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Dortmunder 2:0 in Gladbach : Ein bisschen Tanz, ein bisschen Trauer

  • -Aktualisiert am

So sieht Freude 2019 nach einem Torschuss aus: Warten auf den Videoassistenten Bild: AFP

Die eine Borussia zu instabil für den Titel, die andere für die Champions League: Dortmund schlägt Gladbach 2:0. Eine Gefühlsmixtur aus Stolz und Trauer beherrscht die Szenerie.

          Geradezu bedächtige Szenen ereigneten sich auf dem Rasen, als der große Meisterschaftsshowdown zu Ende ging, ohne zu einem Drama geworden zu sein. Die Köpfe hingen, aber kein Dortmunder brach verzweifelt in sich zusammen, weil die Hoffnung auf das große Wunder unerfüllt geblieben war. Natürlich fühlten sich die Minuten nach dem Spiel wie eine große Enttäuschung an, aber die schwarz-gelben Fans trösteten ihr Team mit inbrünstigen Gesängen – und irgendwann wurde sogar ein bisschen getanzt.

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          Der 2:0-Erfolg bei Borussia Mönchengladbach half nichts im Fernduell um den Meistertitel und hatte vor allem einen Effekt: Die Gladbacher sind aus den Champions League-Rängen herausgefallen, müssen sich mit der Teilnahme an der Europa League begnügen. „Europapokal, Europapokal“, sangen die Anhänger der Gladbacher, die von einer ähnlichen Gefühlsmixtur aus Stolz und Trauer erfüllt waren wie die Dortmunder. Aber diese Gladbacher Rückrunde mit zuletzt acht Heimspielen ohne Sieg war zu instabil für einen der vorderen vier Plätze.

          Dabei hatte der Tag eigentlich ganz gut begonnen für die Gladbacher. Fünf Minuten waren absolviert, als Thorgan Hazard, der in der kommenden Saison wohl für den BVB spielen wird, eine frühe Chance für Mönchengladbach vergab. Kurz darauf erschien die erste Nachricht aus München auf der Anzeigetafel, der FC Bayern war in Führung gegangen. Die Gladbacher Zuschauer jubelten, und bei den Dortmundern zeigte diese Information offenkundig Wirkung.

          Der Titelanwärter agierte angeschlagen, verlangsamt, die Borussia vom Niederrhein war besser in der ersten Halbzeit. Nach zehn Minuten hatte Ibrahima Traoré viel zu viel Platz bei einem Schuss aus 18 Metern, traf jedoch das Lattenkreuz (11.), auch Jonas Hofmann verfehlte das Ziel mit einem Fernschuss nur knapp (14.), Christoph Kramer hatte eine weitere wunderbare Möglichkeit, köpfte jedoch aus bester Lage über die Latte (40.)

          Die drohende Enttäuschung lastete schwer auf den Gästen, denen kaum ein strukturierter Spielzug gelang. Lediglich nach Standardsituationen entstand der Anschein von Torgefahr. Doch Axel Witsel verpasste eine erste Möglichkeit am langen Pfosten nach einer Ecke (24.), und Marco Reus setzte einen Freistoß knapp neben den Winkel (37.).

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          Insofern war die Dortmunder Führung mit dem Halbzeitpfiff keine wirklich logische Folge des Spielverlaufs. Reus hatte einen Ball von der Grundlinie ins Zentrum geflankt, Yann Sommers Klärungsversuch landete bei Jadon Sancho, der aus sieben Metern volley vollendete. Es folgte eine ausführliche Videoüberprüfung der Schiedsrichter um Manuel Gräfe, denn der Ball war vor Reus‘ Hereingabe zu großen Teilen hinter der Linie. Aber offensichtlich ließ sich anhand der TV-Bilder nicht nachweisen, dass er sich komplett im Aus befunden hatte. Für die Gladbacher war das bitter, zumal natürlich längst aus Berlin vermeldet worden war, dass Bayer Leverkusen führte.

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          In der Blitztabelle waren die Gladbacher aus den Champions League-Rängen herausgerutscht, und der BVB spielte nach der Pause plötzlich doch mit dem Schwung, den man von einem Meisterschaftskandidaten erwarten kann. Früh in der zweiten Hälfte verfehlte Reus das Tor aus bester Lage (51.), traf aber kurz darauf nach einer schönen Vorlage von Christian Pulisic aus fünf Metern zum 0:2 (54.). Und als Nico Elvedi eine Sancho-Hereingabe an den eigenen Pfosten lenkte (59.), hatten die Gladbacher Glück, dass die Partie nicht nach einer Stunde schon entschieden war.

          Den Gladbachern fehlte nun der Glaube, hier noch die zunächst drei und später sogar vier erforderlichen Tore zu schießen, die angesichts der Zwischenstände auf den anderen Plätzen nötig waren, um doch noch auf Rang vier und in die Champions League zu springen. Am Ende waren beide irgendwie traurig, aber vor allem der BVB blickt auf ein mitreißendes Fußballjahr zurück.

          In der Schlussabrechnung gab es allerdings ein paar Punktverluste zu viel gegen eher kleine Klubs wie Düsseldorf oder Augsburg, vor allem in der Rückrunde sind dem jungen Team zu viele individuelle Fehler passiert. Und die herausragenden Einzelkönner wie Marco Reus, Jadon Sancho, Paco Alcácer oder Axel Witsel hatten ihre besten Phasen sämtlich in der ersten Saisonhälfte.

          Überraschungsmeister wie der VfB Stuttgart 2007 oder der VfL Wolfsburg 2009 haben Titel meist gewonnen, indem sie in der entscheidenden Phase der Saison Zugang zu einem magischen Tunnel fanden, plötzlich eine Stärke entwickelten, von Sieg zu Sieg eilten. Den Weg zum großen Coup hat der BVB verpasst, und dennoch dürfen die Mannschaft und ihr Trainer Favre sich für eine Erfolgssaison feiern lassen, die ja eigentlich als Umbruchjahr angelegt war.

          Und für das Gladbacher Spieljahr war dieser Schlussakt irgendwie typisch. Das Team von Dieter Hecking hat das Saisonziel erreicht, wird nach zwei Jahren ohne internationale Partien wieder im Europapokal dabei sein, an keinem Spieltag stand der Klub schlechter als Rang sechs. Aber weite Strecken der Rückrunde fühlten sich unbefriedigend an. Es wird noch eine Weile dauern, bis sie sich wirklich freuen können über diesen Erfolg.

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