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Fußball-Transfermarkt : Dortmunds großer Nachteil im Poker um Haaland

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Für welchen Verein stürmt Erling Haaland in Zukunft? Bild: AFP

Erling Haaland ist ein riesiges Sturmtalent und wohl für einen unglaublich günstigen Preis zu haben. Auch Leipzig und Dortmund buhlen mit. Der BVB scheint gute Karten zu haben – wenn da nicht ein Problem wäre.

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          Wenn Erling Haaland an diesem Dienstagabend (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) keinen ganz wichtigen anderen Termin hat, dann wird er sich bestimmt das Duell von Borussia Dortmund gegen Rasenballsport Leipzig ansehen. Zwei Titelanwärter in sehr guter Form treffen zum Ende der Hinrunde zu einem aufregenden Topspiel aufeinander, aber für Haaland ist diese Begegnung noch aus einem ganz anderen Grund von Interesse. Der 19 Jahre alte Norweger, der derzeit noch bei RB Salzburg unter Vertrag steht, kann sich aussuchen, ob er von Januar an lieber für die Dortmunder oder für die Leipziger spielen möchte.

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          Oder doch für den FC Liverpool? Oder für Manchester United? Oder Juventus Turin? Haaland ist in der vergangenen Woche sowohl in Dortmund als auch in Leipzig vorbeigekommen, hat sich die Vereine erklären lassen, die Trainingseinrichtungen angesehen und die Menschen kennengelernt. „Ich habe mich bemüht, in sehr gutem Englisch ihm und dem Berater meine Idee vom Fußball darzulegen“, sagt der Leipziger Trainer Julian Nagelsmann zu seinen Eindrücken von dem Treffen mit dem Teenager. „Vom Gefühl her hatte ich ein ganz gutes Gespräch.“

          Anschließend soll Manchester Uniteds Trainer Ole Gunnar Solskjaer, ein Landsmann Haalands, der den Spieler schon bei Molde FK trainierte, nach Salzburg geflogen sein, um ebenfalls Interesse zu bekunden. Englische Medien berichteten bereits von einer Entscheidung des Talents für Manchester United. „Er hatte eine große Karriere in Salzburg und weiß jetzt, was er machen möchte“, wird Solskjaer auf dem Boulevard zitiert. Aber solche Nachrichten sind mit Vorsicht zu genießen. Die Sache entwickelt sich zu einem weihnachtlichen Transferkrimi, zu dem der BVB schweigt. „Der Spieler gehört RB Salzburg. Es ist eine Frage des Respekts, dass man nicht öffentlich über Spieler anderer Vereine spricht. Ich habe das auch nicht gerne“, sagt Sportdirektor Michael Zorc. Dass im Winter noch ein Stürmer verpflichtet werden soll, ist aber klar: „Da arbeiten wir dran. Wir haben noch ein bisschen Zeit.“

          Einen Torjäger mit besserem Preis-Leistungs-Verhältnis werden die Verantwortlichen beim Revierklub kaum finden. Nach unwidersprochenen Informationen vom Markt der Transfergerüchte kann Haaland seinen Klub in der Winterpause für festgeschriebene 20 Millionen Euro verlassen. Für einen Fußballer, der in 22 Spielen für die Salzburger 28 Tore geschossen hat, acht davon in sechs Gruppenspielen der Champions League, ist das ein unglaublich günstiger Preis. Für den BVB wäre Haaland exakt der große wuchtige Stürmer mit guter Technik und viel Spielverständnis, der im Kader fehlt.

          Die Argumente, die der Revierklub vortragen wird, sind klar: Regelmäßig entwickeln sich hier junge Spieler so weiter, dass sie nach ein, zwei Jahren reif sind für den Schritt zu einem der globalen Giganten. Außerdem gibt es mit dem verletzungsanfälligen Paco Alcácer nur einen Konkurrenten, Haaland müsste sich nicht gegen Stars wie Sadio Mané, Mohamed Salah (beide Liverpool), Marcus Rashford (Manchester), Cristiano Ronaldo oder Gonzalo Higuain (beide Turin) durchsetzen. In Leipzig hätte er mit Matheus Cunha, Timo Werner, Yussuf Poulsen und Patrick Schick gleich vier Konkurrenten. Für einen Wechsel nach England spricht allerdings, dass Haaland in Leeds geboren wurde, sein Vater Alf-Inge war von 1997 bis 2000 Profi bei United.

          Beim BVB arbeitet dafür mit Lucien Favre ein Trainer, der bekannt dafür ist, Talente durch seine berühmte Detailarbeit nachhaltig weiterzuentwickeln. Zudem haben die Dortmunder Geld und könnten Haaland nicht nur deshalb ein größeres Salär bieten als die Leipziger, ohne das eigene Gehaltsgefüge durcheinanderzubringen.

          Aus diesen Argumenten lässt sich vielleicht tatsächlich eine Tendenz zum BVB ableiten, wobei die Dortmunder einen großen Nachteil haben. Seitdem der FC Bayern ihnen 2013 Mario Götze für festgeschriebene 40 Millionen Euro wegkaufen konnte, gilt eine Regel des Dortmunder Geschäftsführers Hans-Joachim Watzke: „Es wird künftig bei Borussia Dortmund keine Ausstiegsklauseln mehr geben.“ Dieses Dogma kann in Fällen wie diesem zum Problem werden. Denn eine Ausstiegsklausel ist für einen angehenden Superstar, der günstig verpflichtet werden kann, ein gewichtiges Argument. Sie bedeutet Freiheit in der Zukunftsplanung, und die bekommt er womöglich doch anderswo.

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