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Rechte für Mediengiganten : Fußball-Völlerei ohne Grenzen

  • -Aktualisiert am

Die Übertragung von Fußballspielen spült viel Geld in die Kassen der großen Vereine. Bild: AP

Die Elite des Fußballs wird sich weiter die Taschen füllen. In den Ligen werden die Unterschiede noch größer. Eher werden amerikanische und brasilianische Politiker plötzlich zu Klimarettern, als dass es zu einer Mäßigung kommt.

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          Achim Beierlorzer redete nicht drum herum. „Dortmund war eine ganze Klasse besser. Für diesen Gegner waren wir nicht gut genug.“ In Düsseldorf ärgerte sich Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel zwar über einen – wie fast immer in diesen Zeiten – strittigen Handelfmeter, ordnete das Geschehen aber realistisch ein: „Leipzig war uns in allen Belangen überlegen. Nach dem 0:2 ging es darum, nicht komplett auseinanderzufallen. Jetzt kommen wieder Mannschaften auf Augenhöhe.“

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          Eine solche war Werder Bremen in München nicht, auch wenn die Bayern lange einem 0:1-Rückstand hinterherliefen. Als der Bann mit dem Ausgleich gebrochen war, brachen auch alle Bremer Dämme. „Am Ende war es konfus“, sagte Werder-Trainer Florian Kohfeldt und rief für den Rest der Saison den Kampf gegen den Abstieg aus.

          Früher war die ganze Geschichte ja etwas einfacher – da schenkte einem der Terminplan hier und da einen Gegner, dem noch die Auftritte in der Champions League vom Dienstag oder Mittwoch und vielleicht sogar noch die Reisestrapazen in den Knochen steckten. Das aber ist vorbei. In der Königsklasse wird längst genug Geld verteilt, dass sich die großen Klubs dementsprechende Kader zusammenstellen können, die diese Doppelbelastungen so mühelos wegstecken, als sei nichts gewesen – ein großer Unterschied zu den Teilnehmern der nicht ganz so lukrativen Europa League. Dementsprechend können die dort beschäftigten Klubs nicht mühelos eine ganze Reihe von Spielern austauschen.

          Schaut man auf die Nachrichten in dieser Woche, darf man getrost davon ausgehen, dass diese Schere künftig noch weiter auseinandergehen wird. Als Uli Hoeneß im Sommer darüber philosophierte, wie rosarot die Zukunft des Fußballs doch sein wird, wenn erst einmal die Mediengiganten Amazon, Apple, Disney, Google, Comcast oder Netflix beim Wettbieten um die Übertragungsrechte einsteigen würden, da konnte man sich schon sicher sein, dass dies unmittelbar bevorstehen würde und Hoeneß nur ein bisschen vorgeprescht war.

          Jetzt also ist der Einstieg in der Champions League perfekt, Amazon Prime hat sich ein Topspiel für seinen Streamingdienst gesichert, der Rest wird wohl an Dazn gehen, dazu kommen diverse kleinere Rechtepakete. Zum Schaden der großen Klubs der Champions League wird das gewiss nicht sein – und da im Fußball der Trend sehr ausgeprägt ist, jede mögliche Überraschung möglichst lange zu verhindern, wird sich die Elite Jahr für Jahr die Taschen füllen. Und in ihrer nationalen Liga die Klassenunterschiede noch größer machen – so lange es diese Ligen noch gibt.

          Der Fußball wandert ins Internet ab, weil da mit noch mehr Geld gewedelt wird. Je größer der Konzern ist, der dahintersteckt, desto kleiner ist die Gefahr, dass sich der Kunde über ruckelnde Bilder oder Totalausfälle ärgern muss – es sei denn, er hat das Pech, irgendwo in Deutschland weit abseits der Ballungsräume zu wohnen, denn da wird es schon mal schwierig mit dem Internet. Was die Champions League und auch die Uefa mit der Europameisterschaft 2024, deren Übertragungsrechte in Deutschland zur Telekom gewandert sind, vorgemacht haben, wird auch von der Deutschen Fußball-Liga aufmerksam beobachtet werden.

          Im nächsten Frühjahr wird über die Bundesliga-Übertragungsrechte von der Saison 2021/22 an verhandelt, die nächste satte Steigerung dürfte die Folge sein. Es sei im Fußball wie im wahren Leben, sagte der Gladbacher Sportdirektor Max Eberl der Zeitung „Bild am Sonntag“: „Wenn du zu gierig bist, verschluckst du dich.“ Eberl wünscht sich etwas Mäßigung. Aber eher werden amerikanische und brasilianische Politiker plötzlich zu Klimarettern, als dass so etwas passieren wird.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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