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Streit um die TV-Gelder : Gegen die zementierten Verhältnisse in der Bundesliga

  • -Aktualisiert am

Verteilungskampf im Fußball: Wer bekommt die meiste Kohle? Bild: Picture-Alliance

Die Mitte muckt auf: Im Profifußball soll eine andere Geldverteilung den Wettbewerb beleben. Eine Gruppe von 14 Bundesliga- und Zweitligaklubs legt dazu ein „Impulspapier“ vor. Bei den Fans dürften viele Vorschläge auf offene Ohren stoßen.

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          Sie nennen es ein „Impulspapier“ und wollen damit die Diskussion über die Neuverteilung der Medienerlöse für den Zeitraum zwischen 2021 und 2025 bereichern. Kein ungeschickter Schachzug für eine Gruppe von 14 Bundesliga- und Zweitligaklubs, die ihr wachsendes Unverständnis über einen zumindest eingeschränkten Wettbewerb in der höchsten deutschen Spielklasse höflich und konstruktiv formuliert artikulieren und dazu Vorschläge unterbreiten, wie die seit einigen Jahren ziemlich zementierten Verhältnisse in den verschiedenen Tabellensegmenten aufgelockert, vielleicht sogar aufgebrochen werden könnten. Unter der Federführung der Bundesligaklubs DSC Arminia Bielefeld, 1. FSV Mainz 05 und VfB Stuttgart sowie des Zweitligavereins SSV Jahn Regensburg zirkuliert das auf viel Verständnis gestoßene Konzept.

          In ihm wird unter anderem angeregt, die auseinanderdriftenden Mediengelder in den Bundesligen gleichmäßiger als bisher zu verteilen und die bei der Auszahlung über Jahre auf ein Verhältnis von 4:1 ausgedehnte Spreizung zwischen dem Ersten und Letzten der Tabelle auf die Quote 2:1 zu reduzieren, wie das etwa auch Marco Bode, der Aufsichtsratschef von Werder Bremen, in der F.A.Z. gefordert hat. Auch darunter hat unter anderem der Wettbewerb während der vergangenen Jahre gelitten, mehr aber noch unter den exorbitanten Honoraren aus der Champions-League-Vermarktung seitens der Europäischen Fußball-Union, die zu einer Unwucht in den großen nationalen Ligen geführt hat.

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          „Die Bundesliga ist weniger spannend geworden“

          In Deutschland ist aus dem Rekordmeister FC Bayern München zuletzt ein unangefochtener Dominator geworden, der achtmal in Serie die deutsche Meisterschaft gewann. Dahinter hat sich eine Gruppe aus dem beinahe ständigen „Kronprinzen“ Borussia Dortmund, RB Leipzig als dritte Kraft sowie wahlweise Bayer 04 Leverkusen, Borussia Mönchengladbach, der TSG 1899 Hoffenheim, dem VfL Wolfsburg, zuletzt auch mal Eintracht Frankfurt gebildet, die den Bayern nicht auf den Pelz rückt, aber im Kampf um die internationalen Plätze ambitionierte deutsche Konkurrenten auf Abstand hält. Der Rest pendelt zwischen Mittelfeld und Abstiegszone, in der zuletzt vor allem die Aufsteiger den prompten Rückfall in die Zweitklassigkeit befürchten mussten.

          Ganz anders verhält es sich in der Zweiten Bundesliga, deren Wettbewerb mehr Ausgeglichenheit verheißt – sogar in Zeiten, da der einstige Bundesliga-Dino Hamburger SV schon zweimal den Wiederaufstieg verpasst hat. Die vier Klubs, die nun ohne jede Militanz im Ton nach Reformen rufen, sind es leid, mit Eindämmungsargumenten, wie „ihr sägt den Ast ab, auf dem ihr sitzt“, wie geduldete Bittsteller abgespeist zu werden, und formulieren in dem Papier drei Kernthesen mit Substanz. Erstens: „Die Tabelle ist nicht (mehr) das Abbild der sportlichen Leistung, sondern vor allem der finanziellen Möglichkeiten.“ Zweitens: „Die wirtschaftliche Schere geht weiter auseinander.“ Drittens: „Und folglich: Die Bundesliga ist weniger spannend geworden – nicht nur an der Spitze.“

          Keine neuen Erkenntnisse, aber Feststellungen, getroffen aus der Mitte der beiden Bundesligen, die bei einer wachsenden Zahl von Klubs Reformbestrebungen geweckt haben. Dass die Ergebnisse vieler Spiele vorhersehbar geworden seien, habe „unter anderem“ mit dem „derzeit praktizierten Verteilungsmechanismus“ der selbst in Corona-Zeiten noch üppig verteilten Zahlungen zu tun.

          Behutsame Umverteiler

          Die „G14“ der Bundesliga möchte dabei keineswegs alles verändern, was bei den Ausschüttungen der Fernseh- und Streaming-Honorare gängige Praxis ist: So soll die Erste Bundesliga weiter mit einem Anteil von „maximal“ achtzig Prozent der Erlöse planen können, während „mindestens“ zwanzig Prozent der Honorare für die zweite Liga vorgesehen bleiben. Auch an der Fünfjahresbetrachtung des sportlichen Erfolgs auf der Basis der Saisonabschlusstabellen soll nicht gerüttelt werden. Gedacht wird bei der Kanalisierung der Geldströme an einen Mechanismus, der auf Sockelbeträgen für jeden Verein (fünfzig Prozent) und einer variablen Partizipation, orientiert am Tabellenplatz, beruht.

          Dazu soll künftig die „relative sportliche Leistung“ belohnt werden, also aus der Medienerlös-Teilhabe oder der Höhe des Lizenzspieleretats im Vergleich zu der damit erreichten Punktzahl oder dem Platz in der Abschlusstabelle, womit kreuzsolide wirtschaftende Klubs wie der SC Freiburg für die fast alle Jahre wieder erstaunliche sportliche Performance ein Extrahonorar ausgezahlt bekommen könnten. Neben der Beibehaltung der Erlössäule erfolgreiche Jugendarbeit sollen schließlich jene Vereine besonders honoriert werden, die traditionell besonders beliebt sind, zur Attraktivität der Bundesliga beitragen und auf hohe Einschaltquoten verweisen können. Also Klubs wie der VfB Stuttgart, Eintracht Frankfurt, Werder Bremen oder der 1. FC Köln.

          „Die aktive Mitgestaltung einer erfolgreichen Zukunft des deutschen Profifußballs liegt in unser aller Verantwortung“, heißt es in dem Positionspapier, „gemeinsam können wir eine Wettbewerbssituation kreieren, von der sowohl die beiden Bundesligen als in der Folge auch unsere Basis, der Amateursport, nachhaltig profitieren werden.“ Letzteres mag mit einem Fragezeichen versehen werden. Dass die Gruppe der behutsamen Umverteiler bei einer Vielzahl von Fans auf offene Ohren stoßen dürfte, ist indes vorhersehbar. Und deshalb ist das Motto der Initiative, „Solidarität für Wettbewerb“ gewiss nicht ungeschickt gewählt.

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