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Einsatzbereit trotz Tumor? : Der Trainer muss entscheiden, ob Russ spielen kann

Spielen will Marco Russ. Die Frage ist: Kann und darf er spielen? Bild: dpa

Durch eine auffällige Doping-Probe wird ein Tumor entdeckt. Dennoch meldet sich Eintracht-Kapitän Russ einsatzbereit für das Relegationsspiel gegen Nürnberg. Beim „Anschwitzen“ ist er dabei.

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          Schock im Lager der Frankfurter Eintracht unmittelbar vor dem ersten Relegationsspiel gegen den 1. FC Nürnberg: Durch eine positive Doping-Probe ist bei Marco Russ ein Tumor entdeckt worden. Trotzdem kündigte der Kapitän an, am Donnerstagabend spielen zu wollen.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Nach Angaben der Hessen wurde bei dem 30 Jahre alten Abwehrspieler bei einer Doping-Probe der Hinweis auf die Erkrankung gefunden. Ungeachtet dessen meldete sich der Innenverteidiger bei Trainer Niko Kovac aber einsatzfähig für die beiden wichtigen Begegnungen um den Klassenverbleib in der Ersten Bundesliga. „Trotz der tragischen Diagnose erklärt sich der Spieler spielbereit, was von ärztlicher Seite bestätigt wurde“, hieß es in einem Statement der Eintracht.

          Der Kapitän will spielen: Marco Russ reagierte gefasst auf seine Tumor-Erkrankung.
          Der Kapitän will spielen: Marco Russ reagierte gefasst auf seine Tumor-Erkrankung. : Bild: dpa

          Am Donnerstagvormittag, beim sogenannten „Anschwitzen“, stand Russ im Kreis der Kollegen mit auf dem Platz. Anschließend sollte in einem Gespräch mit Kovac besprochen werden, ob eine Aufstellung unter den sich schlagartig veränderten Bedingungen Sinn macht, der Spieler zunächst auf der Ersatzbank Platz nehmen oder ganz aus dem Kader gestrichen wird.

          Heribert Bruchhagen glaubt an ein Mitwirken von Russ: „Er wirkte gefasst und hat dem Trainer mitgeteilt, dass er sich zum Spiel bereit fühlt“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Eintracht dem „Hessischen Rundfunk“. Alles Weitere liege nun im Ermessen von Kovac. „Die Nachricht von der Erkrankung von Marco Russ hat die Mannschaft sehr betroffen gemacht, wie jeden Menschen das betroffen macht. Aber wir stehen heute vor einem sehr wichtigen Spiel und da ist es eben auch unsere Aufgabe und die Aufgabe des Trainers hier beruhigend auf die Mannschaft einzuwirken. Jeder auf seine Art und Weise“, sagte Bruchhagen darüber hinaus dem Radiosender „FFH“.

          Das Hinspiel gegen den „Club“ wird um 20.30 Uhr in der mit 51.500 Zuschauern ausverkauften Arena stattfinden, das Rückspiel im Stadion des Zweitliga-Dritten findet am Montag statt.

          Aufmerksam auf das Geschwulst, von dem aus Rücksicht auf die ärztliche Schweigepflicht zunächst nicht bekannt gegeben wurde, wo es sich in Russ‘ Körper befindet, wurden die Mediziner dem Vernehmen nach im Anschluss an die Partie gegen den SV Werder Bremen. Bei dem Familienvater sei ein „auffällig erhöhter Wert des Wachstumshormons HCG“ festgestellt worden.

          Allerdings sei von Mitarbeitern der Anti-Doping-Behörde (Nada) zugleich darauf hingewiesen worden, dass dies auch auf eine Krankheit zurückgeführt werden könnte; zum Schutz des Spielers wurde von der Nada eine klinische Überprüfung empfohlen. Bei einer unmittelbar erfolgten Untersuchung durch einen Internisten im Rhein-Main-Gebiet sei dann der Tumor entdeckt worden. Dadurch würden sich die erhöhten Werte erklären, teilte die Eintracht mit: „Dieser Befund wurde noch am Abend durch die sofort eingeleitete Blutuntersuchungen von einem biochemischen Institut leider bestätigt“, hieß es in der Meldung, die vom Klub am Mittwochabend kurz vor Mitternacht veröffentlicht wurde.

          Staatsanwaltschaft untersucht die Wohnung

          „Es deutet alles darauf hin, dass wir es nicht mit einem Doping-Fall zu tun haben, sondern mit einer medizinischen Erklärung“, wurde inzwischen Rainer Koch, der Vize-Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, von „Bild“ zitiert. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hatte noch am Mittwoch Privatwohnung, Hotelzimmer und Trainingsspind von Russ durchsuchen lassen.

          Eine Sprecherin bestätigte am Donnerstag einen entsprechenden Bericht der „Bild“. Hintergrund seien Ermittlungen wegen des Verstoßes gegen das Anti-Doping-Gesetz gewesen. Dass der Profi an einem schweren Tumor erkrankt und nicht gedopt sei, habe die Staatsanwaltschaft erst am Donnerstagmorgen aus den Medien erfahren. „Ein ärztlicher Befund über die Erkrankung liegt uns noch nicht vor“, sagte die Sprecherin Nadja Niesen der Deutschen Presse-Agentur.

          Wenige Stunden vor dem Anstoß erhielt Russ aus Bundesliga-Kreisen durch die sozialen Netzwerke zahlreiche Genesungswünsche übermittelt. Einer der ersten traf vom 1. FC Nürnberg ein: „Unsere Duelle mögen noch so wichtig sein, noch viel wichtiger ist aber, dass Marco wieder gesund wird. Von Herzen alles Gute!“, hieß es in einem Twitter-Beitrag der Franken. Russ wird nach Stand der Dinge wohl schon in der kommenden Woche operiert werden müssen.

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