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Vereine unter Druck : Wenn Fans Politik machen wollen

  • -Aktualisiert am

Pointierte Botschaften gegen Hoeneß: Bayern-Fans am 28. Spieltag gegen Borussia Mönchengladbach Bild: dpa

Spätestens die Parolen gegen Uli Hoeneß haben gezeigt, wie rabiat ein Teil der Fußballanhänger eigene Forderungen durchzusetzen versucht. Die Liga-Oberen sind immer mehr dazu gezwungen, sich mit der Meinungsmacht auseinandersetzen.

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          Thomas wohnt in der Pfalz und schert sich eigentlich herzlich wenig um den FC Bayern München. Höchstens wenn es gegen seinen Lieblingsklub 1. FC Kaiserslautern geht – dann wünscht er dem deutschen Fußball-Rekordmeister alles Schlechte. In dieser Woche aber konnte er nicht anders, als für die Bayern in die Bresche zu springen. Besser, für den Präsidenten des Klubs, der von Teilen der eigenen Fans übel beschimpft worden war. „Was Uli Hoeneß in den letzten dreißig Jahren für Euch getan hat, hat kaum jemand anderes für seinen Verein getan. Der FCB würde sich umschauen, wenn er mal nicht mehr da sein sollte“, schreibt Thomas auf der Internetplattform Facebook. Kenneth aus Hamburg erging es ähnlich. Auch er hat als Fan des HSV grundsätzlich nicht viel übrig für den erfolgreichsten Verein Deutschlands, aber der Vorfall im Münchner Stadion am vergangenen Wochenende ging ihm doch zu weit. Kenneth schickte eine Mail an Uli Hoeneß, die auf der Homepage des FC Bayern veröffentlicht wurde. „Ich hoffe, die Personen kommen zur Vernunft und erkennen, was Sie an Ihnen haben und was der Verein Ihnen zu verdanken hat“, hieß es darin. „Viele Clubs wären froh, jemanden wie Sie zu haben.“

          Ein Teil der Fans in der Südkurve der Allianz-Arena hatte beim Bundesligaspiel des FC Bayern gegen Borussia Mönchengladbach vor einer Woche deutlich seinen Protest formuliert. Es ging um die von Hoeneß und der Bayern-Vereinsspitze ins Auge gefasste Hilfe für den maroden Lokalrivalen TSV 1860 und um eine mögliche Verpflichtung des Schalker Torhüters Manuel Neuer. Es wurden riesige Banner mit pointierten, zum Teil geschmacklosen Botschaften aufgehängt. Das allein aber hätte vermutlich noch nicht für die große Aufregung gesorgt, weil zum einen die Ablehnung Neuers nicht neu ist und zum anderen der Wunsch, die „Löwen“ insolvent zu sehen, zulässig ist – aus Gründen der lokalen Rivalität trotz der finanziellen Folgen für die Bayern wegen fehlender Mieteinnahmen für das Stadion. Der Protest vornehmlich einer Bayern-Fangruppierung („Schickeria“) gewann vor allem deshalb eine besondere Dynamik, weil auch Hoeneß persönlich übel attackiert worden war, der langjährige Manager und jetzige Präsident, der nicht nur für Bayern-Fans den Verein verkörpert. Ihm wurde Milde gegenüber dem TSV 1860 vorgeworfen, außerdem musste er sich der Lüge bezichtigen lassen, weil er ein paar Monate zuvor auf der Jahreshauptversammlung angekündigt hatte, dem Lokalrivalen künftig nicht mehr unter die Arme zu greifen.

          Gegen die Kommerzialisierung des Fußballs

          Nicht nur in München versuchen Fans, Vereinspolitik zu betreiben. In Hamburg waren Mitglieder des Klubs am Sturz des HSV-Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann beteiligt. Die sogenannten Supporter des Vereins haben Sitz, Stimme und Einfluss im Hamburger Aufsichtsrat, der Hoffmann eine Vertragsverlängerung verweigerte. In Köln wurde im November des vergangenen Jahres der „FC Reloaded“ gegründet. Die Gruppierung hatte bei der Jahreshauptversammlung die Entlastung des Präsidiums um den ehemaligen Nationalspieler Wolfgang Overath verhindert und will einen wie auch immer gearteten Wandel des Traditionsvereins herbeiführen. Beim FC Schalke 04 forderten viele Fans vehement die Entlassung des Trainers Felix Magath. Dass die Vereinsführung den unterfränkischen Autokraten tatsächlich durch Ralf Rangnick ersetzte, hatte aber vermutlich mehr mit dem Unmut in der Mannschaft gegenüber Magath zu tun. In Nürnberg waren die Fans mit ihrer Kampagne gegen den Stadionnamen erfolgreich. Die Bank, die die Namensrechte an der Arena erworben hat, zieht sich vorzeitig zurück. Nun steht im Frankenland auch noch der Hauptsponsor, ein deutsch-französischer Kernkraftkonzern, in der Kritik. Ein paar Fans und viele Umweltaktivisten verlangen vom Verein, die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen zu überdenken.

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