https://www.faz.net/-gtm-aa60g

Union gegen Hertha 1:1 : In Berlin kracht es nicht nur auf dem Rasen

  • Aktualisiert am

Alle gegen einen: Union Berlin beschwert sich über Herthas Matteo Guendouzi. Bild: AFP

Einen Sieger gibt es in diesem Berliner Stadtderby nicht. Union geht in Führung, Hertha gleicht aus. Zu Beginn des Spiels sorgen Raketen und Pyrotechnik für Aufregung. Es bricht sogar Feuer aus.

          3 Min.

          Im Kampf gegen den Abstieg aus der Fußball-Bundesliga hat sich Hertha BSC im brisanten Berliner Stadtderby beim 1. FC Union immerhin einen Punkt erkämpft. Wirklich viel nützt der Mannschaft von Trainer Pal Dardai das umkämpfte 1:1 (1:1) am Sonntag aber nicht, um sich entscheidend von der gefährlichen Zone am Tabellenende zu entfernen. Nach dem 27. Spieltag hat Hertha als 14. mit 25 Punkten nur zwei Zähler Vorsprung vor den Abstiegsrängen und muss sich für den sicheren Ligaverbleib immer noch deutlich steigern.

          Bundesliga

          Zwar kann sich Hertha nach dem 3:1 aus der Hinrunde und dem Remis nun Stadtmeister nennen, doch die „Eisernen“ werden in der Tabelle auch am Schluss wohl deutlich vor dem Lokalrivalen landen. Das Team von Coach Urs Fischer hat als Siebter 39 Zähler auf dem Konto und so weiterhin gute Chancen, sich für den Europapokal zu qualifizieren. Robert Andrich (10. Minute) traf für die Gastgeber in Köpenick, Dodi Lukebakio (35./Foulelfmeter) war für Hertha erfolgreich.

          Dardai war zwar zufrieden mit dem Punkt, aber sauer über den Auftritt seiner Mannschaft. „Wir nehmen mit, was wir heute erarbeitet haben. Aber ich habe meine Mannschaft nicht erkannt“, monierte der Ungar im
          TV-Sender Sky. Man habe nicht nach vorn verteidigt und keine dynamische Balleroberung gehabt. „Das ganze Spiel müssen wir schnell vergessen.“ Das 3:0 zuletzt gegen Bayer Leverkusen sei ein befreiender Moment gewesen. „Heute war es wieder gelähmt.“

          Zwiespältig fiel die Reaktion bei Union aus. „Wir haben nach dem Spiel eines erreicht, dass wir weiter gut dabei sind, weiter gut in der Tabelle stehen und immer noch 14 Punkte vor der Hertha. Von daher sind wir nicht unzufriedener als es der Gegner sein dürfte“, sagte Sportgeschäftsführer Oliver Ruhnert.

          „Schwierig für die Menschen“

          Auch ohne Fans herrschte zu Beginn im Stadion An der Alten Försterei ohrenbetäubender Lärm. Rund drei Minuten lang wurden nach dem Anpfiff außerhalb der Arena unzählige Raketen und andere Pyrotechnik gezündet. Dabei brach auf dem Dach eines Verkaufsstandes auch ein kleines Feuer aus. Die Flammen waren von außerhalb des Stadions zu sehen.

          Das Feuerwerk war hinter der Heimtribüne auf der Waldseite gezündet worden. Ordner eilten schnell herbei, um die Situation zu klären und das Feuer zu löschen. Nach drei Minuten kehrte wieder Ruhe ein. Das Spiel wurde davon zunächst nicht beeinflusst. Fans waren beim Hauptstadtduell im Stadion aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie nicht zugelassen.

          Feuerwerk zu Beginn des Spiels über dem Stadion an der Alten Försterei
          Feuerwerk zu Beginn des Spiels über dem Stadion an der Alten Försterei : Bild: EPA

          „Das habe ich ehrlich gesagt gar nicht mitbekommen, dass da was gebrannt hat“, sagte Ruhnert. „Wie das passieren kann, ist relativ einfach: Wahrscheinlich haben sich Leute irgendwo zusammengebracht und dann irgendwo gemeint, da ein Zeichen setzen zu müssen. Ich persönlich brauche das auch nicht. Auf der anderen Seite muss man auch immer wieder sagen: Wir spielen hier Fußball-Bundesliga und keiner kann dabei sein. Das ist immer schwierig für die Menschen.“ Man wolle die Aktionen nicht, aber man müsse Verständnis haben für die Menschen, die nicht dabei sein könnten, sagte Ruhnert.

          Ungeachtet dessen lief das Spiel ohne Pause weiter – und die „Eisernen“ gingen verdient früh in Führung. Andrich, der einst viele Jahre im Nachwuchs der Hertha aktiv war, überwand mit seinem Schuss aus rund 20 Metern Keeper Alexander Schwolow. Der 28-Jährige kam erstmals in der Liga unter Dardai zum Einsatz, weil sich der norwegische Stammtorhüter Rune Jarstein nach einem positiven Coronavirus-Test kurzfristig in Quarantäne befindet.

          Hertha tat sich ohne den Routinier schwer und konnte zunächst nicht an das 3:0 gegen Bayer Leverkusen anknüpfen, während Union fast schon früh den zweiten Treffer nachgelegt hätte. Die Gastgeber agierten gewohnt aggressiv und ließen den West-Berlinern mit ihrer körperbetonten Spielweise erst nur wenig Raum zur Entfaltung.

          Trotzdem kam Hertha durch einen sicher verwandelten Elfmeter noch vor der Pause zum verdienten Ausgleich. Marvin Friedrich hatte den Franzosen Mattéo Guendouzi im Strafraum zu Fall gebracht. Dabei hatte der 21-Jährige durchaus Glück, zu diesem Zeitpunkt noch auf dem Rasen zu stehen. Guendouzi lieferte sich wenige Minuten zuvor einen wilden Zweikampf mit Grischa Prömel direkt vor der Union-Bank. Dies hätte durchaus zu einem Platzverweis führen können.

          In der zweiten Halbzeit belauerten sich beide Teams, ohne wirklich gefährlich zu werden und Glanzpunkte zu setzen. Während Hertha nicht nur in der Anfangsphase abermals zu passiv war, konnte Union, das zuvor in dieser Spielzeit erst einmal zu Hause verloren hatte, das eigene Offensivspiel nicht mehr so erfolgreich wie gewohnt aufziehen. Viele Nickligkeiten führten zu Unterbrechungen und verhinderten oftmals einen vernünftigen Spielfluss. In der 79. Minute wurde der frühere Weltmeister Sami Khedira an seinem 34. Geburtstag bei Hertha nach überstandener Wadenverletzung noch eingewechselt, konnte aber auch nichts mehr bewirken.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Zitate von Prinz Philip : „Ihr seht aus wie Draculas Töchter“

          Das Vereinigte Königreich trauert um Prinz Philip. Während er sein Leben an der Seite der Königin führte, war er besonders für seinen bissigen Humor und seine bisweilen politisch unkorrekten Sprüche bekannt. Eine Zusammenstellung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.