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Neuer Hoffenheim-Trainer : Was den Laptop-Hoeneß besonders macht

Vom FC-Bayern-Nachwuchs zu den Profis nach Hoffenheim: Sebastian Hoeneß Bild: Picture-Alliance

Für den Namen kann er nichts, aber für den herausragenden Fußball-Verstand: Der rasante Aufstieg von Sebastian Hoeneß, dem neuen Bundesliga-Trainer der TSG Hoffenheim, hat gute Gründe.

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          Vor sieben Jahren schickte Ralf Rangnick einen Spion in die Hauptstadt. Er suchte damals im Auftrag von Red Bull neue Mitarbeiter für das Fußballprojekt in Leipzig. In Steglitz-Zehlendorf, im Südwesten Berlins, arbeitete ein junger Trainer für die A-Jugend von Hertha 03, über den er mehr wissen wollte. Er beauftragte einen Vertrauten, der vor Ort herausfinden sollte, wie der Trainer mit seiner Mannschaft übt, wie er mit ihr spricht. Als der Spion berichtete, was ihm aufgefallen war, wusste Rangnick sofort, dass er Sebastian Hoeneß haben will.

          Christopher Meltzer

          Sportkorrespondent in München.

          Es hat Hoeneß nie viel Zeit gekostet, bis die mächtigen Männer in den Fußballvereinen von ihm begeistert waren. Die Geschichte mit Rangnicks Spion hat er schon mehrmals erzählt, aber sie steht eben so schön für das, was später zu beobachten war: Wer Hoeneß erlebte, beförderte ihn auch. Das war so in Leipzig, wo er schnell die U17 von RB anführen durfte. Das war so in München, wo der FC Bayern ihm zunächst die U19 und schon zwei Jahre später die U23 anvertraute, die gerade in die dritte Liga aufgestiegen war. In seiner ersten Saison im Profifußball coachte er seine neue Mannschaft sofort auf den ersten Platz, weshalb er jetzt, mit 38 Jahren, das bekommen hat, worauf sogar die meisten Fußballlehrer lange warten: einen Job, in dem er nicht mehr befördert werden kann.

          Nicht als Hoeneß wahrnehmen

          Am kommenden Montag tritt Sebastian Hoeneß zum ersten Mal öffentlich als Cheftrainer der TSG Hoffenheim auf. In einer Pressekonferenz wird er erklären müssen, wie er so schnell in die Bundesliga aufgestiegen ist, wie er sich die Zukunft vorstellt, wie er seinen Angriffsstil aus der dritten Liga mit Spielern durchsetzen will, die ihren Rivalen nicht mehr technisch überlegen sind. Und ziemlich sicher wird er zwischendurch auch erklären müssen, wie das alles zusammenhängt mit einer Sache, für die er gar nichts kann: seinem Namen.

          Als Sebastian Hoeneß ein kleiner Junge war, wusste er nicht, wie sehr sein Familienname mit dem Sport verknüpft ist, den er so gern mochte. Durch Dieter, seinen Vater, und natürlich Uli, seinen Onkel. Als er dann ein großer Junge war, wusste er es genau. „Natürlich“, sagte er einmal, „würde ich mir hin und wieder wünschen, als Sebastian wahrgenommen zu werden, nicht als Hoeneß.“

          Jetzt ist er, Sebastian, in der Bundesliga angekommen, und das hat auch damit zu tun, dass er sich nicht von Dingen hat aufhalten lassen, die er nicht verändern kann. Er hörte mit 28 Jahren als Spieler auf, weil ihm auf dem Feld das Talent für den Profifußball fehlte. Er hörte irgendwann auch auf, sich darüber zu ärgern, dass sein Name „in Kontext gesetzt“ werde, was „ein bisschen ungerecht“ sei, und sagt seitdem: „Damit muss ich leben.“

          Über seinen Namen redet er bis heute nicht gerne. Aber über Fußball. Einmal, es war am ersten Samstag im Februar, wollte Hoeneß das Grünwalder Stadion in München schon verlassen, als drei Reporter ihn ansprachen. Er hörte sich ihre Fragen an, fasste sich immer wieder an seine Kappe, stellte Gegenfragen. Und als ein paar Minuten vergangen waren, fing er an zu erklären, wie er seine Mannschaft, den FC Bayern II, für das Spiel gegen Hansa Rostock eingestellt hatte. Er erzählte von seinem Plan, den er im Training gründlich vorbereitet hatte und an den er seine Spieler erinnerte, als er sah, wie die Rostocker sich auf dem Rasen verteilten. Weil Hansa mit vielen Angreifern in die Mitte drängte, sollte sich einer seiner Mittelfeldspieler in die Viererkette zurückfallen lassen, damit die Außenverteidiger nach vorne verteidigen können. Es klappte, Endstand: 1:0.

          Es ist besonders faszinierend, wie der Trainer Sebastian Hoeneß die alte Welt des Fußballs mit der neuen verbindet. Früher saß er neben seinem Vater und lauschte, wenn dieser mit Spielern, Spielerberatern und Journalisten telefonierte. Heute spricht er in Interviews auch mal von „reingekippten Außenverteidigern“. Er hat sicher oft genug gehört, wie es in den Kabinen der Bundesliga zugeht, aber als Spieler saß er nie in einer. Er ist ein moderner Trainer mit einem historischen Namen. Man könnte das auch etwas launiger und etwas überspitzt sagen: In der Bundesliga gibt es jetzt einen Laptop-Trainer, der Hoeneß heißt.

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