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TSG Hoffenheim : Umkehrschwung zur Ur-Idee

  • -Aktualisiert am

Was kann er in Hoffenheim noch bewegen? Der neue Trainer Markus Gisdol Bild: dpa

Nach der Beurlaubung von Trainer und Manager setzen die abstiegsbedrohten Hoffenheimer auf einen grundlegenden Kurswechsel. Markus Gisdol führt nun die Mannschaft.

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          Die TSG Hoffenheim hat das Experiment beendet, ein Bundesligaverein wie jeder andere sein zu wollen. Dazu musste der vom Milliardär Dietmar Hopp unterstützte Klub noch einmal in das branchenübliche Muster verfallen. Am Dienstag gab der Verein bekannt, mit sofortiger Wirkung Cheftrainer Marco Kurz, dessen Assistenten Günther Gorenzel und Sportmanager Andreas Müller von ihren Aufgaben zu entbinden. „Müller und Kurz waren angetreten, den Abstieg zu verhindern. Acht Punkte aus zehn Spielen, davon sechsmal kein Tor geschossen - die Tabelle lügt nicht“, begründete der Hoffenheimer Vereinspräsident Peter Hofmann die Freistellung.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Aber auch bei einer besseren Bilanz wären Kurz und Müller nicht über die Saison hinaus geblieben. Schon am vergangenen Donnerstag hatte der Hoffenheimer Geschäftsführer Sport und Finanzen, Frank Briel, Kontakt zu Markus Gisdol aufgenommen, der am Dienstag als neuer Trainer vorgestellt wurde. „Ich wurde gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, in Hoffenheim in der nächsten Saison Cheftrainer zu werden“, sagte der 43 Jahre alte Fußball-Lehrer in Zuzenhausen. „Ich sagte ja.“ Nach der 0:3-Niederlage der Kraichgauer bei Schalke 04 am Ostersamstag klingelte es am Sonntag schon wieder. Diesmal lautete die Frage, ob er sich einen sofortigen Einstieg bei der TSG vorstellen könne. Gisdol: „Ich sagte ja.“

          Gemeinsamer Abschied: Die TSG Hoffenheim entlässt Trainer Marco Kurz und Manager Andreas Müller
          Gemeinsamer Abschied: Die TSG Hoffenheim entlässt Trainer Marco Kurz und Manager Andreas Müller : Bild: picture alliance / Sven Simon

          Gisdol soll nicht den Feuerwehrmann spielen, der den Abstieg des Tabellensiebzehnten womöglich doch noch vermeidet. Gisdol soll Hoffenheim wieder zu seiner Ur-Idee zurückbringen: Talente fördern und attraktiven Fußball bieten. „Wir wollen zurück zu den Wurzeln, und Markus Gisdol ist eine dieser Wurzeln“, sagte Präsident Hofmann. In der Tat arbeitete der Fußball-Lehrer schon erfolgreich als Trainer der zweiten Mannschaft, als Ralf Rangnick das Sagen bei den Profis hatte. Später, zu seiner Schalker Zeit, berief ihn Rangnick zu seinem Assistenten. Dort blieb Gisdol auch, als Huub Stevens Cheftrainer wurde - und machte sich als taktischer Ratgeber des Niederländers einen Namen, immer wieder bekam er von anderen Klubs Angebote, dort Chef zu werden. Als Stevens kurz vor der Winterpause beurlaubt wurde, musste sein Berater auch weg. Somit war Gisdol frei, als Hoffenheim im Winter einen Trainer suchte. Es wurden auch schon Gespräche geführt, aber damals entschied sich Hoffenheim für Marco Kurz. Dem wurden zwölf Millionen Euro für Verstärkungen an die Hand gegeben, die allerdings nicht zu einer Verbesserung der sportlichen Situation führten.

          „Als ich vor vier Jahren hier war, waren das andere Zeiten. Ich muss sagen, es hat sich nicht viel nach vorne entwickelt“, sagte Gisdol am Dienstag. „Die große Herausforderung ist für mich, den Fußball des U-Bereichs in die Profimannschaft zu integrieren. Ich habe die Spielphilosophie in Fleisch und Blut - und deswegen bin ich hier.“ Gisdol erhält einen Dreijahresvertrag, genauso wie Alexander Rosen, der ihn als „Leiter Profifußball“ unterstützen soll. „Ich bin nicht der Nachfolger von Andreas Müller, ich werde nicht auf der Bank sitzen, ich werde nicht nach den Bundesligaspielen meine Statements abgeben. Ich sehe meine Aufgabe nur intern“, sagte Rosen, der bisher Leiter des Nachwuchszentrums war. Er wird auch an der Kadergestaltung „extrem“ beteiligt sein, wie er es ausdrückt. Doch dabei soll es weniger um die Verpflichtung von namhaften Profis gehen, sondern um die Integration von Nachwuchsspielern. „Ich bin das Bindeglied zwischen Profis und Nachwuchszentrum.“

          Baustellen gibt es genug

          Der Umkehrschwung bedeutet nicht, dass Hoffenheim den Kampf um den Klassenverbleib aufgegeben hätte. „Ich sehe eine realistische Chance, noch den Relegationsplatz zu erreichen“, sagte Gisdol. Dazu wäre ein Sieg am Freitag im Heimspiel gegen Düsseldorf jedoch dringend nötig. Dem neuen Trainer stehen nur drei Tage zur Verfügung, seine neuen alten Hoffenheimer Ideen den Spielern nahezubringen: aggressiv gegen den Ball arbeiten, weit vorne schon verteidigen, immer bereit, nach Balleroberung den direkten Weg zum Tor zu suchen. Unter Kurz spielte die TSG sehr vorsichtig, was die Zahl der Gegentore zwar drastisch reduzierte, aber nicht zu vielen Punktgewinnen führte.

          Wie geht Gisdol seine Aufgabe an? „Ich muss mir erst mal mein Bild machen, auch von der Dynamik in der Truppe. Die Spieler müssen das alles erst einmal verarbeiten. Ich werde sehen, wer in der Lage ist, sofort umzusetzen, was ich will. Da kann es zu Überraschungen kommen.“

          Alle Spieler bekämen eine hundertprozentige Chance - auch Torwart Tim Wiese, der unter Gisdols Vorgänger wegen Disziplinlosigkeit zeitweise suspendiert worden war. Dessen baldige Rückkehr auf die Position Nummer eins hat Gisdol jedoch nicht im Sinn. „Man muss sagen, dass Heurelio Gomes sehr gut gehalten hat. Es besteht kein Anlass, noch eine neue Baustelle zu eröffnen.“ Baustellen, davon gibt es in Hoffenheim wirklich mehr als genug.

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