https://www.faz.net/-gtm-b99

Trainer Wollitz im Gespräch : „Zweite Liga hat Schmuddelimage abgelegt“

  • Aktualisiert am

„Pele” Wollitz: „Nur um zerstören und verteidigen zu lassen, möchte ich kein Trainer sein” Bild: picture alliance / dpa

Er spielte bei Schalke, Leverkusen, Wolfsburg und Kaiserslautern. Er stieg als Trainer mit Osnabrück auf und ab. Seit 2009 betreut er Energie Cottbus. Claus-Dieter Wollitz im F.A.Z.-Interview über die Entwicklung der zweiten Liga und den Anspruch der Trainer.

          3 Min.

          „Pele“ Wollitz spielte als Profi unter anderem bei Schalke, Leverkusen, Wolfsburg und Kaiserslautern. Als Trainer stieg er mit Osnabrück in die zweite Liga auf - und ab. Seit 2009 trainiert der 45 Jahre alte Wollitz Energie Cottbus.

          Die eingleisige Zweite Fußball-Bundesliga geht in ihre 30. Saison. Sie haben als Spieler und Trainer seit 1989 weite Wegstrecken begleitet. Welche Erinnerungen haben Sie noch an Ihre Anfangszeit?

          Ich erinnere mich an – Schmerzen. Glauben Sie mir, es tut sehr oft sehr weh, wenn Ihnen ständig einer hinterherläuft und in die Beine geht. Das geflügelte Wort vom knochenharten Gegenspieler, der dir bis auf die Toilette folgt, hatte damals absolut seine Berechtigung.

          Trainer Wollitz im Kreise seiner Spieler: „Ich will gestalten, spielen lassen”
          Trainer Wollitz im Kreise seiner Spieler: „Ich will gestalten, spielen lassen” : Bild: dapd

          Sie waren ein technisch versierter, filigraner Spieler. Waren Sie nicht ein Fremdling in dieser zweiten Liga?

          In gewisser Weise: ja. Weil die Liga lange Jahre vor allem ein taktisches Mittel kannte: zerstören. Das war für mich nicht nur schwer, das war oft richtig furchtbar. Und damals wollten die Trainer gar nicht, dass du mitdenkst als Spieler, du solltest nur funktionieren.

          Dann wurden Sie 2004 selbst Trainer in der zweiten Liga . . .

          . . . und habe mir geschworen: Nur um zerstören und verteidigen zu lassen, möchte ich kein Trainer sein. Ich will gestalten, spielen lassen. Ich weiß noch, wie dankbar die meisten meiner Spieler damals in Osnabrück waren. Die wurden plötzlich geistig gefordert, hatten Spaß. Spaß war in der zweiten Liga nicht sehr verbreitet. Das war nur Arbeit. Knochenarbeit.

          Auch heute gibt es noch Trainer und Manager, die behaupten, in der zweiten Liga könne nur der bestehen, der den Kampf annimmt.

          Das ist typisch für das Schubladendenken in Deutschland. Die Liga ist abgestempelt. Im Grunde ist das eine Beleidigung, denn die Realität sieht anders aus. Die Liga ist längst keine Klopperliga mehr, hat das Schmuddelimage abgelegt. Es gibt immer mehr Mannschaften, die nicht nur kämpfen, sondern auch Konzeptfußball spielen.

          Wie Ihre Mannschaft, der FC Energie Cottbus ...

          Ich sage es mal so: Wir haben schon den Anspruch zu zeigen, wie schön Zweitligafußball sein kann. Vergangene Saison ist uns das schon ganz gut gelungen. Ja, wir haben den Zweitligafußball ein Stück weit mit verändert.

          Sie haben im DFB-Pokal in Freiburg, Wolfsburg und Hoffenheim gleich drei Erstligaklubs besiegt, auf spielerisch beeindruckende Weise das Halbfinale erreicht. Sind solche Auftritte ein Indiz dafür, dass es in der zweiten Liga in Wahrheit viele verkappte Erstligaklubs gibt?

          Cottbus zählt nicht dazu. Auch wenn wir schon zweimal in der Bundesliga gespielt haben, so geht es doch für uns vor allem darum, den Profifußball zu sichern. Wir können an unserem Standort nicht den Anspruch haben aufzusteigen. Aber wir können trotzdem als ein solider, strukturierter und gut organisierter Zweitligist mit Bundesligisten mithalten – wenn wir einen Plan haben.

          Verraten Sie ihn uns?

          Weitere Themen

          IOC leitet Untersuchung ein Video-Seite öffnen

          „Fall Timanowskaja" : IOC leitet Untersuchung ein

          Im Fall der belarussischen Leichtathletin Kristina Timanowskaja leitet das IOC eine offizielle Untersuchung gegen den nationalen Verband aus Belarus ein. Timanowskaja gibt an, sie hätte von ihrem Verband zur Rückkehr nach Minsk gezwungen werden sollen, nachdem sie Kritik an Funktionären geübt habe. Auf dem Tokioter Flughafen habe sie sich dann an die Polizei gewandt.

          Topmeldungen

          Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU)

          Einschränkungen für Ungeimpfte : Spahn plant Maskenpflicht bis 2022

          Das Bundesgesundheitsministerium will den Druck auf Impfmuffel erhöhen: Gratistests sollen im Herbst entfallen und für Ungeimpfte könnten „erneut weitergehende Einschränkungen notwendig werden“.
          Im Flutgebiet: Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen

          Flutkatastrophe : Die Politik muss in den Flutgebieten rasch handeln

          Wenn die Politik nicht entschlossen handelt, kann der Bedrohung der Menschen in den Flutgebieten eine Bedrohung des Vertrauens in das politische System folgen. Ratlos wirkende Kanzlerkandidaten sind in dieser Situation keine Hilfe.
          Eine Covid-19-Teststation in der chinesischen Stadt Zhengzhou

          Corona-Ausbruch in China : Die Thermometer sind zurück

          Peking hatte die seit langem niedrigen Corona-Zahlen mit einer „Überlegenheit des chinesischen Systems“ erklärt. Doch nun gibt es so viele Neuinfektionen wie seit April 2020 nicht mehr. Die Behörden greifen zu drastischen Mitteln.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.