorgeschichte, die mit einer Empfehlung des mittlerweile pensionierten früheren Rechtspflegers im Jahr 2017 begonnen hatte, als ob er aus heiterem Himmel überrascht worden sei. Aufsichtsratschef Detlev Höhne bezeichnete den Vorstoß als „unglaublichen Angriff auf die Selbstbestimmung des Vereins“ und somit auf die Mitglieder als Eigentümer. „Wir werden uns das nicht gefallen lassen und kündigen größten rechtlichen wie politischen Widerstand an.“ Höhne zeichnete das Horrorbild eines Lizenzverlustes im Fall der Löschung.

          Keine wirkliche Gefahr

          So weit wird es freilich nicht kommen: Bei einem Gang durch die Gerichtsinstanzen vergehen mehrere Jahre bis zu einem rechtskräftigen Urteil. Der Vereinsrechtsexperte Professor Lars Leuschner von der Universität Osnabrück sagte auf Anfrage, dass die Meinung in der Rechtswissenschaft sehr gespalten ist, seit im vergangenen Jahr im sogenannten Kita-Urteil zugunsten eines privaten, wirtschaftlich tätigen Kindertagesstättenvereins entschieden worden sei.

          „In Folge der Kita-Entscheidung des Bundesgerichtshofs ist die Rechtslage ziemlich offen. Diejenigen in der Literatur, die sich dazu bisher geäußert haben, sind der Auffassung, dass der Bundesligaverein nicht mit der Kita vergleichbar ist. Die Vereine haben jetzt aber deutlich bessere Karten, weil der BGH grundsätzlich sagt, dass die Anerkennung der steuerlichen Gemeinnützigkeit seitens der Finanzämter die Eintragungsfähigkeit als e.V. indiziert, in der Regel folgt aus der Gemeinnützigkeit also die Eintragungsfähigkeit.“ Aus der Mainzer Angelegenheit könnte freilich dennoch eine größere juristische Sache werden, da der Gemeinnützigkeitsstatus von Profivereinen bereits seit längerem grundsätzlich als fragwürdig angesehen werde und bislang alle Augen zugedrückt werden, da er den Klkubs ohnehin keine echten steuerlichen Vorteile mehr bringe.

          Nach Ansicht Leuschners wäre der juristisch vernünftigste Weg, dass sich Mainz 05 für eine GmbH entscheide. „Der kurzfristige Nachteil wäre, dass man zu einer recht aufwändigen Umstrukturierung gezwungen ist. Mehr aber auch nicht“, sagt Professor Leuschner. „Es wird immer behauptet, dass der Einfluss der Fans schwinden würde. Man kann das aber auch so strukturieren, dass sich wenig ändert.“

          Dass Mainz 05 trotz bereits erfolgter Beratung mit seinen Anwälten diesen Weg noch nicht eingeschlagen hat, dürfte auch damit zusammenhängen, dass das Thema Verein sehr emotional geführt diskutiert wird in der Fanszene. Mainz 05 setzt sich mit seiner Argumentation für den Erhalt der Vereinsstruktur in der bisherigen Form an die Spitze des Kampfs gegen Neuerungen. Damit entspricht der Klub seinem Kurs der Annäherung an die eigene Fanbasis im Bemühen, wieder mehr Zuschauer ins Stadion zu locken als zuletzt. Bei der Mitgliederversammlung am Montag veröffentlichte Vorstandschef Hofmann Ergebnisse von Umfragen, die einen dramatischen Rückgang bei der Neugewinnung von Anhängern in den vergangenen sieben Jahren belegen.

          Die laufende Diskussion um den Vereinsstatus kommt da gelegen, um die Fanbasis zu mobilisieren. „Das Ganze wird sehr emotionalisiert und zur Glaubensfrage hochstilisiert, vor allem bei den Ultras. Objektiv betrachtet ist das aber eher Quatsch“, sagt Professor Leuschner.

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