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TSG Hoffenheim : Her mit dem Bayern-Hattrick!

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In seinem 100. Spiel für die TSG Hoffenheim will Julian Nagelsmann seinen dritten Sieg gegen den FC Bayern München einfahren. Bild: Reuters

Zwei Siege über den FC Bayern kann sich Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann bereits in die Vita schreiben. Damit der Hattrick gelingt, müssen die Hoffenheimer jedoch einen Hinrundenfluch besiegen.

          Wie wohltuend doch eine kurze Winterpause sein kann. Als Julian Nagelsmann am Abend des 23. Dezember das Podium des Sinsheimer Stadions verließ, wirkte er gefrustet, genervt, urlaubsreif. Das nacheinander sechste Unentschieden seiner seit elf Spielen unbesiegten Mannschaft im Kampf um Bundesligapunkte war dem Cheftrainer der TSG 1899 Hoffenheim erkennbar aufs Gemüt geschlagen. Dabei hätte das 1:1 gegen den 1. FSV Mainz 05 zu einer schönen Bescherung für die Kraichgauer werden können. Doch wie so oft zuvor hatten wieder einmal Pech und Konzentrationsmängel beim Abschluss einen vollen Erfolg verhindert. „Wir müssen es hinkriegen“, sagte Nagelsmann vor dem Auftaktspiel zur Rückrunde an diesem Freitag gegen den FC Bayern München (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga sowie im ZDF und auf Eurosport), „dass wir ein bisschen weniger gegen Pfosten und Latte schießen und dafür häufiger ins Tor treffen.“

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          Wenn das so einfach wäre, stünde Nagelsmanns Mannschaft nicht wie im Vorjahr zur selben Zeit auf Platz sieben, sondern auf einem Champions-League-Rang wie am Ende der vergangenen Spielzeit, die Hoffenheim als Tabellendritter beendete. Die vier Aluminiumtreffer gegen die Mainzer rundeten die Halbjahresbilanz der Hoffenheimer Pfosten- und Lattenschüsse auf dreizehn auf. Damit führen die Hoffenheimer diese Spezialbilanz an wie auch die Liste der Gegentore nach abgefälschten Bällen (zehn). „Das Momentum war in der Hinrunde nicht wirklich auf unserer Seite. Wir haben unheimlich viele Chancen herausgespielt und haben noch ein bisschen Arbeit vor uns, was die Effizienz betrifft“, stellt Nagelsmann vor dem Duell mit dem Tabellenzweiten nüchtern fest.

          „An diesem Freitag ist Bayern schon ein bisschen unter Druck“, lautet seine Lageskizze vor dem Anpfiff, „wenn sie das Spiel nicht gewinnen, kann das eine Botschaft für die Mannschaft sein, die oben steht, aufs Gaspedal zu drücken. Und wenn wir das Auftaktspiel gewinnen, können wir den einen oder anderen in der Liga ins Grübeln bringen.“ Nagelsmann, seit knapp drei Jahren Coach der TSG 1899, hat seitdem die beiden Bundesliga-Heimspiele gegen die Bayern, mal 2:0, mal 1:0, gewonnen und strebt nun den „Hattrick“ an. Die Gefahr, dass sein Team, das laufstärkste der Liga und eines der spielstärksten dazu, „vor Schreck erstarrt, wenn der rote Bus einfährt“, sieht der mit forscher Attitüde und mutiger Strategie vorangehende Nagelsmann nicht. „Wir haben eine sehr positive Bilanz gegen die Bayern“, sagt Nagelsmann, „wenn man ihnen schon häufiger weh getan hat, weiß man, dass das funktioniert.“

          Der „Hattrick“ zum Dienstjubiläum

          Auch diesmal dürfte sich der 31 Jahre alte Oberbayer aus Landsberg am Lech einen mutigen Matchplan zurechtgelegt haben, der wie immer auf der Erkenntnis fußt, dass seine Spieler in der Lage sind, mit jedem Gegner Schritt zu halten. So war es schon im Hinspiel, das die Hoffenheimer auch deshalb 1:3 verloren, weil sie in ihrer besten Phase beim Stand von 1:1 eine sehr strittige Elfmeterentscheidung nach einem theatralischen Fall von Ribéry traf. Der Strafstoß wurde wiederholt, weil bei Lewandowskis Ausführung Spieler beider Teams regelwidrig in den Strafraum gelaufen waren, ehe der Pole im zweiten Anlauf zum 2:1 traf. Danach war das Momentum wieder einmal nicht mehr auf Seiten der Nordbadener.

          Diesmal aber glaubt der Trainer daran, dass seine Spieler die schmerzlichen Erkenntnisse aus der Hinrunde produktiv verarbeitet haben. In der Rückserie soll die eigene Torquote vor allem aus den Reihen der Mittelfeldspieler, die nur sieben der insgesamt 32 Treffer beisteuerten, erhöht werden. Nagelsmann fordert zudem mehr Konsequenz in der Defensivarbeit ein. „Ich verlange eine knallharte Manndeckung in der eigenen Box. Der Gegner kriegt im Strafraum nicht mehr so viel Platz wie in der Hinrunde.“ Forderungen, die erfüllt werden müssen, wollen sich die aus der Champions League als sieglose Gruppenletzte ausgeschiedenen Hoffenheimer noch einmal für den wichtigsten Klubwettbewerb qualifizieren.

          So könnte Nagelsmann als immer noch jüngster Fußballlehrer der Liga die Skeptiker, die in ihm schon eine „lahme Ente“ auf dem Weg zum nächsten Arbeitgeber RB Leipzig sehen, am besten widerlegen. „Viel mehr Motivation, als ich über die vergangenen drei Jahre hier versprüht habe, kann man, glaube ich, nicht versprühen, sonst wird’s ungesund“, sagte er vor dem Rückrundenauftakt, „jetzt geht es für mich darum, den perfekten Abschied abzuliefern. Ich habe ein Eigeninteresse daran, dass das positive Bild von mir bei der TSG bestehen bleibt.“ Der bis dato erfolgreichste Trainer des längst groß gewordenen „Dorfvereins“ feiert wie zur Bekräftigung seines ungebrochenen Tatendurstes am Freitag ein Dienstjubiläum: seinen hundertsten Einsatz zum Wohle der TSG. Nagelsmann blickt deshalb ausnahmsweise auch einmal gern zurück statt stets nach vorn und sagt: „Mit 31 Jahren hundert Spiele in der Bundesliga – das ist nicht so schlecht. Das Ganze für einen Verein, das ist noch mal doppelt nicht so schlecht.“ Will sagen: Dieser innovative Fußballlehrer wird sich bis zum Ende seiner Tage für die TSG derart intensiv engagieren, als bliebe er danach noch für mindestens weitere 100 Spiele ein Hoffenheimer.

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