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Tuchels Visionen : Eine Zukunft ohne perfekten Rasen

Bayern-Bewunderer und Lernender: Thomas Tuchel gibt seine Visionen preis Bild: AP

Gedanken eines Grüblers: Thomas Tuchel verneigt sich vor den Bayern und ihrer Freude an der Leistung. Für die Talentförderung fordert er weniger Komfort und mehr Begleitung als zu viel Reglementierung.

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          Thomas Tuchel hatte eine kurze Nacht hinter sich. Die erste Niederlage nach 13 Spielen lag keine 24 Stunden zurück, als er auf dem „World Summit“ der qatarischen Super-Talentschmiede „Aspire Academy“ sprach. Am Tag nach der Abreibung präsentierte sich vor Fachpublikum aus aller Welt ein Trainer, wie es nicht viele gibt in der Bundesliga. Ein Lehrender und Lernender, ein Grübler und Getriebener, vollgepumpt mit Energie und beseelt von Empowerment. In seinen Ausführungen wurde aber auch die wichtigste Überzeugung erkennbar, die Tuchel als Trainer leitet: Widerstände überwinden - äußere wie innere.

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

          Diese Haltung führt zu erstaunlichen Konsequenzen. Tuchel sieht im FC Bayern mittlerweile das Vorbild im Streben nach dem ursprünglichen Leistungsgedanken. Und zwar weltweit. Noch vor Barcelona und Real Madrid. Und die deutsche Nachwuchsausbildung würde Tuchel aufgrund seiner neuen Erfahrungen am liebsten auch gleich umkrempeln. Die optimale Leistung von Profis und die optimale Entwicklung von Talenten - um nichts weniger geht es dem BVB-Trainer bei seiner Arbeit.

          Freude an der Leistung

          Aber der Reihe nach. Selten, vermutlich noch nie, hat man eine solche Hommage an den FC Bayern von einem Dortmunder Trainer gehört wie von Tuchel am Tag nach dem 1:5. Zunächst müsse man anerkennen, dass die Bayern in den letzten drei Jahren 59 Punkte mehr geholt hätten als der BVB. Das sei fast eine komplette Saison. „Die Bayern sind dabei, erst im letzten Jahr unter Jupp Heynckes, dann mit Matthias Sammer und insbesondere Pep Guardiola eine Haltung gegenüber Leistung zu entwickeln, der wir alle hinterher sind. Sie sind dabei, mit großem Selbstvertrauen und großer Selbstverständlichkeit alle Prinzipien des Spiels zu spielen“, sagte Tuchel.

          Was er schon in der Ära von Guardiola beim FC Barcelona bewundert habe, verwirkliche nun auch der FC Bayern unter dessen Führung. „In Barcelona hatte man das Gefühl, dass sie sich gelöst haben davon, gegen wen sie spielen, in welchem Stadion sie spielen und zu welcher Uhrzeit sie spielen. Sie haben nur für sich selbst gespielt. Für das höchste Prinzip: Leistung zu bringen und Freude zu haben.“

          Beim Spiel des FC Barcelona hatte Tuchel immer das Gefühl, dass da eigentlich eine Amateurmannschaft spiele, voll innerer Begeisterung, die auch mit der Straßenbahn zum Fußball fahre, obwohl sie natürlich nur die teuersten Autos in der Garage habe. „Und diese Bescheidenheit - sprich: den Hunger, die Fokussierung auf Leistung - nehme ich nach ihren schweren Jahren gegen Dortmund und dem verlorenen Finale der Champions League auch bei den Bayern wahr. Es ist ganz egal, ob sie in Mainz spielen, in Darmstadt oder zu Hause gegen Dortmund. Sie haben immer Hunger. Und sie wirken immer bescheiden in ihrem Verhältnis zu ihrem Talent. Sie sehen das als Verpflichtung. Das ist der Ursprung von Leistungssport“, schwärmte Bayern-Versteher Tuchel. „Wir wollen in Dortmund auch diese Atmosphere of Greatness zwischen uns erschaffen. Wir möchten auch diesen Klebstoff, der alles zusammenhält. Dass das Gefühl der Unbesiegbarkeit entsteht. Dass man sich frei macht von den Umständen. Dass man als Mannschaft aufgeht im Handeln. Aber man sieht: Wir haben einen Rückstand.“

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