https://www.faz.net/-gtm-9oy90
Bildbeschreibung einblenden

0:4 gegen Leipzig : Union Berlin lässt sich die Laune nicht verderben

Gute Laune trotz Demontage: Die Union-Fans feiern die Bundesligapremiere. Bild: Reuters

0:4 verloren, aber dennoch Premierenfeier: Union Berlin nimmt die Leipziger Lehrstunde im ersten Bundesligaspiel der Vereinsgeschichte recht locker. Leipzig startet unter dem neuen Trainer Julian Nagelsmann mit einer starken Leistung in die Spielzeit.

          3 Min.

          Nach dem einzigen Ostduell der Bundesliga lassen sich nach dem ersten Spieltag schon zwei Dinge sagen: Union Berlins Anhänger sind in Normalform eine stimmungsvolle Bereicherung für die Liga – und RB Leipzig unter Trainer Julian Nagelsmann könnte das Zeug haben, sich in das erhoffte und erwartete Duell zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund um die deutsche Mannschaft einzumischen. Der Tabellendritte des Vorjahres imponierte jedenfalls zeitweilig mit einer Topleistung beim Aufsteiger und siegte hochverdient 4:0.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Es hätte auf jeden Fall schlimmer kommen können - im Pokal haben wir noch mehr gezittert“, meinte der der Leipziger Trainer Julian Nagelsmann, der diesmal mit seinem Team hochzufrieden war: „Heute haben wir sehr gut bewiesen, dass wir Favorit waren.“

          Bundesliga

          Union Berlin lag schon zur Halbzeit hoffnungslos 0:3 zurück, zwischen beiden Mannschaften tat sich ein Klassenunterschied auf, wie man ihn in der Bundesliga nicht mehr oft sieht. Leipzig nutzte immer wieder mit Entschlossenheit und viel Tempo seine Möglichkeiten, die sich wegen zahlreicher Aufbaufehler bei den Berlinern ergaben – oder von RB erzwungen wurden. Marcel Halstenberg (16. Minute), Marcel Sabitzer (31.), Timo Werner (42.) und Christopher Nkunku erzielten die Tore zum souveränen Leipziger Sieg, der auch leicht noch höher hätte ausfallen können. „Wir sind hart auf dem Boden gelandet“, sagte Union-Trainer Urs Fischer zu. „Wenn man sich die erste Halbzeit ansieht, wie viele Geschenke wir da gemacht haben, dann wird’s auch schwierig.“

          Triste erste Viertelstunde

          Die Fans des Aufsteigers ließen sich ihre Freude an der Bundesliga aber trotz der ersten Lehr- und Lernstunde nicht nehmen. Nachdem sie ihren Stimmungsboykott aus Protest gegen die Konstruktion des Fußballklubs RB Leipzig nach einer Viertelstunde beendet hatten, waren die Gegentore auf den Tribünen der „Alten Försterei“ dann kein wirklicher Stimmungskiller mehr. Die Anhänger feierten die Ankunft ihre Klubs in der Bundesliga trotz eines 0:4 unverdrossen bis zum Abpfiff.

          Die erste Viertelstunde Bundesliga hätte man sich schenken können. Ein Fußballspiel, bei dem bis auf den Gästeblock das ganze Stadion schweigt, ist eine ziemlich triste Angelegenheit. Als sich die Union-Fans nach fünfzehn Minuten endlich wieder Stimmung erlaubten, verstummten sie aber schon nach 52 Sekunden wieder. Halstenberg war für Leipzig mit dem ersten gelungenen Angriff erfolgreich. Der Nationalspieler ließ mit einem Haken seinen Gegenspieler Abdullahi im Strafraum ins Leere laufen und hatte dann freie Bahn, um den Ball halbhoch in die hintere Ecke zur zirkeln.

          Bemerkenswerte Aktion: Union-Fans halten Bilder von 450 bereits verstorbenen Fans hoch. Bilderstrecke

          Nur vier Minuten später schien wie aus heiterem Himmel, während über dem Stadion ein Wolkenbruch niederging, auch der zweite Leipziger Treffer perfekt zu sein. Lukas Klostermann war nach einem Eckball aus kurzer Distanz erfolgreich, aber Yussuf Poulsen hatte den Ball zuvor mit der Hand berührt, wie der Videoassistent erkannte. Das Tor wurde wieder aberkannt.

          Nach der Pause etwas ruhiger

          Nach gut einer halben Stunde holte Leipzig das Versäumte aber ganz schnell nach. Sabitzer war in der 31. Minute zur Stelle, nachdem Halstenberg einen Aufbaufehler von Trimmel mit Tempo und Übersicht zum Gegenstoß genutzt hatte. Nur zwei Minuten später konnte der Aufsteiger von Glück sprechen, nicht schon mit drei Toren in Rückstand geraten zu sein. Aber Poulsen traf mit einem Heber nur die Latte, nachdem ihn Timo Werner nach einem weiteren Berliner Fehler freigespielt hatte. Der Nationalspieler machte es dann in der 43. Minute selbst noch besser – nach einem Doppelpass mit Sabitzer jagt er den Ball in höchstem Tempo unters Tordach. Auch das war für Union wieder viel zu schnell gegangen.

          Nagelsmann trieb sein Team auch nach den drei Toren weiter an, er wollte Tore sehen und das Tempo weiter hochhalten. Doch nach der ersten fulminanten Halbzeit ließen es die Leipziger nach der Pause erstmal ruhiger angehen. Union konnte das Spiel ausgeglichener gestalten, aber an den Kräfteverhältnissen ließ sich nicht rütteln. Nach 65. Minute war der Arbeitstag für den stark aufspielenden Werner beendet, für ihn kam Nkunku. Und der 21 Jahre alte Neuzugang von Paris St. Germain erzielte schon vier Minuten später aus kurzer Entfernung das 4:0 für Leipzig, in der 81. Minuten traf er zudem noch den Pfosten. Die Verhältnisse für den Tag und in der Tabelle waren zu diesem Zeitpunkt schon längst geklärt. Leipzig steht punktgleich hinter dem BVB auf Rang zwei, der Aufsteiger fängt im Abstiegskampf gleich von ganz unten an – aber beide Teams wurden nach dem Abpfiff von ihren Fans minutenlang gefeiert. Union sogar mehr als eine Viertelstunde.

          Weitere Themen

          Sabitzer lässt RB mit Traumtor träumen

          Leipzig-Sieg in Königsklasse : Sabitzer lässt RB mit Traumtor träumen

          Gegen Zenit St. Petersburg dreht der Bundesligaklub in der Champions League nach einem Rückstand noch das Spiel und nimmt Kurs auf die K.o.-Runde. Dabei läuft für RB längst nicht alles rund. Ein Kunstschuss ändert am Ende aber alles.

          Bayern retten sich ins Ziel

          3:2 in Piräus : Bayern retten sich ins Ziel

          Die Bayern geraten bei Olympiakos Piräus früh in Rückstand und unter Druck – aber auf Torjäger Lewandowski ist Verlass. Für die Münchner Abwehr gilt das beim 3:2-Sieg schon wieder nicht.

          Topmeldungen

          Fanal des Investitionsstaus: Die marode Leverkusener Autobahnbrücke

          Marode Infrastruktur : Deutschland braucht 450 Milliarden Euro

          Gegen den Verfall von Straßen, Schulen und Schienen hilft nur: investieren, investieren, investieren – findet zumindest das Institut der deutschen Wirtschaft, das bislang nicht als Verfechter staatlicher Mehrausgaben bekannt war.
          Unser Sprinter-Autor: Martin Benninghoff

          F.A.Z.-Sprinter : Trumps starke Männer

          Zwei Autokraten können über Kramp-Karrenbauers Vorstoß nur müde lächeln, ein Diktator lernt das Laufen – und Arnold Schwarzenegger ist mehr als souverän. Was sonst noch wichtig, der F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.