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2:2 bei Hoffenheim : Dortmund holt in Unterzahl einen Punkt

  • -Aktualisiert am

Trotz Unterzahl gelingt Dortmund noch der Ausgleich zum 2:2. Bild: AFP

Hoffenheim und Dortmund liefern sich ein Duell mit offenem Visier. Der BVB gleicht aus – obwohl er mehr als eine Halbzeit zu zehnt spielt, weil ein Nationalspieler vom Platz fliegt.

          Offenes Visier, darauf schien dieses Spitzenspiel am Freitagabend von vornherein hinauszulaufen. Schon die Äußerungen der beiden Trainer vor der Begegnung zwischen der TSG 1899 Hoffenheim und Borussia Dortmund hatten darauf gedeutet. Julian Nagelsmann sagte mit aller Entschiedenheit: „Es gab noch nie ein Spiel, vor dem ich gesagt habe, ich möchte unentschieden spielen. Das ist auch diesmal so.“ Da traf es sich gut, dass auch dessen Dortmunder Kollege Thomas Tuchel keine falsche Bescheidenheit walten ließ. „Wir trauen uns zu, die Ersten zu sein, die Hoffenheim schlagen.“

          Dazu kam es zwar nicht, auch weil der BVB nach Reus‘ Platzverweis (41. Minute) die komplette zweite Hälfte in Unterzahl bestreiten musste, doch ein Achtungserfolg für die Borussia war das 2:2 nach Treffern von Uth (2.) und Wagner (20.) für den nach wie vor unbesiegten Übernacht-Tabellendritten und Götze (11.) sowie Aubameyang (48.) für den Tabellenfünften allemal. Hoffenheim bewies seine neue Topqualität, während die Westfalen mit ihrem couragierten Auftritt ein großes Versprechen für die Rückrunde abgaben.

          Es war auch ein spezieller Zweikampf zwischen Nagelsmann und Tuchel, da der Dortmunder Coach als damaliger Trainer der U23 des FC Augsburg vor neun Jahren den junginvaliden Spieler, Assistenten und Scout des FCA betreut und dazu überredet hatte, eine Trainerkarriere anzustreben. Mehr als ein Impulsgeber aber war Tuchel auch nicht, von dem Nagelsmann heute sagt: „Es gibt keinen Kontakt zu ihm. Er ist ein Kollege wie die anderen 16 Bundesligatrainer auch.“

          Wer von beiden am Freitag die besseren Ideen haben würde, war die entscheidende Frage. Gemessen an der ersten Hälfte, setzte Nagelsmann mit seinem Konterkonzept die effektiveren Signale. Schon in der dritten Minute gelang den Hoffenheimern in dieser spektakulären, harten Auseinandersetzung der erste Wirkungstreffer: eingeleitet von einem langen Pass des halblinks postierten Innenvertedigers, der die gesamte BVB-Abwehr aushebelte und von Angreifer Uth, der auch Torhüter Weidenfeller stehen ließ, zum 1:0 genutzt wurde.

          Im Duell zwischen Wagner (links) und Ginter krachte es schon in der ersten Minute. Bilderstrecke

          Turbulent wie es begonnen hatte, ging es weiter. Nach elf Minuten war Nationalspieler Mario Götze mit seinem ersten Bundesliga-Tor seit seiner Rückkehr nach Dortmund an der Reihe. Eine Vorlage von Dembélé veredelte er mit einem gefühlvollen Flachschuss ins rechte Eck. Neun Minuten später unterstrich Sandro Wagner seine persönliche Überzeugung, der derzeit beste deutsche Stürmer zu sein, als er nach Hübners Kopfballvorarbeit im Anschluss an einen Hoffenheimer Eckball ebenfalls per Kopf das 2:1 gegen den zögerlichen Weidenfeller erzielte. Zuvor aber schob der Torschütze Gegenspieler Sven Bender mit den Händen weg. „Ich rege mich über die unfassbaren Fehlentscheidungen in der ersten Halbzeit auf. Den Schubser von Wagner sehe ich aus 60 Metern Entfernung“,  sagte Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Nach Ansicht der TV-Bilder schloss sich Wagner an: „Das Foul sehe ich jetzt und stehe dazu. Im Spiel habe ich es nicht gemerkt, das war intuitiv.“

          Tuchels Plan, den Kraichgauern mit einer Dreierabwehr zu begegnen, um nach vorn noch mehr Druck ausüben zu können, erwies sich als hochriskant, weil zu diesem losen Verbund auch der von einer Langzeitverletzung (Knochenödem im Fuß) zurückgekehrte Sven Bender gehörte. Und der offenbarte verständlicherweise Startschwierigkeiten. Die Bredouille für den BVB wurde noch größer, als sich der bereits verwarnte Reus, beim Versuch, den davoneilenden Amiri aufzuhalten, ein Foul zu viel erlaubte und per Gelb-Roter Karte vom Platz geschickt wurde (41.). „Amiri zieht eine Minute lang am Trikot, doch Marco bekommt die Rote Karte. Mit zehn Mann kann ich der Mannschaft nur ein Kompliment machen, das war eine tolle Willensleistung“, sagte Watzke.

          Ein Rückschlag zu viel für die nach schwungvollem Beginn angeknockten Schwarz-Gelben, deren Auswärtsschwäche mit bisher nur acht Punkten sich zu verlängern drohte? Es sah so aus, als Wagner (48.) nach Kaderabeks Zuspiel allein vor Weidenfeller auftauchte – und dann den Ball gegen den Pfosten setzte. Im Gegenzug machte es Aubaleyang nach Dembélés genialem Steilpass besser, als er den Ball über Torhüter Baumann hinweg zum 2:2, sein 16. Saisontreffer, lupfte. Die 30.000 Zuschauer in der ausverkauften Rhein-Neckar-Arena bekamen ein tolles Fußballspiel zu sehen.

          Die Hoffenheimer drängten gegen die nun in einem 4-4-1-System besser aufgestellten Borussen weiter auf die Entscheidung, mussten aber jederzeit aufpassen, sich nicht noch einen weiteren BVB-Konter zu fangen. Ein zusätzliches Handikap mussten die Westfalen von der 69. Minute an kompensieren, als ihr bester Spieler, Dembélé, verletzt auf einer Trage Abschied nahm von seinem bisher eindrucksvollsten Auftritt im Dortmunder Trikot und durch Mor ersetzt wurde. Am Ergebnis in diesem aufregenden Duell zweier offensiver Mannschaften änderte das nichts mehr.

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