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TuS Koblenz : Machenschaften in der Fußballprovinz

Was lief wirklich ab bei den Transfers von Branimir Bajic (l.) und Marko Lomic? Bild: picture-alliance/ dpa

Nur selten gibt es wirkliche Einblicke in die Machenschaften im Fußball-Geschäft. Ein Prozess in der Zweitligaprovinz Koblenz könnte nun ein paar spannende Details ans Tageslicht bringen.

          5 Min.

          Hermann Gläsner sitzt am Dienstagvormittag gelassen vor Raum 121 des Koblenzer Landgerichts. In diesem Sitzungssaal beginnt in wenigen Minuten das Zivilverfahren zwischen Gläsner und seinem ehemaligen Arbeitgeber TuS Koblenz Spiel- und Betriebs-GmbH (Gerichtsaktenzeichen 10 O 11/08).

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Gegenstand des Prozesses sind die Klage des ehemaligen Geschäftsführers auf Rücknahme seiner fristlosen Kündigung vom 21. Dezember 2007 und der neuerlichen fristlosen Kündigung vom 23. April diesen Jahres und Fortzahlung seines monatlichen Gehalts von 10.000 Euro. Die TuS Koblenz GmbH wiederum verklagt Gläsner auf Schadenersetz in Höhe von 2,66 Millionen Euro. Dieser Schaden sei dem Klub durch Gläsners Fehler entstanden, die der TuS unter anderem überhöhte Transferzahlungen für die Spieler Branimir Bajic und Marko Lomic von Partizan Belgrad im Sommer 2007 eingebrockt hätten.

          War Gläsner verantwortlich für Verstoß gegen Lizenzierungsauflagen?

          Vor allem soll Gläsner dafür verantwortlich sein, dass die TuS die beiden fragwürdigen Transfers nicht regelgemäß im vergangenen September der DFL gemeldet hatte. Dadurch wurde dem Ligaverband nach dessen Ansicht eine Deckungslücke von rund zwei Millionen Euro gegenüber den Etatangaben des Klubs vorenthalten.

          Als Geschäftsführer arbeitete Hermann Gläsner (r.)  mit TuS-Trainer Uwe Rapolder zusammen
          Als Geschäftsführer arbeitete Hermann Gläsner (r.) mit TuS-Trainer Uwe Rapolder zusammen : Bild: picture-alliance/ dpa

          Die DFL verurteilte den Klub deshalb am Ende der vergangenen Spielzeit wegen Verstoßes gegen die Lizenzierungsauflagen zu Abzügen von sechs Punkten in der Saison 2007/08, was dem Verein vom Rhein-Mosel-Eck beinahe den Abstieg in die Dritte Liga beschert hätte, und drei Punkten für die laufende Runde. „Die DFL muss darauf achten, dass der Wettbewerb intakt bleibt“, sagte der DFL-Präsident Reinhard Rauball bei der Verkündung der Strafe im April. „Wenn Koblenz Insolvenz hätte anmelden müssen, wäre der Wettbewerb gestört worden.“ (Siehe auch: Punktabzug für TuS Koblenz: „Der Fall ist weiter ungeklärt“.) Die fällige Geldstrafe durch die DFL in Höhe von 200.000 Euro will der Klub ebenfalls von Gläsner erstattet bekommen.

          Gläsners „ruhiges Gewissen“

          Gläsner weist die Verantwortung jedoch seit Monaten von sich, vor dem Gerichtssaal betont er seine Gelassenheit mit einer Weisheit: „Ein ruhiges Gewissen ist das beste Ruhekissen“, sagt er vor der ersten Sitzung vor der 10. Zivilkammer des Landgerichts unter Vorsitz von Richter Ulrich Wieland. Mit diesem Ruhekissen im Gepäck zieht Gläsner in den Kampf gegen seinen alten Arbeitgeber und vor allem dessen charismatischen Aufsichtsratschef Walterpeter Twer.

          Der ist als Anteilseigner des Mittelrhein-Verlags und Herausgeber der in Koblenz erscheinenden „Rhein-Zeitung“ so etwas wie ein lokaler Medien-Tycoon. Twer gilt als sehr vermögend, es ranken sich Legenden um seinen Lebensstil mit großen Yachten am Mittelmeer und einer Vorliebe für die Großwildjagd in Afrika und der kanadischen Wildnis.

          Fußballprovinz ohne kritische Berichterstattung

          Seit einigen Jahren engagiert sich Twer nun auch bei der TuS Koblenz, obwohl der Verleger keine ausgeprägte Leidenschaft für den Fußball besitzt. Sein Verlag ist Hauptsponsor des Klubs, darüber hinaus ist Twer dank einer Einlage von 1,25 Millionen Euro seit Gründung der TuS Koblenz GmbH Anteilseigner und Vorsitzender des Aufsichtsrats. Eine kritische Berichterstattung über die TuS verbietet sich seither in dem einzigen Blatt der Region - ein guter Nährboden für undurchsichtige Machenschaften im Fußball.

          Nach Twers Ansicht gibt es indes keinen Grund für kritische Recherche. Gerne gebärdet er sich als Mäzen, der den Klub ohne jedes eigene Interesse fördere und schon mehrfach in Krisensituationen am Leben gehalten habe mit seinen Finanzspritzen. Zuletzt soll er dem Klub mit einer Million aus eigener Tasche das Überleben gesichert haben, als die DFL für die neue Lizenz des Zweitligaklubs Sicherheiten verlangte.

          Don Quijote gegen den Großwildjäger

          Gegenüber diesem Riesen, der Twer auch körperlich mit einer imposanten Gestalt bei einer Körpergröße von fast zwei Metern ist, stellt sich nun der Kläger Gläsner als ein Don Quijote dar, der sich tapfer dem ungleichen Kampf um Gerechtigkeit stellt. Gläsner behauptet in den beim Landgericht eingereichten Schriftsätzen, dass er lediglich eine Marionette Twers gewesen sei, der ihn zu den Missetaten angewiesen habe. „Mein Fehler war, dass ich Twers Anweisungen umgesetzt habe und nicht einfach mein Geschäftsführeramt niedergelegt habe“, sagt Gläsner.

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