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Kommentar : Brauseklub statt Brauseköpfe

Die Meinung der Fans über RB Leipzig ist weitaus positiver als es manche darstellen wollen. Bild: dpa

An der Klubkonstruktion von RB Leipzig scheiden sich die Geister. Aber bei der Wahl der Protestmittel haben Fans eine eindeutige Position. Der Kampf um friedlichen Fußball ist weit wichtiger als der Kampf gegen ein Feindbild.

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          Wie halten wir es mit dem Dosenklub? Die Frage, die viele Fans und einige Funktionäre schon lange und nach den Vorfällen von Dortmund ganz besonders umtreibt, wird seit Jahren oft unter ideologischen Aspekten diskutiert – und dann, weit seltener, handgreiflich weitergeführt. RB Leipzig gilt dann vielen Protestierern, Pöblern und Prüglern als leibhaftiger Verrat an den wahren Werten des Fußballs, nur geschaffen, um als Marketinginstrument dem rein kapitalistischen Interesse zu dienen, Brause zu verkaufen. Das ist der Kern, um den sich der Widerstand gegen RB dreht, der vor allem aus den Kurven angeblich im Namen des Fußballvolks geführt wird.

          Nun liegen Zahlen und Fakten vor, wie das Fußballvolk die Dinge um den Dosenklub tatsächlich sieht. Ein Unternehmens- und Marktforschungsinstitut (SLC Management) hat nach dem schwarzen Tag von Dortmund knapp 6000 Fans und Kunden der Bundesligaklubs befragt. Und siehe da: Die Meinung über RB Leipzig ist demnach weitaus positiver, als es von einer „Randgruppe“ der Fans „öffentlichkeitswirksam“ dargestellt werde – für rund 65 Prozent ist Leipzig schon jetzt ein normaler, leistungsstarker Bundesligaklub. Und rund 75 Prozent der Befragten finden, dass die Protestaktionen gegenüber dem Aufsteiger zu weit gingen.

          Aber viel wichtiger: Die gesamte Fanszene solle sich von Tätern klarer distanzieren und echte Fans sollten auf entsprechendes Fehlverhalten aktiv aufmerksam machen. Diese beiden zentralen Forderungen nach Differenzierung und Distanzierung erheben nach den Vorfällen in Dortmund sage und schreibe 96 Prozent der Befragten in dem, wie es heißt, einzigen repräsentativen Bundesliga-Panel. Und knapp 95 Prozent sagen, dass Sicherheit für sie eine sehr wichtige oder wichtige Rolle in der Bundesliga spiele. Dieser Wert war schon bei vorangegangen Befragungen hoch, aber noch nie so hoch wie in diesen Tagen.

          Mit anderen Worten: Die Akzeptanz und Toleranz der Fans gegenüber einer Minderheit, die das Stadion für die eigene Fußball-Weltanschauung kapert und dabei Grenzen überschreitet, schwindet immer mehr. Zwar scheiden sich an der Klubkonstruktion weiter die Geister – die Hälfte der Befragten hält die Kritik für berechtigt, wonach RB Leipzig nicht historisch gewachsen sei und dort nur aus Marketinggründen Fußball gespielt werde. Aber bei der Wahl der Protestmittel haben die Fans eine eindeutige Position. Der Kampf um friedlichen Fußball ist ihnen weit wichtiger als der Kampf gegen ein Feindbild. Das ist eine ziemlich reife Haltung, was man in diesen aufgeheizten Tagen nicht gering schätzen sollte. Aus dieser Vorlage sollten die Borussia und die Bundesliga etwas machen.

          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

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