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TSG 1899 Hoffenheim : Der Fluch des Geldes

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Da war doch mal was? Vom SDuperfußball made in Hoffenheim ist nur eine blasse Erinnerung geblieben Bild: dpa

Einst weckte die Spielkunst der Hoffenheimer Bewunderung, heute erregt ihr Gekicke nur noch Mitleid. Solange der Klub keine Identität findet, so lange ist Dietmar Hopp nur ein badischer Scheich, der ein Kunstprodukt finanziert. Nun will sich die TSG neu erfinden.

          5 Min.

          Ein Plastikklub! Seelenlos! Geldfußball! Das ist die TSG 1899 Hoffenheim. Ein Spielball des Milliardärs Dietmar Hopp. Aber ist sie das wirklich? Wird ihr das gerecht? Oder ist das alles nur Geschwätz, ewiges Nachgeplapper?

          Ein Dorfklub, ein Milliardär, ein Fußballprofessor, Aufstiege, Bundesliga, Herbstmeister, dann der Zusammenbruch, die Kapitulation des Geldes, der Kampf gegen den Abstieg, gegen den Zerfall, der Kampf um ehrlichen Fußball, um Identität, Heimat. Ist das vielleicht - ganz im Gegenteil - eine richtig aufregende Geschichte?

          Man muss nur die 800 Meter vom Ortskern in Zuzenhausen zum Dietmar-Hopp-Trainingszentrum gehen, um die Zerrissenheit dieses Vereins zu spüren. Unten im Dorf, im „Ochsen“, kostet der Gulaschtopf mit Brot 3,90 Euro, und am Rathaus sind die brennenden Themen der Gemeinde angeschlagen: „Im September 2013 scheidet ein Mitarbeiter im Klärwerk aus Altersgründen aus. Zur Wiederbesetzung soll die Stelle rechtzeitig ausgeschrieben werden.“

          Dann geht man die 800 Meter nach oben ins Königreich Hoppenheim, und dann ist alles vom Feinsten. Der mattschwarze Zwölfzylindersupersport-Mercedes des Ersatzersatztorhüters steht als Gruß aus einer anderen Welt vor dem TSG-Gelände, alles ist Fünf-Sterne-Luxusklasse, ein altes Jagdschloss, das Hopp für 15 Millionen Euro zum Trainings- und Verwaltungszentrum umbauen ließ. Der Segen des Geldes. Hopps Traum war, beides zusammenzubekommen, den Luxusfußball und die Dorfidylle. Diesem Traum ist er ziemlich nahegekommen vor gut vier Jahren.

          Damals, im Dezember 2008

          Damals, im Dezember 2008, hatte Hoffenheim unter Trainer Ralf Rangnick eine Mannschaft, die nicht nur erfolgreich spielte, sondern auch wunderschön. „Neuer deutscher Fußball“ hieß es seinerzeit nach dem Spiel in München (2:1) in dieser Zeitung. „Bayern und Hoffenheim bieten ein Spektakel, wie es die Bundesliga noch nie gesehen hat.“ Wenn die beiden Teams an diesem Sonntag (15.30 Uhr live im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) wieder aufeinandertreffen, ist vom Superfußball made in Hoffenheim nur eine blasse Erinnerung geblieben. Damals weckte die Spielkunst der TSG Bewunderung, heute erregt ihr Gekicke nur noch Mitleid. Was ist passiert in diesen vier Jahren? Wie konnte das geschehen?

          Im ersten Stock des Trainingszentrums haben Andreas Müller, der Manager, und Bernhard Peters, der Direktor für Sport- und Nachwuchsförderung, ihre Büros. Spurensuche. Fehlersuche. „Viele von uns, Spieler, Trainer, Funktionäre, waren damals nicht reif für diese explosionsartige Entwicklung“, sagt Peters, der ehemalige Hockey-Bundestrainer. „Wir sind mit dem Hype amateurhaft umgegangen.“

          „Wir sind mit dem Hype amateurhaft umgegangen“

          Thomas Schmitz-Günther, Pressesprecher des Fanverbandes Supporters Hoffenheim, sieht es genauso: „Die Herbstmeisterschaft 2008 war das Schlimmste, was uns passieren konnte. Danach hat der Verein eine einzige Fehlerkette produziert.“ Mit Hopp an der Spitze haben sie den Hymnen gelauscht und tatsächlich geglaubt, auf dem Weg in die Champions League zu sein. Die Spieler wurden mit horrenden Gehältern belohnt, doch dann ging es langsam bergab, zurück in die Realität. Platz sieben nach der Rückrunde. Platz elf in der folgenden Saison, Platz acht zur Halbzeit der dritten. Dann verkaufte Hopp gegen den Willen des Trainers Mittelfeldspieler Luiz Gustavo für 15 Millionen nach München, und Rangnick schmiss hin. Das war der Knackpunkt.

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