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Wechsel zum FC Bayern offiziell : Leroy Sané, Höllentempo und Weltniveau

Leroy Sané spielt in Zukunft für den FC Bayern München. Bild: dpa

So lange zog sich selten ein Wechsel hin. Nun unterschreibt Nationalspieler Leroy Sané aber einen Vertrag in München. Der Deal zeigt: Der FC Bayern tritt auf dem Fußballmarkt aus einer Position der Stärke auf – trotz und vielleicht sogar dank Corona.

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          Pep Guardiola traf viele gute Entscheidungen für den FC Bayern. Die vielleicht beste davon aber, als er gar nicht mehr Bayern-Trainer war. Und natürlich auch nicht freiwillig. Als am 4. August 2019 die Nummer 19 auf dem Aufstellungsbogen von Manchester City für das Spiel um den Community Shield, den englischen Supercup, auftauchte, überraschte das viele, auch beim FC Bayern, wo man sich mit dem Träger dieser Nummer, Leroy Sané, bereits handelseinig war und nur noch über die Ablöse mit dem englischen Meister verhandelte. Dass Guardiola Sané aufstellte, die in solchen Fällen übliche Vorsicht demonstrativ ignorierend, steht nun als eine der kostspieligsten Trainerentscheidungen der Fußballgeschichte fest. Nach 13 Minuten riss Sanés Kreuzband, platzte Sanés Wechsel und kollabierte Sanés Marktwert.

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          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Nun ist der Transfer offiziell, wie der FC Bayern am Freitagmorgen bekanntgab. Und der Spieler, der vor einem Jahr beinahe der erste Hundert-Millionen-Euro-Mann des deutschen Fußballs geworden wäre, wechselt wohl für rund die Hälfte dieser Summe von Manchester nach München. Unterm Strich hat Guardiola seinen Klub demnach fünfzig Millionen Euro gekostet. Immerhin trifft es keine Armen: die Herren von Abu Dhabi. Aber natürlich gehört auch der Nutznießer dieser Geschichte nicht zu den Notleidenden der Fußballbranche. Dafür, dass sie ihren Wunschspieler erst ein Jahr später bekommen, ein Jahr, in dem sie auch ohne ihn die Meisterschaft gewannen und das Double oder gar Triple noch vollenden können, haben die Bayern durch halbierte Transfersumme und eingespartes Gehalt an die siebzig Millionen Euro gespart.

          Bayern als Schatten-Nationalteam?

          Spätestens als Sané am Mittwochabend um kurz vor acht in einem Privatjet auf dem Flugplatz Oberpfaffenhofen westlich von München landete und in ein Fahrzeug des Rekordmeisters stieg, war klar, dass dem Transfer weit mehr als ein Jahr nach Beginn der ersten Verhandlungen nun nichts mehr im Wege stehen sollte – auch kein Einsatz durch Guardiola mehr. Die elf Minuten, die der Trainer den nach fast elf Monaten ins Team Zurückgekehrten vergangene Woche beim 5:0 gegen Burnley mitspielen ließ, dürften die letzten im Trikot von Manchester City gewesen sein.

          Am Donnerstagvormittag wurde Sané nach den bereits am Abend begonnenen, am Morgen in einer Münchner Klinik fortgesetzten medizinischen Untersuchungen, dem üblichen letzten Prozedere vor der Vertragsunterzeichnung, in einem roten Elektro-SUV zur Säbener Straße chauffiert. Ein Jahr nach dem Ende des legendären Duos Robben und Ribéry soll mit ihm die Qualität auf den Flügeln, wo bereits Serge Gnabry und Kingsley Coman ein Höllentempo machen, endgültig wieder Weltniveau erreichen. Zugleich verdeutlicht sich immer mehr die Zielsetzung, die Bayern zu einer Art Schatten-Nationalteam zu machen, in dem das Rückgrat der deutschen Auswahl versammelt ist. Spieler wie Kimmich, Süle, Gnabry, Goretzka, die Elite der Mittzwanziger für goldene Zwanziger Jahre – mit der passenden Ergänzung durch den 24-jährigen Sané und, als möglichen Königstransfer, den 21-jährigen Kai Havertz.

          Dabei zeigt der Sané-Deal, dass die Bayern trotz und vielleicht sogar dank Corona aus einer Position der Stärke auftreten. Ihre Marktposition hat sich in der Krise noch verbessert, nicht nur gegenüber der heimischen Konkurrenz, die an derartige Käufe in diesem bis in den Oktober hinein gestreckten Transfersommer kaum denken kann. Sondern auch gegenüber einem Klub wie Manchester City, der durch die tiefen Taschen seiner Öl-Förderer früher im Geld schwamm, nun aber durch drohenden Champions-League-Ausschluss wegen grober Verstöße gegen Financial Fairplay unter Verkaufsdruck geraten ist. Den Jungstar noch ein Jahr zu halten und dann, nach Vertragsablauf, ablösefrei gehen zu lassen, konnte sich City nicht leisten.

          Halber Preis und doch kein Schnäppchen

          So halbierte sich der Preis für Sané, der dennoch beileibe kein Schnäppchen ist. Der Abschlag spiegelt auch Restzweifel wider, ob der Nationalspieler, der in München für fünf Jahre bis Sommer 2025 unterschrieben hat, tatsächlich das Zeug zu dem Weltstar hat, als der er sich in Auftritt und Gehaltsvorstellungen gern bereits präsentiert. Nach zweieinhalb guten Spielzeiten bei City war der Sohn des früheren Fußballprofis Souleymane Sané und der einst besten deutschen Sportgymnastin Regina Weber schon vor der Knieverletzung bei Guardiola zunehmend ins Abseits geraten. Ob er nach anderthalb mehr oder minder verlorenen Jahren die Bayern dauerhaft verstärken kann, muss er erst beweisen.

          Übrigens hätten die Bayern, die sich nun freuen dürfen, die Hälfte der vor einem Jahr zu zahlenden hundert Millionen Euro als Rabatt zu bekommen, sich die andere Hälfte auch noch sparen können. Als 16-jährigen Schalker Nachwuchsspieler hätte man Sané schon 2013 kostenfrei haben können. Und wollte nicht. Aber selbst beim ewigen Meister kann man ja nicht immer alles richtig machen – nicht mal in einem Jahr, in dem man das Triple gewinnt.

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