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U-21-Torwart Finn Dahmen : Europameister auf der Überholspur

  • -Aktualisiert am

Die Nummer eins: U-21-Torwart Finn Dahmen nach einem EM-Spiel Bild: dpa

Einst war Finn Dahmen die Nummer drei in der Junioren-Nationalelf. Nun ist er an den Konkurrenten vorbeigezogen und wurde U-21-Europameister. In Mainz hat er Robin Zentner allerdings noch vor sich.

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          Noch vor sieben Monaten war nicht damit zu rechnen gewesen, dass Finn Dahmen nach dem Endspiel der U-21-Europameisterschaft um sein Trikot würde kämpfen müssen. Damals war der Schlussmann des FSV Mainz 05 im Nationalteam die Nummer drei. Die Frage, wer das Tor hütet, drehte sich allenfalls um Lennart Grill oder Markus Schubert. Dahmen spielte in den Überlegungen in Sachen Nummer eins keine Rolle.

          Tatsächlich aber sollte er alle Begegnungen der zweigeteilten EM bestreiten, zum Elfmetertöter, mit Sprechchören gefeiert und nach dem Finaltriumph von einem jungen Fan um sein Trikot gebeten werden. Doch so standhaft er auf dem Feld gewesen war, so hart blieb er jetzt. „Dieses Trikot muss ich selbst behalten“, sagte er ins Pro-Sieben-Mikrofon, „da hat der Kleine keine Chance.“

          Ein fehlerfreies Turnier hatte der Torhüter nicht absolviert und dennoch maßgeblichen Anteil daran, dass die deutsche Mannschaft ihrem Trainer Stefan Kuntz den zweiten Titel binnen vier Jahren bescherte. Ausgerechnet sein 23. Geburtstag hätte für Dahmen zu einem rabenschwarzen Tag werden können: Mit einem Fehler bei der Ballannahme verschuldete er im Gruppenspiel gegen die Niederlande kurz nach der Pause das 0:1; der Einzug in die K.-o.-Runde stand auf wackligen Füßen. Doch sein Mainzer Mannschaftskollege Jonathan Burkardt als glänzender Vorbereiter und Lukas Nmecha als Vorlagenverwerter retteten dem Team das Unentschieden und Dahmen den Tag.

          Starke Trainingsleistungen

          „Es zeichnet uns als Mannschaft aus, dass wir alle Widerstände überwunden haben“, sagte der Keeper nach dem 1:0-Finalsieg gegen Portugal. Betonung auf „Mannschaft“. Denn die DFB-Auswahl verfügt nicht über die stärksten Individualisten. Dass der gebürtige Wiesbadener, der als Zehnjähriger an den Mainzer Bruchweg kam, dabei eine solche Rolle spielen und keine EM-Minute verpassen würde, verdiente er sich zunächst mit starken Trainingsleistungen.

          Ein Geschenk des Trainers war es jedenfalls nicht, dass Dahmen Mitte November vorigen Jahres zunächst eine Halbzeit im Testspiel gegen Slowenien debütierte und kurz darauf im letzten Qualifikationsspiel gegen Wales über die volle Spielzeit zum Einsatz kam. „Dass ich die zwei Spiele machen durfte, hat mir das Gefühl gegeben, auch bei der EM im Tor stehen zu können“, sagt er.

          Die überzeugenden Leistungen im Nationaltrikot unterstrich er bei seiner Bundesligapremiere Anfang Januar. Zwar unterlagen die 05er beim FC Bayern 2:5, Dahmen allerdings hielt herausragend, „Sky“- Experte Lothar Matthäus bescheinigte ihm eine Weltklasseleistung.

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          Dahmens Länderspielkarriere begann, kaum dass er auf dem Platz stand, mit einem Elfmeter, den er passieren lassen musste. Kurz vor Schluss der Partie aber parierte er einen Strafstoß – ein früher Fingerzeig fürs EM-Viertelfinale gegen Dänemark. In dem avancierte er zum Matchwinner, als er im Elfmeterschießen zwei von sieben Schüssen abwehrte. Womit er sich nebenbei bei Jonathan Burkardt revanchierte; der Stürmer hatte die deutsche Mannschaft zwar in der Verlängerung mit 2:1 in Führung gebracht, scheiterte aber vom Punkt als erster Schütze.

          Unter Stefan Kuntz ist Dahmen an den höher gehandelten Konkurrenten vorbeigezogen, im Klub befindet er sich in der Rolle des Herausforderers. Robin Zentner war in der vorigen Saison die unumstrittene Nummer eins, Florian Müller hatte sich deshalb an den SC Freiburg ausleihen lassen und wird aller Wahrscheinlichkeit zu den Sommertransfers der 05er gehören. Sportdirektor Martin Schmidt hatte unlängst bestätigt, dass die Mainzer nicht vorhaben, mit einem so starken Trio Zentner/Müller/Dahmen in die nächste Spielzeit zu gehen.

          Spannend werden könnte die Frage, ob Cheftrainer Bo Svensson den bisherigen Stammtorhüter, der auf 78 Bundes- und 47 Drittligaeinsätze blickt, uneingeschränkt weiter in dieser Rolle sieht oder einen offenen Zweikampf ausruft, in dem der 26 Jahre alte Zentner sich des jüngeren Kollegen mit inzwischen drei Bundesligaspielen und deren 70 in der Regionalliga (mit einem Tor, aus der Drehung per Hacke erzielt) erwehren muss.

          In jedem Fall wird ein Eigengewächs das Mainzer Tor hüten. Zentner ist seit 2006 im Nachwuchsleistungszentrum, beide haben in jungen Jahren unter Sven Hoffmeister und später unter Torwarttrainerlegende Stephan Kuhnert gearbeitet. Beide sind Beispiele für die ansehnliche Reihe von Schlussleuten, die in den vergangenen Jahren am Bruchweg ausgebildet wurden. Beide besitzen einen bis Mitte 2023 laufenden Vertrag. Und beide wollen spielen.

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