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Corona-Tests für alle Fans : Eisern testen für ein volles Stadion

Testen fürs volle Stadion: Union Berlin hofft bald wieder auf solche Bilder. Bild: dpa

Mit Corona-Tests für mehr als 22.000 Zuschauer will Union Berlin schon im September wieder in einem vollen Stadion spielen. Der Klub würde die Kosten dafür tragen. Doch der ambitionierte Plan birgt Gefahren.

  • Aktualisiert am
          2 Min.

          Nach der Veröffentlichung seiner ambitionierten Idee will Fußball-Bundesligaklub 1. FC Union Berlin den Plan für einen Saisonstart im vollen Stadion weiter vorantreiben. „Erste Gespräche mit möglichen Partnern“, um das Konzept mit Tests auf das Coronavirus für alle Stadionbesucher umzusetzen, würden bereits laufen, teilten die Köpenicker mit. Wenn die Rahmenbedingungen konkretisiert seien, soll das Konzept dem zuständigen Gesundheitsamt und dem Land Berlin sowie dann auch öffentlich vorgestellt werden. Das dauere aber noch ein bisschen, erklärte ein Union-Sprecher am Freitagabend.

          Mit seinem in Deutschland bislang einmaligen Vorhaben sorgt Union für mächtig Wirbel in der öffentlichen Debatte, wann wieder Profifußball vor Zuschauern möglich sein wird. Der Klub will spätestens ab dem ersten Spieltag der kommenden Saison wieder eine „Vollauslastung“ des Stadions An der Alten Försterei erreichen. Dies soll mit Hilfe von Coronatests für alle 22.012 Karteninhaber sowie alle Anwesenden vor Ort möglich werden.

          „Unser Stadionerlebnis funktioniert nicht mit Abstand, und wenn wir nicht singen und schreien dürfen, dann ist es nicht Union“, sagte Klub-Präsident Dirk Zingler: „Gleichzeitig steht die Sicherheit unserer Besucher und Mitarbeiter im Mittelpunkt unserer Überlegungen. Wir wollen bestmöglich gewährleisten, dass sich in unserem ausverkauften Stadion niemand infiziert. Das gilt für Unioner und gleichermaßen auch für Gästefans.“

          Union trägt Kosten

          Der Plan bedeute einen außerordentlichen organisatorischen und wirtschaftlichen Aufwand. Der Klub wolle „die Kosten für die Umsetzung der notwendigen Maßnahmen selbst tragen“. Aktuell würden bereits  Möglichkeiten ausgelotet, die nötigen Testkapazitäten binnen 24 Stunden einzusetzen. „Sobald die organisatorischen Rahmenbedingungen konkretisiert sind, wir  Union Berlin das Konzept dem zuständigen Gesundheitsamt des Stadtbezirks Treptow-Köpenick und des Landes Berlin vorstellen", hieß es in der Mitteilung weiter.

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          „Zugang zum Stadion erhält man dann mit einer gültigen Eintrittskarte und einem negativen Testergebnis, das zum Zeitpunkt der Stadionschließung nicht älter als 24 Stunden sein darf“, hieß es in der Mitteilung. Es würden unterschiedliche Möglichkeiten geprüft, „die in ausreichender Menge zur Verfügung stehenden Testkapazitäten binnen 24 Stunden einsetzen zu können.“

          Aktuell sind in der Hauptstadt noch bis 24. Oktober Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen untersagt. Der Start der neuen Bundesliga-Saison ist für den 18. September geplant.

          Lokale Konzepte gefordert

          Entscheidend für eine (Teil-)Zulassung von Zuschauern seien die lokalen Konzepte der Klubs, welche von den zuständigen Gesundheitsbehörden vor Ort freigegeben werden müssten, hatte die Deutsche Fußball Liga am Freitag über die Vorgaben des Bundesministeriums für Gesundheit mitgeteilt.

          Unabhängig von lokalen Konzepten für eine Besucher-Rückkehr will die Dachorganisation der 36 Profiklubs der ersten und zweiten Liga auf Grundlage des Geisterspiel-Konzepts der „Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb“ für die neue Saison abermals Vorgaben für den Arbeitsschutz rund um den Spiel- und Trainingsbetrieb erstellen.

          Der Pharmakologe Prof Fritz Sörgel hatte noch in dieser Woche in einem Gastbeitrag in der F.A.Z. eindringlich davor gewarnt, allzu vorschnell wieder Zuschauer in die Stadien zu lassen. Er warnte davor, dass ein Fußballspiel schnell zum Superspreader für das Virus werden könne.

          „Es ist zu hoffen, dass die DFL, und auch andere Ligen in Europa, nicht der Versuchung unterliegen, die zahlreichen Spiele im August und September bei höheren Umgebungstemperaturen zu unterschätzen und möglicherweise geringe Infektionsraten als Einladung zu nehmen, der Politik das schnelle Hochfahren der Zuschauerzahlen einzureden“, schrieb Sörgel in seinem Gastbeitrag. „Stadien mit schon 50 Prozent der Höchstkapazität gefüllt und ein paar wenige Superspreader – das Ergebnis kann man sich ausmalen.“

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