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Verbales Foulspiel nach dem Derby : Mario Gomez und Maik Franz - Wie zwei Kinder im Sandkasten

  • -Aktualisiert am

„Er ist ein Arschloch”: Mario Gomez (r.) hat keine gute Meinung über Maik Franz Bild: REUTERS

Es war das persönliche Duell in einem hitzigen Derby zwischen Stuttgart und Karlsruhe. Nachher hatte Mario Gomez deftige Worte für Widersacher Maik Franz übrig. Nun droht dem Nationalspieler der Schwaben ein Nachspiel.

          3 Min.

          Es war wie früher. Wie im Sandkasten. Zwei Kinder geraten in Streit. Ein Wort gibt das andere, dann bewerfen sich die Gören mit Sand, und die pädagogisch wertvollste Intervention der Erziehungsberechtigten vermag die Lage nicht mehr zu entspannen. Erst der Rückzug eines Widersachers lässt wieder Ruhe auf dem Spielplatz einkehren. Am Samstagnachmittag war es Mario Gomez, der das Feld des Gottlieb-Daimler-Stadions als Erster räumte.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Nicht, weil er der Verlierer des Duells war: Zum 3:1-Derbysieg seines VfB über den Karlsruher SC hatte der Stuttgarter Nationalstürmer den Treffer zum 1:0 (5. Minute) beigetragen. Und schon gar nicht ging er, weil er der Klügere gewesen wäre, der nachgibt: „Er ist ein Arschloch“, sagte Gomez ein paar Minuten nach dem Abpfiff der Bundesligapartie über seinen Quälgeist Maik Franz, seines Zeichens Verteidiger des KSC. Der Karlsruher hatte dem Stuttgarter eine ganze Menge Sand zu schlucken gegeben.

          „Es ist die Realität, eine Tatsache, die Wahrheit“

          Trainer Armin Veh nahm seinen arg geschundenen Torjäger in der 78. Minute vom Feld, weil er zu diesem Zeitpunkt beim Zwischenstand von 2:0 (Hilbert hatte in der 26. Minute erhöht) glaubte, der dringend benötigte Erfolg wäre in trockenen Tüchern. Damit hatte Veh recht, obwohl der Karlsruher Hajnal es in der 80. Minute noch mal spannend machte. Aber Cacau entschied dann doch noch die Begegnung durch sein Kontertor kurz vor Schluss (88.) zugunsten des VfB.

          „Es ist Zeitverschwendung, darüber zu reden, wir haben gewonnen, das ist das Entscheidende.“ Mario Gomez wollte sich am Samstagabend keinen weiteren Satz über sein Privatduell mit Maik Franz entlocken lassen. Nur auf seinen eindeutigen Fernsehkommentar angesprochen, meinte er trotzig: „Es ist die Realität, eine Tatsache, die Wahrheit.“ Seinem Gegner Franz bereitete es dagegen sichtlich Vergnügen, über den Nachmittag zu sprechen: „Ich glaube nicht, dass die Zuschauer so traurig darüber waren, was sie sahen.“

          „Ich hatte einen Freund auf der Gegentribüne sitzen“

          Die 55.000 Fußballfreunde im Stadion hatten ein aggressiv geführtes Derby erlebt, aus dem der Zweikampf zweier einander durch herzliche Abneigung verbundener Führungsspieler herausragte. „Gomez ist ein emotionaler Spieler, ich bin ein emotionaler Spieler, da prallen zwei Böcke aufeinander“, beschrieb Franz die Situation. Schon nach wenigen Sekunden hatte der KSC-Verteidiger mit ausgestrecktem Zeigefinger den VfB-Stürmer darauf hingewiesen, dass er freiwillige Flugeinlagen zu unterlassen habe. In der fünften Minute zog sich Gomez den Zorn des Karlsruhers zu, als er ausgerechnet vor den KSC-Fanblock lief, um dort seinen Führungstreffer zu bejubeln. „Das macht man nicht, da muss er noch viel lernen“, kommentierte Franz die Szene.

          Der Stuttgarter versuchte witzig zu sein: „Ich habe die Seite verwechselt, normalerweise schieße ich meine Heimtore immer auf der anderen Spielfeldseite.“ Dort sind die hartgesottenen VfB-Fans zu Hause. Dann verbesserte er sich: „Ich hatte einen Freund auf der Gegentribüne sitzen, dem habe ich mein Tor gewidmet.“ In der achten Minute trennte Schiedsrichter Merk die beiden Streithähne, als sie, weitab vom Ball, hitzige Worte und Drohgebärden austauschten. Eine Minute später wand sich Franz vor Schmerzen am Boden. Gomez hatte ihn bei einem Kopfball-Duell am Rücken getroffen.

          „Ich brauche das nicht, aber heute hat es gepasst“

          Geduldig wartete der KSC-Verteidigungsexperte auf den richtigen Zeitpunkt zur Revanche. Bis zur 39. Minute beschränkte sich Franz auf verbale Provokationen und harten körperlichen Einsatz. Dann fand er die Gelegenheit, Gomez in die Beine zu treten. Merk pfiff, zückte jedoch nicht mal Gelb. „War doch geschickt“, sagte Franz, der keine Anstalten machte, seine schmerzhafte Attacke als ungewollt zu bemänteln.

          Spätestens in diesem Moment hatten sich die Vorzeichen dieses Duells geändert, Gomez geriet in die Opferrolle. Franz beschrieb die Psychologie der Auseinandersetzung vergnügt. Die Quintessenz aus seiner Darstellung: Gestandene Fußballprofis lassen sich nicht veralbern, schon gar nicht von jungen Nationalspielern. Franz scheut nicht die hässliche Form des Fußballs. „Ich brauche das nicht, aber heute hat es gepasst.“

          „Das gehört zum Fußball, das ist ein Männersport“

          Dabei akzeptiert er, dass zum Geben auch Nehmen gehört: „Ich würde nie sagen, mein Gegner wäre ein böser Mensch, nur weil er mich gefoult hat. Das gehört doch zum Fußball, das ist ein Männersport.“ Franz behauptete, dass er Gomez nach dem Abpfiff gern die Hand gereicht hätte. „Für mich ist dann alles vergessen, aber er hat sich für was anderes entschieden.“ Nach dem Abpfiff tauschten die beiden weitere Garstigkeiten aus.

          Am nächsten Morgen siegte vielleicht doch noch die Einsicht - auch weil in dieser Sache inzwischen der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes ermittelt? Mario Gomez jedenfalls ließ auf der VfB-Internetseite verbreiten, dass es nicht völlig okay gewesen sei, wie er seinem Unmut über die Spielweise von Franz Luft gemacht habe. Werden die beiden etwa noch Freunde? Auch in deutschen Sandkästen hat man schon die schönsten Versöhnungsszenen gesehen. Maik Franz jedenfalls freut sich schon auf das Wiedersehen, sagt er.

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