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Union-Präsident Dirk Zingler : „Bei uns wird keine heile Welt vorgespielt“

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Deutliche Ansage: In der Alten Försterei bestehen die Zuschauer zwar nicht auf Siege, aber auf bedingungslose Identifikation mit dem Verein Bild: picture alliance / dpa

Union Berlin ist der etwas andere Klub im deutschen Profifußball. Im F.A.Z.-Interview spricht Präsident Dirk Zingler vor dem Pokalspiel gegen Kaiserslautern (19.00 Uhr) über das Projekt Bundesliga-Aufstieg, die Polizei und „geile Nachmittage“.

          Union hat zuletzt Rekordeinnahmen (20,49 Millionen Euro), einen Rekordetat (19,31 Millionen Euro) und einen Rekordgewinn (1,18 Millionen Euro) präsentiert. An diesem Dienstag (19.00 Uhr / Live im DFB-Pokal-Ticker bei FAZ.NET) tritt der Klub im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen den 1. FC Kaiserslautern an.

          Was bedeutet es für Sie, wenn Union das Viertelfinale im DFB-Pokal erreicht?

          Wenn wir weiterkommen, haben wir einen tollen Abend in der Alten Försterei erlebt. So ein Erlebnis sollte immer im Mittelpunkt stehen. Das Schönste - noch deutlich vor der sportlichen Aufmerksamkeit und dem wirtschaftlichen Gewinn - muss doch dieser Abend sein. Darauf müssen wir uns im Fußball wieder reduzieren - und uns nicht auf das ganze Drumherum konzentrieren.

          Spaß haben - das ist Ihr Plan?

          Wir kommen bei uns doch alle aus der Kurve. Wir sind wahrscheinlich der einzige Verein im deutschen Profifußball, der aus der Fanszene heraus geführt wird. Wir kommen hier in der Führung nicht aus dem Sport, wir sind keine ehemaligen Profis. Und wir kommen auch nicht aus der Vermarktung oder dem Ausrüster-Management. Wir sind ausschließlich mit der Sicht eines Fans in das Fußballgeschäft gekommen. Diese Herkunft prägt unser Handeln. Wir haben eine ganz andere Erwartungshaltung an diesen Sport. Diese neunzig Minuten sind für uns das höchste Gut. Da wollen wir unseren Spaß haben.

          Der etwas andere Verein, der etwas andere Präsident: Dirk Zingler

          Wie hat sich nach über neun Jahren Präsidentschaft Ihr Blick auf den Profifußball verändert - dieses ständige Gefühl eines Fans lässt sich über so viele Jahre ja nicht simulieren?

          Man verliert seine Unschuld, die man aus Fansicht mitbringt. Es fängt schon damit an, dass man in dem Spieler, der am Ende den Elfmeter verschießt, den Familienvater oder den ganz jungen Menschen sieht, der auch seine Probleme hat - oder einfach nur ein junger Kerl ist. Das ist nicht mehr der Held, das Idol. Man lernt aber auch die unterschiedlichen Herangehensweisen in den Klubs kennen. Man merkt, ob ein Verein von einem ehemaligen Vermarkter geführt wird oder von einem Exprofi. Da geht’s manchen um die persönliche Karriereplanung, anderen ausschließlich um den sportlichen Wettbewerb, die dann aber auch wirklich alles dem sportlichen Erfolg unterordnen. Das ist aber nicht meine Einstellung.

          Sondern?

          Die 20.000 Zuschauer, die zu uns kommen, erleben doch täglich, dass auch zu ihrem Leben Siege und Niederlagen gehören. Keiner von uns 20.000 ist perfekt. Diese Nähe zu den Spielern, die wir zulassen, soll bei uns Teil unseres Produkts Fußball sein. Bei uns wird keine heile Welt vorgespielt. Wir sagen keine Sätze wie: „Wenn wir dreißig Millionen Etat haben, steigen wir auf.“ So etwas ist Quatsch. Bei uns sollen Leute auch bei einer Niederlage sagen können: Das war ein geiler Nachmittag, das hat mir Spaß gemacht. Ich habe Menschen getroffen, mit denen ich mich identifiziere, und ich identifiziere mich auch mit den Verlierern da unten. Ich hatte in dieser Woche auch einen schlechten Tag, habe meinen Fehler auf der Arbeit gemacht. Ich lasse zu, dass mein Fußballer auch einen Fehler macht.

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