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Bundesliga-Krise in München : Hoeneß rückt von Kovac ab

  • Aktualisiert am

„Das, was heute passiert ist, ist absolut nicht akzeptabel“: Uli Hoeneß. Bild: Picture-Alliance

Bisher wollte Uli Hoeneß den Bayern-Trainer „bis aufs Blut verteidigen.“ Nach dem blamablen 3:3 gegen Düsseldorf hört sich der Präsident anders an. Auch die Spieler bekommen den geballten Ärger von Hoeneß zu spüren.

          Uli Hoeneß hat nach dem in letzter Minute verspielten Sieg gegen Fortuna Düsseldorf die Zukunft von Trainer Niko Kovac beim FC Bayern München infrage gestellt. Der Präsident gab dem 47-Jährigen nach dem 3:3 am Samstagabend keine Jobgarantie mehr. „Wir spielen am Dienstag gegen Benfica Lissabon, und da wird unser Trainer sicherlich Niko Kovac sein“, sagte Hoeneß vor Journalisten in der Allianz Arena.

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          „Im Moment ist es kein Thema“, sagte der 66-Jährige zur Trainerfrage, „weil wir uns jetzt vorgenommen haben, in aller Ruhe darüber zu schlafen und am Dienstag das schwere Spiel vor uns haben. Und dann müssen wir eine Analyse machen, wo wir eigentlich stehen. Für uns ist jetzt wichtig, dass wir Ruhe bewahren. Das fällt schwer, das gebe ich absolut zu.“ Entscheidend sei aktuell, „dass wir alle Kräfte mobilisieren“, um am Dienstag in der Champions League die Qualifikation für das Achtelfinale zu schaffen.

          „Dann müssen wir uns schon nochmal zusammensetzen, wie es weitergehen soll. Denn das, was heute passiert ist, ist absolut nicht akzeptabel“, sagte Hoeneß. „Tatsache ist, dass wir natürlich eine schwierige Ausgangsposition für den Rest der Saison sehen und wir müssen uns erstmal über das Wochenende alle Gedanken machen, wie wir aus dieser Situation das Beste machen.“ Bei neun Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Borussia Dortmund aktuell noch von der Meisterschaft zu sprechen, „wäre doch etwas überheblich“. Derzeit stehen die Bayern auf Platz fünf.

          Auf die Frage, ob Kovac gescheitert sei, antwortete Hoeneß: „Das kann ich jetzt nicht sagen. Wir müssen beim FC Bayern jetzt alles hinterfragen, warum wir so spielen, wie wir spielen. Wir können nicht sagen: Das wird schon werden. Wir müssen die nächsten Tage, vielleicht auch Wochen dazu verwenden, um die richtige Lösung zu finden. Wir müssen zu einem Ergebnis kommen. Daran müssen wir arbeiten“, sagte er ganz ruhig – doch es klang nicht gut für den Trainer. Hoeneß hatte Kovac in den letzten Wochen trotz mäßiger Leistungen und Ergebnisse immer den Rücken gestärkt. Er werde den Trainer „bis aufs Blut verteidigen“, sagte er etwa. Kovac hatte im Sommer die Nachfolge von Erfolgstrainer Jupp Heynckes  angetreten.


          „Von diesem Schock muss ich mich jetzt erstmal erholen“, sagte Hoeneß nun zur verspielten 3:1-Führung und dem vierten sieglosen Heimspiel am Stück. Nach dem Ausgleich in der Nachspielzeit habe er gedacht, „die Welt geht unter“. Der Präsident fällt ein vernichtendes Fazit über den aktuellen Zustand der Mannschaft. „Wir spielen sehr schlechten Fußball, einen uninspirierten Fußball und einen Fußball ohne Selbstvertrauen.“ Hoeneß übte aber auch scharfe Kritik an den Profis, gerade wegen der Gegentore: „Man muss auch mal kritisch mit dem einen oder anderen Spieler umgehen, weil das ist hanebüchen, was da passiert ist. Man muss sich die Frage stellen, warum bei uns fast jeder Angriff ein Gegentor bedeutet. Das erste Tor – so was habe ich nur in Slapstick-Filmen gesehen. So geht das nicht“, schimpfte er.

          Gegen Aufsteiger Düsseldorf, der etwa in Frankfurt vor einigen Wochen sieben Gegentore kassiert hatte, agierten die Münchner teils stümperhaft. Der Rekordmeister führte durch Niklas Süle (17. Minute) und Thomas Müller (20. und 58.) zweimal scheinbar beruhigend mit zwei Toren, doch der überragende und pfeilschnelle Dodi Lukebakio zeigte mit drei Treffern (44./77./90.+3) alle Probleme der Münchner auf.

          „Das ist unverzeihlich und schmerzhaft“, sagte ein konsternierter Manuel Neuer. Die Spieler seien „selbst gerade ein bisschen schockiert“, meinte Müller und sprach von „Schattenseiten“ des Bayern-Spiels. Für Altstar Arjen Robben gibt es deshalb nur eins: nicht reden, sondern „Stärke zeigen. Wenn du eine große Mannschaft und am Boden bist, musst du aufstehen. Das ist die einzige Botschaft. Da kommen wir nur gemeinsam raus.“ Ob allerdings weiter mit Kovac, ist seit Samstag fraglicher denn je. Auch Kovac war bedient: „Sie können sich vorstellen, wie ich mich innerlich fühle. Ich weiß nicht, ob es eine Steigerung von sauer gibt“, sagte der 47 Jahre alte Kroate, der seit Samstagabend nur noch ein Trainer auf Abruf beim deutschen Rekordmeister ist.

          Wer ist das denn? Lukabakio (rechts) trifft drei Mal gegen Neuer.

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