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Glasner wird Eintracht-Trainer : Mit Perfektion und Liebe zum Detail

  • -Aktualisiert am

Oliver Glasner verlässt den VfL Wolfsburg und wird neuer Trainer bei Eintracht Frankfurt. Bild: AFP

Der Nachfolger für Adi Hütter ist gefunden: Der österreichische Landsmann Oliver Glasner ist neuer Trainer von Eintracht Frankfurt. Er kommt vom VfL Wolfsburg, den er in die Champions League führte.

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          Und plötzlich ging alles sehr schnell. Vier Tage nach dem Saisonende und sechs Tage vor dem offiziellen Arbeitsbeginn des neuen Sportvorstands Markus Krösche hat die Frankfurter Eintracht den Namen ihres neuen Trainers bekanntgegeben. Ein Österreicher folgt einem Österreicher: Oliver Glasner, bis Dienstag beim VfL Wolfsburg unter Vertrag, löst Adi Hütter als Cheftrainer am Main ab.

          Bundesliga
          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Der gebürtige Salzburger hat an diesem Mittwoch einen Kontrakt bis einschließlich 30. Juni 2024 unterschrieben. Da Glasners bis 1. Juli 2022 gültige Vereinbarung mit Wolfsburg aufgelöst werden musste, um bei der Eintracht anheuern zu können, wurde ein Ablösesumme fällig. Über die Höhe vereinbarten beide Klubs Stillschweigen. Sie wird aber nur ein Bruchteil der 7,5 Millionen Euro betragen, die die Eintracht von Borussia Mönchengladbach für die Freigabe Hütters erhielt, da auch Wolfsburg nicht mehr an einer Weiterbeschäftigung seines Trainers interessiert war.

          Nach einem vor Monaten öffentlich gewordenen Streit zwischen Glasner und Sport-Geschäftsführer Jörg Schmadtke war das Verhältnis zwischen den beiden leitenden Angestellten zerrüttet und konnte nicht mehr repariert werden. So wurde Glasner für die Eintracht erschwinglich, nachdem bei der ersten Kontaktaufnahme hohe Ablöseforderungen im Raum gestanden hatten.

          „In der Lage, auf Topniveau zu arbeiten“

          Trotz des Spannungsverhältnisses mit seinem Vorgesetzten behielt der Trainer die Mannschaft im Griff und führte sie als Vierter der Bundesliga-Schlusstabelle in die Champions League. Sein erstes Jahr in Niedersachsen hatte Glasner auf Platz sieben beendet. „Oliver Glasner hat in den vergangenen zwei Jahren beim VfL Wolfsburg bewiesen, dass er in der Lage ist, auf absolutem Topniveau zu arbeiten und junge Spieler weiterzuentwickeln“, kommentierte Axel Hellmann, Vorstandssprecher der Eintracht Frankfurt Fußball AG, in einer Pressemitteilung die Verpflichtung des Österreichers: „In unserer Situation mit einer hohen Personalfluktuation rund um die Mannschaft haben wir bewusst auf einen Trainer mit Erfahrungen aus der Bundesliga und dem internationalen Wettbewerb gesetzt. Zudem sind wir schnell zu der Erkenntnis gekommen, dass Oliver Glasner mit seiner Spielphilosophie bestens zu unserer Mannschaft passt. Wir sind überzeugt davon, dass er seinen in Wolfsburg eingeschlagenen, sehr erfolgreichen Weg auch in Frankfurt fortsetzen wird.“

          Glasners internationale Erfahrung besteht aus zehn Europa-League-Begegnungen mit dem VfL Wolfsburg. In der Saison 2019/20 war im Achtelfinale gegen Schachtar Donezk Endstation. Dazu kommen noch sieben Qualifikationsspiele für die Gruppenphase der Europa League, drei mit Wolfsburg, vier mit dem Linzer ASK. Jeweils scheiterte er beim Versuch, in die Gruppenphase vorzudringen. Ansonsten beschränkt sich seine Internationalität (aus deutscher Sicht) auf seine alpenrepublikanische Heimat, wo er den SV Ried und den Linzer ASK in knapp 200 Pflichtspielen verantwortlich betreute. Die Linzer führte er von der zweiten Liga bis in die Europa-League-Qualifikation.

          Schon als Spieler war er diesen beiden Klubs eng verbunden gewesen. Wie Kollege Adi Hütter spielte er als Profi nie im Ausland, zwangsläufig liefen sie sich auf den heimatlichen Spielfeldern häufig über den Weg. Beide begannen ihre Trainerkarrieren (zu unterschiedlichen Zeitpunkten) bei RB Salzburg, verinnerlichten dort die Grundzüge des modernen Umschaltspiels, emanzipierten sich aber dann ein Stück weit davon. Wie Hütter steht Glasner nicht für ein bestimmtes System in Reinkultur. Die Spielformen mischen sich auf dem Weg, ein Match an sich zu reißen. Und der Weg geht über das Athletische, Körperliche, Läuferische. Wolfsburg und Frankfurt teilten sich in den vergangenen beiden Spielzeiten den Ruf, die physisch beste, aggressivste Mannschaft der Bundesliga zu sein.

          Auch in ihrem Auftreten an der Seitenlinie sind sich die beiden ähnlich – meist ruhig, kontrolliert, aber das Brodeln in ihnen ist zu spüren. Glasner beschrieb sich in einem Interview einmal so: „In mir steckt sehr viel Perfektionismus, wenn nicht sogar zu viel. Ich lege sehr viel Wert auf Details. Da kann es sein, dass ich Spieler überfordere, aber ich verlange, dass alle Spieler im Training ihr Bestes geben.“

          Über seine neue Herausforderung sagt er: „Eintracht Frankfurt ist ein spannender Klub und hat in den vergangenen Jahren eine tolle Entwicklung genommen. Die Emotionalität in der Stadt und der Region rund um die Eintracht ist großartig und nicht zuletzt nach den großartigen Auftritten in der Europa League in den vergangenen Jahren international bekannt. Wir sehen in Frankfurt die Möglichkeit, eine Mannschaft auf einem starken Niveau weiterzuentwickeln, und freuen uns sehr auf diese tolle Herausforderung.“

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