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Abschied von Uli Hoeneß : Vorhang zu beim FC Bayern

Training hinter Gittern: die Säbener Straße am Freitag Bild: dpa

Der Fall Hoeneß und der FC Bayern: fast ein Jahr Lavieren und Taktieren, dann vier Tage kurzer Prozess. Uli Hoeneß ist vor dem Spiel gegen Leverkusen am Samstagabend schon fast Geschichte.

          5 Min.

          Am Freitag früh gingen an der Säbener Straße die Gardinen zu. „Kein öffentliches Training“, hieß es, wie üblich am Tag vor einem Bundesligaspiel. Die fünf Meter hohe Vorrichtung aus fixen Metallstangen und beweglichen Vorhängen war blickdicht verzurrt. Sie wurde zu Beginn der Saison auf Wunsch von Trainer Pep Guardiola um den Trainingsplatz erbaut, um Spionen des Gegners Einblicke in die geplante Aufstellung und Taktik für die bevorstehende Partie zu verwehren.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Hinter dieser Wand also finden sie statt: die höchstklassigen Spiele, die der deutsche Fußball derzeit hat. Die einzigen Spiele, in denen der FC Bayern einen Gegner findet, der ihn fordert: sich selbst. Diese Trainingsspiele sind der eigentliche Ernstfall für Bayern-Profis – in ihnen kämpfen sechzehn, siebzehn Weltklasse-Kicker um einen Platz in Guardiolas Start-Elf. Die Qualität dabei, so Guardiola, „ist unglaublich“. Laut Sportvorstand Matthias Sammer wird trainiert, „als gäbe es kein Morgen“.

          Wurstsemmeln aus dem Hause Hoeneß

          Dabei gibt es natürlich immer ein Morgen. Es gab sogar eins nach dem Urteil gegen Uli Hoeneß. Aber auch da galt: Das Spannendste beim FC Bayern passiert derzeit hinter verschlossenen Türen. Unmittelbar nach der Urteilsverkündung am Donnerstag hatte der Klub erklärt, dass Präsidium, Aufsichtsrat und Verwaltungsbeirat „kurzfristig zu Beratungen zusammenkommen und anschließend entsprechend zeitnah“ über Entscheidungen informieren würden. Die Gremien kamen dann aber, wie erhofft, um die wichtigste und schwerste Entscheidung herum. Weil sie von Hoeneß selbst kam, aus seinem Haus in Bad Wiessee, wo am Morgen Hoeneß den auf ein Bild lauernden Fotografen Wurstsemmeln bringen ließ.

          Mit schönen Grüßen von Uli Hoeneß: Wurstsemmel für die wartenden Reporter
          Mit schönen Grüßen von Uli Hoeneß: Wurstsemmel für die wartenden Reporter : Bild: dpa

          Wenige Minuten nach zehn Uhr am Freitag lag es dann vor, das kurze Schriftstück, das die größte Erfolgsgeschichte des deutschen Fußballs beendete: die Ära Hoeneß beim FC Bayern. Er lege „mit sofortiger Wirkung die Ämter des Präsidenten des FC Bayern München e.V. und des Aufsichtsratsvorsitzenden der FC Bayern München AG nieder“, schrieb er. „Ich möchte damit Schaden von meinem Verein abwenden. Der FC Bayern München ist mein Lebenswerk und er wird es immer bleiben“.

          Der Fall Hoeneß: fast ein Jahr Lavieren und Taktieren, dann vier Tage kurzer Prozess mit spannenden Wendungen, dann ein ganz rasches, knappes Ende mit Ausrufezeichen. Der Präsident, der am letzten und entscheidenden Tag seines Prozesses geschwiegen und stumm gelitten hatte, zog einen Schlussstrich, der ihm selbst, aber auch dem Verein manches ersparen wird. Seinen Verzicht auf eine Revision gegen das Urteil begründete Hoeneß, der damit bald seine dreieinhalbjährige Haft in Landsberg am Lech antreten wird, mit seinem „Verständnis von Anstand, Haltung und persönlicher Verantwortung. Steuerhinterziehung war der Fehler meines Lebens. Den Konsequenzen dieses Fehlers stelle ich mich“.

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