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TSG Hoffenheim : Ohne Namen auf den Trikots

  • -Aktualisiert am

Schöne Abwechslung: Tim Wiese trifft gegen Dillingen per Elfmeter Bild: APF - Agentur fuer professionell

Eren Derdiyok oder der ehemalige Nationaltorhüter Tim Wiese sind von der TSG Hoffenheim in die Trainingsgruppe 2 verbannt worden. Abgeschottet vom Kader treten sie gegen ein Kreisligateam aus Dillingen an und haben nicht mal mehr Autogrammkarten.

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          An der Eingangstür steht kein Kassierer, sondern nur ein Tisch. Auf dem Tisch liegt ein grünweißer Fußball aus Ton mit einem Schlitz. „Freiwillige Spende für die Jugendarbeit des FC Zuzenhausen“ steht zu lesen. Viel wird nicht zusammengekommen sein, etwa 200 Zuschauer sind an diesem späten Mittwochnachmittag auf das Vereinsgelände des Landesligaklubs gekommen. Das hätte sich Tim Wiese auch nicht träumen lassen, oder Eren Derdiyok oder Matthieu Delpierre oder Tobias Weis oder Edson Braafheid: dass sie nicht mal mehr Eintrittsgeld wert sein würden.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Sie alle haben schon vor Länderspielen die Nationalhymne ihrer Heimatländer gehört: Der Franzose Delpierre nur in verschiedenen Junioren-Nationalmannschaften, die anderen haben A-Länderspiele auf dem Buckel. Nun sind sie am Tiefpunkt ihrer Karrieren angelangt. Ihr Arbeitgeber, der Bundesligaklub TSG Hoffenheim, legt auf ihre Fähigkeiten keinen Wert mehr und hat sie aus dem Profikader genommen. Nun bilden sie die sogenannte Trainingsgruppe 2, bis sie einen neuen Verein gefunden haben; um ihnen ein bisschen Abwechslung im Trainingsalltag zu gönnen und um ihnen etwas Spielpraxis zu vermitteln. Deshalb wurde dieses Spiel vereinbart.

          Der Gegner heißt SSV Dillingen, Dillingen an der Donau, der Klub spielt in der dortigen Kreisliga West. Die Zuschauer begrüßen die Teams mit freundlichem Applaus. Die Nachmittagssonne scheint mild auf den Sportplatz, keine Tribüne verstellt den Blick auf die sanften Hügel des Kraichgaus, Steinstufen bieten Sitzgelegenheiten und eine Reihe Parkbänke.

          “Keiner wollte diese Situation. Der Verein nicht, die Spieler sowieso nicht. Es ist keine schöne Situation, aber wir sind bestrebt, eine Lösung zu finden, mit der alle leben können“, sagt Alexander Rosen. Der Leiter der Hoffenheimer Profiabteilung betont, dass es keine Alternative zu der Einrichtung der Trainingsgruppe 2 gegeben habe. „Wir haben uns beraten lassen“, sagt Rosen. Wenn Trainer Markus Gisdol am 1. Juli jedes Kadermitglied zum Training zugelassen hätte, wären 42 Profis auf dem Platz gestanden. Alle mit gültigen Verträgen, alle mit dem Recht, trainiert zu werden. „Aber mit so vielen Spielern ist eine seriöse Saisonvorbereitung nicht möglich“, sagt Gisdol und verdeutlicht: „Stellen sie sich nur vor, sie bestreiten ein Trainingsspiel elf gegen elf und 20 Spieler schauen an der Linie zu.“

          Ohne Namen auf den Trikots: Die Hoffenheimer Stars in der Anonymität von Trainingsgruppe 2
          Ohne Namen auf den Trikots: Die Hoffenheimer Stars in der Anonymität von Trainingsgruppe 2 : Bild: APF - Agentur fuer professionell

          Die große Zahl an Profis ist Ausdruck einer hektischen Transferpolitik, mit der die TSG auf den verkorksten Saisonstart in der vergangenen Spielzeit reagierte. Auf den früh beurlaubten Trainer und Manager Markus Babbel folgten Manager Andreas Müller und Trainer Marco Kurz. Schon unter Babbel war von dem früheren Hoffenheimer Nachwuchskonzept wenig übriggeblieben. Müller und Kurz griffen dann ganz klassisch ganz tief in die Kasse, um mit erfahrenen Profis den drohenden Abstieg abzuwenden. Ohne Erfolg, sie mussten im Frühjahr gehen. Mit dem Sportlichen Leiter Rosen und dem neuen Trainer Gisdol kamen Leute, die dem Urprinzip, einer durch Ralf Rangnick personifizierten Hoffenheimer Fußball-Philosophie, nahestehen: anspruchsvoller Offensivfußball, getragen durch willige, talentierte Spieler.

          Gisdol schaffte das kleine Fußball-Wunder und rettete über die Relegation die Bundesliga-Zugehörigkeit. Aber schon in dieser Phase benötigte er viele Stars nicht mehr. Nach der Analyse während der Sommerpause legte sich Gisdol auf einen Kader von 25 Spielern fest, vornehmlich Spieler mit Zukunft, nicht mit Vergangenheit.

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