https://www.faz.net/-gtm-91u7k

Friedhelm Funkel : „Seid ihr eigentlich bekloppt?“

Der Älteste: Friedhelm Funkel Bild: dpa

Auch er war einmal der Jüngste seiner Zunft: Trainer-Oldie Friedhelm Funkel über seine jungen Kollegen, seinen Aufstiegsrekord und warum er keinen Matchplan hat.

          6 Min.

          Haben Sie schon einmal von der Generation Y gehört?

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Was habe ich? Nee, was ist das?

          Dazu zählen diese jungen Typen wie Julian Nagelsmann (1899 Hoffenheim), Domenico Tedesco (Schalke 04) und Hannes Wolff (VfB Stuttgart), geboren in den 1980er Jahren, gut ausgebildet, wissbegierig, die nun als Trainer die Bundesliga erobern.

          Das war ja früher nicht anders, das ist nur nicht so aufmerksam verfolgt worden. Ich war auch mal der jüngste Trainer in der Bundesliga, ich war 38, als ich 1991 in Uerdingen begonnen habe. Nur hat das damals kaum einer wahrgenommen, wir standen nicht so sehr im Fokus wie die Trainer heute.

          Sie haben letzte Saison gegen Tedesco und Wolff in der zweiten Liga gespielt. Macht das einen Unterschied, wenn so ein junger Trainer als Gegner kommt?

          Für mich macht das keinen Unterschied, für die Jungs macht das einen Unterschied. Die kommen auf mich zu und siezen mich. Das Erste, was ich dann sage, ist: Seid ihr eigentlich bekloppt? Wir sind Trainerkollegen, ihr könnt mich auch duzen. Da waren die erst mal überrascht. Aber danach haben die das dann super umgesetzt.

          Warum drängen heute so viele junge Trainer so schnell nach oben?

          Durch die Jugendleistungszentren in den Vereinen gibt es inzwischen viel bessere Möglichkeiten. Die Spieler trainieren in der U 17 und in der U 19 wie Vollprofis. Früher hast du mit der Fortuna in der A-Jugend gegen Lintorf, gegen Gerresheim, gegen Turu Düsseldorf gespielt – da warst du immer klar überlegen, wurdest nie gefordert. Heute geht es in der Jugend-Bundesliga gegen Dortmund, Schalke oder Mönchengladbach, davon profitieren auch die Trainer, weil sie viel bessere Mannschaften haben, viel bessere Einzelspieler. So haben auch Nagelsmann, Tedesco und Wolff gelernt. Aber die Nagelprobe steht erst noch aus. Wie lange bleiben diese Trainer im Geschäft? Hannes Wolff hat gerade einmal 30 Spiele gemacht im bezahlten Fußball. Nagelsmann hat auch nicht viel mehr, Tedesco kommt auf knapp 25 Spiele. All das ist nicht mehr als ein Anfang. Die Euphorie über diese jungen Trainer setzt für mich viel zu früh ein. 

          Sie verstehen den Hype also nicht?

          Nein, überhaupt nicht. Sie leisten im Moment gute Arbeit, aber das bedeutet nicht, dass sie sich langfristig in der Bundesliga behaupten werden. So etwas zeigt sich erst nach acht bis zehn Jahren.

          „Einen Matchplan? Nein! Aber ich habe einen Plan“
          „Einen Matchplan? Nein! Aber ich habe einen Plan“ : Bild: dpa

          Sie sind seit mehr als 26 Jahren im Geschäft? Wie hat sich der Beruf in dieser Zeit verändert?

          Das hat sich alles massiv verändert. Wenn ich an 1991 denke, da standen auf dem Trainingsplatz: Armin Reutershahn und ich, zwei Mann. Mehr hatten wir nicht in Uerdingen. Kein Fitnesstrainer, kein Rehatrainer, kein Konditionstrainer, wir hatten gar nichts. Wir mussten auch die Torleute trainieren, das ist ja heute unvorstellbar. Wir haben denen einfach die Bälle auf die Kiste geknallt, wir wussten ja gar nicht, was wir besser hätten machen sollen. Armin und ich waren Feldspieler. So haben wir angefangen. In Duisburg, fünf Jahre später, habe ich Fred Bockholt dazugeholt, einen ehemaligen Torhüter. Der kam zweimal in der Woche und hat das Torwarttraining gemacht, der war eigentlich als Sportlehrer an einer Schule angestellt. Aber für uns war das schon ein kleiner Fortschritt. Heute gibt es für jeden Bereich Fachleute mit einer wissenschaftlichen Ausbildung.

          Gefällt Ihnen das?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kanzlerkandidatin Baerbock : Grünes Meisterstück

          Mit der geräuschlosen Kür von Annalena Baerbock zur ersten Kanzlerkandidatin der Grünen hat die Parteiführung ihr Meisterstück abgeliefert. So viel Harmonie war nie – aber auch noch nie so viel Wille zur Macht.
          Drei Mitarbeiter des Ordnungsamts stehen auf dem Bahnhofsvorplatz in Hagen, wo bereits eine Ausgangssperre gilt.

          Corona-Liveblog : Ausgangssperre soll erst um 22 Uhr beginnen

          Schulschließungen ab Inzidenz von 165 +++ China testet Impfstoff-Kombination +++ Politiker wollen öfter Schulunterricht draußen abhalten +++ Alle Entwicklungen im Liveblog.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.