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Corona-Krise und TV-Rechte : Eurosport vor dem Bundesliga-Ausstieg

Bald löschen? Eurosport will raus aus dem Bundesliga-Rechtedeal. Bild: dpa

Eurosport hatte zuletzt nicht mehr selbst die Bundesliga übertragen. Stattdessen wurden die Rechte an Dazn sublizensiert. Eine Sonderkündigung wegen der Corona-Krise könnte die Bundesliga nun viele Millionen kosten.

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          Die Deutsche Fußball Liga (DFL) steht vor einem Millionen-Rechtsstreit mit dem bisherigen Geschäftspartner Eurosport. Die Tochtergesellschaft des amerikanischen Medienkonzerns Discovery will offenbar in dieser Woche ihren noch für diese und nächste Saison laufenden Vertrag mit der Bundesliga-Organisation auflösen. Angeblich beruft sich Eurosport auf eine Sonderkündigungsklausel, die im Fall von höherer Gewalt wie einer Pandemie zur Trennung genutzt werden könnte. Das hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung aus dem Umfeld der Beteiligten erfahren. Die Zeitschrift „Sport Bild“ berichtete, dass die DFL mit einer baldigen außerordentlichen Kündigung rechne.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Bruch mitten in der Corona-Krise ist auf eine spezielle Rechtekonstellation zurückzuführen. Nachdem Eurosport mit dem Kauf des Live-Pakets für die Freitagsspiele zur Saison 2017/18 in den Bundesliga-Fußball eingestiegen war, reichte der Spartensender schon nach zwei Jahren überraschend die Partien an den Streamingdienst Dazn per Sublizenz weiter und stellte mit dieser Spielzeit die Berichterstattung selbst ein.

          In der New Yorker Zentrale von Discovery war das Interesse an der Investition verlorengegangen. Von den rund 80 Millionen Euro, welche Eurosport jedes Jahr für die Fußballrechte an die DFL zahlen muss, refinanziert das Unternehmen angeblich 40 Millionen über den Deal mit Dazn. In der aktuellen Corona-Spielpause stellten allerdings alle Medienpartner die Zahlungen vorerst ein.

          Mit dem kompletten Ausstieg könnte sich Eurosport nun der Belastung aus dem Bundesligavertrag ganz entledigen. Zudem dürften sich die Discovery-Manager von der Frage unabhängig machen wollen, ob der Sublizenznehmer Dazn, selbst von der Corona-Krise stark getroffen, noch in der Lage für regelmäßige Zahlungen in abgemachter Höhe sein wird, wenn der Ball wieder rollt. Der Discovery-Konzern hatte für sich zuletzt finanzielle Schwierigkeiten dementiert und darauf hingewiesen, derzeit über liquide Mittel in Höhe von fast 1,6 Milliarden Dollar und Kreditlinien von 2,5 Milliarden Dollar zu verfügen. Das Unternehmen ist als Olympia-Rechtehalter auch Leidtragender der Verschiebung der Spiele von Tokio.

          In der vergangenen Woche hatte die DFL mitgeteilt, dass sie bis auf eine Ausnahme mit allen Medienpartnern, darunter dem größten Geldgeber Sky, zur Übereinkunft gekommen sei, dass diese trotz Spielunterbrechung Vorauszahlungen leisteten, um den klammen Klubs mit TV-Geld zu helfen. Nur Eurosport lehnte eine solche Vereinbarung ab, warum, das zeigt sich jetzt. Allerdings müssen die Vereine das Geld an die Medienhäuser zurückzahlen, wenn die Liga aufgrund der Pandemie doch keine Spiele veranstalten kann.

          Die DFL wird nun versuchen, juristisch gegen den Eurosport-Ausstieg vorzugehen. Parallel muss sie zusehen, dass mit Blick auf diese und die nächste Saison ein neuer Medienpartner für die Freitagsspiele parat steht. Dazn dürfte erster Kandidat dafür sein. Die Frage ist jedoch, wie existentiell die Krise noch für alle Medienunternehmen wird. Theoretisch könnte die DFL das Rechtepaket von Eurosport auch an ARD, ZDF oder RTL geben. Bislang müssen diese Spiele jedoch laut Ausschreibung ins Bezahlfernsehen. Das unfreiwillige Revirement könnte die Liga am Ende viele Millionen Euro kosten. Weder die DFL noch Eurosport und Dazn waren zu einer Stellungnahme bereit.

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