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1:3 bei Union Berlin : Hertha BSC erinnert schon wieder an schlimme Zeiten

  • -Aktualisiert am

Hertha-Torwart Oliver Christensen erlebte keinen schönen Nachmittag beim Derby. Bild: Reuters

Geht das schon wieder los? Die Vorbereitung und das Pokal-Aus ließen erahnen, dass auch die neue Saison nicht leicht wird für Hertha BSC. Die Befürchtungen bewahrheiten sich im Derby bei Union.

          3 Min.

          Die neue Saison war gerade exakt 31 Sekunden alt, da fühlte sich Hertha BSC schon wieder wie in der alten. Eine Eingabe von der linken Seite brachte Rani Khedira direkt aufs Tor, sein Schuss wurde im letzten Moment geblockt. Keine zwei Minuten später folgte auf einen Versuch von Julian Ryerson das gleiche – abgewehrt in höchster Not. Herthas Defensive war zwar mit vielen neuen Beinen angetreten, die erwiesen sich aber als genauso unsicher wie die ihrer Vorgänger aus der vergangenen Spielzeit.

          Bundesliga

          Im Mai wäre Hertha BSC beinahe abgestiegen, retten konnte man sich erst in der Relegation, und es gibt nicht wenige die dem Klub eine ähnlich problematische Saison voraussagen. Die Ergebnisse der Vorbereitung, das Pokal-Aus beim Zweitligaklub Eintracht Braunschweig und nun der misslungene Auftakt in die Bundesliga deuten in diese Richtung. Im Berliner Stadtderby war Hertha heillos unterlegen und verlor beim 1. FC Union 1:3.

          „Glückwunsch an den verdienten Sieger Union. Ich glaube, dass sie in vielen Bereichen besser, griffiger, galliger, ja ekliger waren. Wir haben in den Zweikämpfen an Kompromisslosigkeit vermissen lassen und haben verdient verloren“, sagte Herthas neuer Trainer Sandro Schwarz.

          Vieles ist neu bei Hertha: der Trainer, der Präsident, mehrere Spieler. Der Umbruch ist in vollem Gange, gegen Union fehlte der ehemalige Kapitän Dedryck Boyata kurzfristig. „Das war eine sportliche Entscheidung“, sagte Schwarz. Aber es ist kein allzu großes Geheimnis, dass der Belgier verkauft werden soll. Er wird den Verein wohl verlassen, so wie es Santiago Ascacibar und einige andere bereits getan haben.

          Es war ein Klassenunterschied

          Die Mannschaft wird Zeit brauchen um sich zu finden. „Es war nicht alles schlecht, wir haben ein Spiel verloren, auch wenn es weh tut“, sagte Dodi Lukebakio. Das Stadtderby bei Union war der denkbar ungünstigste Auftakt, auch wenn von Herthas Seite im Vorfeld immer von „Vorfreude“ die Rede war, während die Verantwortlichen beim Gegner ganz offen mit der Ansetzung haderten. Zu früh, fanden sie.

          Bei den Ost-Berlinern hatte es wie immer im Sommer viele Umbauarbeiten am Kader gegeben aber die Neuen dort kommen in ein funktionierendes Gefüge, das Grundgerüst blieb erhalten. Nur drei Neue schafften es in die Startformation, der Rest gehört zu jenen, die im vergangenen Spieljahr die Qualifikation für die Europa League geschafft haben. Drei Mal hatten sie die Hertha 2021/22 geschlagen, aber kein Sieg war so deutlich und mit einer derartigen Überlegenheit versehen wie an diesem Samstag. Zwischen Union und Hertha herrschte nicht weniger als ein Klassenunterschied.

          Der ging schon in den Hintermannschaften los. Union stand im bewährten 3-5-2-System sicher, Zugang Diogo Leite, vom FC Porto ausgeliehen, fügte sich problemlos in die Dreierkette ein. Herthas Viererkette mit den Neuen Filip Uremovic und Jonjoe Kenny war dagegen genauso wacklig wie das Vorgängermodell. Nach Unions Blitzstart konnte Hertha das Geschehen zwar für eine gute Weile ausgeglichen gestalten, dann aber wurde der Druck der Gastgeber kontinuierlich größer. Bei einem Schuss von Ryerson musste sich Oliver Christensen mächtig lang machen, ein Schuss von Genki Haraguchi wurde kurz darauf geblockt.

          Jordan Siebatcheu brachte Union Berlin in Führung.
          Jordan Siebatcheu brachte Union Berlin in Führung. : Bild: EPA

          Unions Führung lag in der Luft und fiel dann auch. Sheraldo Becker flankte von der linken Seite genau auf den Kopf von Jordan Siebatcheu, der zum 1:0 traf (31.). Siebatcheu ist einer der Neuen, er kam als Torschützenkönig der Schweiz von Young Boys Bern zum 1. FC Union und soll dort Taiwo Awoniyi ersetzen, den es zu Nottingham Forest zog. Der Nationalspieler der USA, in Frankreich aufgewachsen, ist ein Vollstrecker, kräftig und durchsetzungsstark, aber auch mit Gefühl in den Füßen. Kurz nach seinem Tor spielte er Ryerson vorbildlich frei, doch der Norweger verpasste die große Chance zum 2:0.

          Hertha wankte in die Pause, nur um dann nach dem Seitenwechsel endgültig k.o. zu gehen. Ein simpler Doppelpass zwischen Becker und Janik Haberer reichte um Herthas Abwehr auszuhebeln. Becker spitzelte den Ball zum 2:0 ins Tor (50.). Vier Minuten später erhöhte Robin Knoche nach einer Ecke per Kopf auf 3:0. Das Tor hatte wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung zunächst nicht gezählt, war dann nach Ansicht der Fernsehbilder aber doch gegeben worden.

          Nach einer Stunde führte Union nach Toren 3:0 und nach Torschüssen 16:2. So ein einseitiges Derby hatten selbst die überschwänglichsten unter den Union-Fans kaum für möglich gehalten. Sie feierten sich, ihre Mannschaft und den gelungenen Saisonauftakt gewohnt überschwänglich. Herthas Ehrentreffer durch Lukebakio kurz vor dem Ende (85.) konnte ihre Laune kaum noch trüben.

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