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Eintracht Frankfurt : Noch ein Treueschwur für Thomas Schaaf

Jetzt aber ab in die Sommerpause: Trainer Schaaf und Spieler Chandler (rechts) Bild: AFP

Mit einem 2:1-Sieg über Leverkusen glückt der Eintracht die Schlusspointe in dieser Bundesliga-Saison. Nach dem Spiel geht es wieder einmal um Trainer Thomas Schaaf und seine Zukunft in Frankfurt.

          3 Min.

          Das war’s: Der Frankfurter Eintracht ist zum Ende einer wechselhaften Saison die Schlusspointe geglückt. Durch das 2:1 gegen Leverkusen in der finalen Heimpartie verbesserten sich die Frankfurter in der Tabelle noch auf den neunten Platz. Thomas Schaaf, der Trainer, nannte das Abschneiden „eindrucksvoll“. Die Mannschaft hatte sich vor dem Anpfiff für die Unterstützung ihrer Anhänger mit einem selbstgemalten Plakat bedankt.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Applaus verdiente sie sich danach für eine beherzte Vorstellung, in der sie sich von einer wesentlich besseren Seite zeigte als vor Wochenfrist beim trostlosen torlosen Remis in Berlin. Wenn Schaafs Leute – besonders in der Fremde – immer so engagiert aufgetreten wären wie am Samstag, an dessen Ende Alexander Meier auf dem Rasen als bester Goalgetter der Bundesliga ausgezeichnet und bejubelt wurde, hätten sie in dieser Runde erheblich mehr erreichen können.

          Haris Seferovic (4. Minute) und Alexander Madlung (39.) schossen den Sieg heraus, Bayer glich nur vorübergehend durch Karim Bellarabi (6.) aus, während Stefan Reinartz, der im Juli aus Leverkusen an den Main wechseln wird, an seinem künftigen Teamkollegen Kevin Trapp scheiterte, der den Schuss sehenswert parierte (63.). So hielt die Glückssträhne der Eintracht im Stadion im Stadtwald, in dem sie aus den elf zurückliegenden Auftritten ungeschlagen hervorging.

          32 ihrer 43 Punkte sammelten die Frankfurter vor eigenem Publikum – derart heimstark waren sie zuletzt vor zwei Jahrzehnten. „Wir wissen um die Fehler, die passiert sind, gerade auswärts. Wir haben aber auch viel geboten in dieser Arena“, fasste Schaaf sein Premierenjahr bei der Eintracht zusammen und zog sich in die Kabine zurück, aus der ihm Assistent Matthias Hönerbach mit einem Glas Bier entgegenkam.

          Torschützen unter sich: Madlung (links) und Seferovic treffen für die Eintracht Bilderstrecke
          Torschützen unter sich: Madlung (links) und Seferovic treffen für die Eintracht :

          War’s das? Der offiziellen Lesart zufolge ist die Eintracht mit dem Abschneiden restlos einverstanden. Darauf hat Heribert Bruchhagen kraft seines Amtes zuletzt wiederholt hingewiesen, auch am Samstag tat er es gleich mehrmals. Der Vorstandsvorsitzende lässt momentan keine Gelegenheit ungenutzt, um seine Zufriedenheit kundzutun – und Schaaf seiner Solidarität zu versichern. Zunächst hatte es der Vereinsboss nicht für nötig befunden, sich für den Coach öffentlich einzusetzen.

          Aus Prinzip, wie er behauptete. „Ich habe mich noch nie hinter einen Trainer gestellt.“ Doch als er spürte, dass damit die öffentliche Debatte um seinen ersten Angestellten, der im Kader nicht nur Fürsprecher besitzt, nicht abebben würde, dachte er zum Kehraus gegen Leverkusen um. Es folgte ein amtlicher Treueschwur: Schaaf bleibt in der kommenden Saison Trainer der Eintracht, „auf jeden Fall“, wie Bruchhagen noch einmal betonte.

          Damit hat er, dem die Richtlinienkompetenz zusteht, vor der angekündigten Analyse der zurückliegenden Monate, mit der Vorstand und Sportliche Leitung bei einer Klausurtagung die Leistungsschwankungen aufarbeiten wollen, die Grenzen klar abgesteckt: Wer nun (intern) weiterhin die Ablösung Schaafs als Konsequenz in Erwägung ziehen sollte, muss sich im Klaren sein, dass er mit diesem Ansinnen bei Bruchhagen auf unerschütterlichen Widerstand stößt – und die Diskussion gegebenenfalls auf eine Machtprobe hinausläuft, die den Klub bis in sein Innerstes hinein erschüttern könnte.

          Aus den Reihen der Spieler sind zu dem Thema nur vereinzelt Kommentare zu erhalten. Marco Russ, der schon für den Trainer Partei ergriffen und dessen Kritiker im eigenen Haus als „kleine Spieler“ bezeichnet hatte, meinte lapidar: „Die Unruhe wurde nur von außen hereingetragen. Jetzt bin ich sicher, dass es damit aufhört.“

          Wichtiger war dem 29-Jährigen, sich für einen Nebenmann verbal ins Zeug zu legen: Alexander Madlung. Der Innenverteidiger, der keinen neuen Vertrag erhalten soll, müsse bleiben, verlangte Russ, „auf ihn ist Verlass, wann immer er gebraucht wird. Und er muckt nie auf, wenn er nicht spielt.“ Russ und Madlung verließen später gemeinsam die Katakomben und fuhren mit dem Aufzug in den VIP-Bereich – auf einen ersten Champagner. Danach stießen sie mit Freunden und Familie in einem Restaurant in der Innenstadt auf die getane Arbeit an. Auch Alexander Meier gönnte sich in dem Kreis ein Gläschen. Der Stürmer hatte um kurz vor halb sechs seinen großen Auftritt als „Torjäger des Jahres“: Der Zweiunddreißigjährige erzielte 19 Treffer – so viel wie kein anderer Bundesligaprofi in dieser Saison. Er ist nach Jörn Andersen (1989/1990) und Anthony Yeboah (1992/1993, 1993/1994) der dritte Profi der Eintracht, der sich die Torjägerkanone verdiente.

          Meier, der sich gerade von einer Knieoperation erholt und noch bis in den Herbst hinein ausfällt, verpasste die vergangenen sieben Spiele, und in den ersten bot Schaaf ihn nur als Ersatzkraft auf. Letztmals traf der „Lange“ am 14. März gegen Paderborn, und trotz allem wurde er von Bayern-Stürmer Robert Lewandowski (17) nicht mehr eingeholt. Bruchhagen bedankte sich mit brüchiger Stimme am Stadionmikrofon bei dem Routinier: „Eintracht Frankfurt ist stolz auf Alexander Meier!“ Das sahen auch die Fans so, die ihn minutenlang gebührend feierten. Einen besseren Anlass bot diese Saison nicht.

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