https://www.faz.net/-gtm-a2aqm

SV Darmstadt 98 : Dursun und eine Frage des Angebots

  • -Aktualisiert am

Wo schießt Serdar Dursun in Zukunft seine Tore? Bild: dpa

Serdar Dursun ist der Torgarant der „Lilien“. Der Stürmer von Darmstadt 98 schielt nun nach oben – wohl in die Bundesliga oder in die türkische Süper Lig. Doch sein Verein hat trotz Corona eine genaue Preisvorstellung.

          3 Min.

          Etwas Besseres hätte Serdar Dursun kaum passieren können. Der beste Darmstädter Torschütze der abgelaufenen Zweitliga-Spielzeit steigerte sich in der zweiten Saisonhälfte deutlich: Mit elf Treffern war der Angreifer der torgefährlichste Profi der Rückrunde in seiner Spielklasse. In der Gesamtwertung kam der 28-Jährige auf 16 Tore in 34 Spielen, was ihn auf Rang vier und damit auf einen exponierten Platz in der Liga-Torschützenliste brachte. Der Darmstädter Torgarant der vergangenen beiden Jahre – in 71 Pflichtspielen erzielte Dursun wettbewerbsübergreifend 30 Tore und schaffte zudem 13 Vorlagen – machte sich so noch interessanter auf dem Stürmermarkt für ambitionierte Vereine. Statistisch war es die beste Runde in seiner Profikarriere.

          2. Bundesliga

          Der gebürtige Hamburger Dursun ist aktuell das sportlich wertvollste Handelsobjekt bei den „Lilien“. Nicht, dass der SVD sein Faustpfand in der Offensive gerne loswerden würde. Aber nach den Gesetzmäßigkeiten der Branche muss bei ihm etwas passieren – so oder so. Der Dreijahresvertrag von Dursun läuft bis einschließlich 30. Juni 2021. Nun bleiben den Südhessen im Prinzip zwei Möglichkeiten: Entweder sie verlängern den Vertrag mit dem Angreifer vorzeitig. Ob Dursun ein Angebot zur Verlängerung der gemeinsamen Zusammenarbeit vorliegt, dazu wollte sich Sportchef Carsten Wehlmann nicht äußern. Oder die „Lilien“ verkaufen in der aktuellen Transferperiode, die diesmal bis zum 5. Oktober geht, ihren Paradestürmer für einen unteren siebenstelligen Betrag. Dursun im Sommer kommenden Jahres ablösefrei ziehen lassen zu müssen, kann wirtschaftlich nicht im Darmstädter Interesse sein.

          In der öffentlichen Wahrnehmung forciert Dursun den Vereinswechsel nicht. Aber seinen Aussagen ist zwischen den Zeilen zu entnehmen, dass er nichts dagegen hätte, sich im besten Stürmeralter nach oben zu orientieren. Ein finanziell sehr lukratives Angebot über drei Jahre aus China konnte ihn jedoch nicht reizen. Die sportlichen Aussichten sind Dursun eigenem Bekunden nach in seiner jetzigen Karrieresituation wichtiger. Deshalb wären die Bundesliga und wohl auch die Süper Lig in der Türkei seine bevorzugten Arbeitsbereiche. Mit Galatasaray Istanbul und Besiktas Istanbul ist der robuste und zweikampfstarke Stürmer, dessen Ziel es ist, mit der Türkei im kommenden Jahr an der EM teilzunehmen, bereits in Verbindung gebracht worden. Aus Deutschland ist jetzt Union Berlin in den Kandidatenkreis aufgenommen worden.

          Dass er diesen Klub mit seinem besonderen Umfeld sehr schätzt, hat Dursun bereits mitgeteilt, ohne ansonsten ins Detail zu gehen. Nur das er an der Alten Försterei immer getroffen habe, fügte er mit einem Grinsen hinzu. Für Hannover 96 hingegen wird Dursun dem Anschein nach nicht auf Torejagd gehen. Die Niedersachsen ließen verlauten, dass sich die Beteiligten wirtschaftlich nicht über einen Wechsel einigen konnten. Zu einem Schnäppchenpreis wollen die Darmstädter ihren Toptorjäger in Zeiten der Corona-Pandemie nicht abgeben. Zwischen einer und zwei Millionen Euro, so ist zu hören, soll der Verkaufspreis liegen, den sich der SVD im Fall der Fälle vorstellt.

          Würde der Angreifer die „Lilien“ in den kommenden Wochen verlassen, würden diese versuchen, auf dem Transfermarkt einen gleichwertigen Ersatz zu bekommen. Die Verpflichtung des Mainzer Angreifers Aaron Seydel, der beim 5:1-Testspielsieg gegen den Hessenligaverein Viktoria Griesheim einmal traf, erfolgte nicht im Vorgriff auf einen möglichen Abgang von Dursun. „Die Jungs haben vieles vernünftig umgesetzt und sich viele Chancen erspielt“, sagte der neue Trainer Markus Anfang nach der ersten Begegnung unter seiner Anleitung. „Ich hätte mir ein paar mehr Tore gewünscht.“ Mit von der Partie war auch der 20 Jahre alte Defensivakteur und Noch-Gastspieler Adrian Stanilewicz, der ablösefrei von Bayer Leverkusen nach Darmstadt gewechselt ist.

          Nun hat sich mit Nicolai Rapp auch ein alter Bekannter wieder den „Lilien“ angeschlossen. Der SVD lieh den 23 Jahre alten Abwehrspieler für eine weitere Spielzeit von Union Berlin aus. Das sei „immer mein Wunsch“ gewesen, sagte er. „Die Verantwortlichen haben sich über die gesamte Zeit hinweg stark um mich bemüht und mir gezeigt, dass sie mich unbedingt für die kommende Saison an Bord haben wollen.“ Eine Eingewöhnungszeit wird er an seinem neuen, alten Arbeitsplatz nicht brauchen, denn: „Vom ersten Tag an“ habe sich Rapp in der Vorsaison „voll im Team integriert und zudem konstant gute Leistungen abgeliefert“, freut sich Wehlmann über die Rückkehr des Verteidigungsspezialisten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Corona-Pandemie : Trump vor UN: China zur Rechenschaft ziehen

          Amerikas Präsident wirft Peking zum Auftakt der UN-Generaldebatte vor, die Welt über das Coronavirus getäuscht zu haben. Chinas Staatschef weist das zurück und verlangt Mäßigung, während Putin den russischen Impfstoff bewirbt.
          Das Brechen der Hostie

          Ökumenischer Kirchentag : Rom auf Konfrontationskurs mit deutschen Katholiken

          Auf dem ökumenischen Kirchentag in Frankfurt sollten Katholiken und Protestanten erstmals an Abendmahl und Eucharistie der jeweils anderen Kirche teilnehmen dürfen. Doch nun kommt Widerstand aus Rom.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.