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Mark van Bommel in Wolfsburg : Lieber etwas schriller

  • -Aktualisiert am

Mark van Bommel ist der neue Name in Wolfsburg Bild: EPA

Beim VfL Wolfsburg haben sie den Schalter für die Aufmerksamkeitsmaschine gefunden. Der neue Trainer Mark van Bommel bringt Schlagzeilen. Aber bringt er auch Punkte?

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          Diese Personalie wird immer noch bundesweit bestaunt. Mit der Entscheidung, dem abwanderungswilligen Oliver Glaser den hoch motivierten Mark van Bommel folgen zu lassen, hat sich der VfL Wolfsburg innerhalb kürzester Zeit Schlagzeilen in Serie gesichert. Einen erfahrenen Profi mit großem Namen als neuen Cheftrainer verpflichtet zu haben, das klingt ja erst einmal wunderbar.

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          Denn der Standort Wolfsburg muss immer ein wenig besser und lauter sein als andere, um überhaupt von der breiten Fußball-Öffentlichkeit in Deutschland wahrgenommen zu werden. „Wenn es bei uns insgesamt ein bisschen bunter und schriller wird als bisher, kann das nicht schaden“, sagt Jörg Schmadtke, der Geschäftsführer der VfL Wolfsburg Fußball GmbH.

          Der Umbruch in Wolfsburg wirkt angesichts des großen Erfolges auf den ersten Blick allerdings eher unlogisch. Mit Glasner in die Champions League gestürmt zu sein, das kommt schließlich einem der größten Erfolge in der Vereinsgeschichte der Niedersachsen gleich. Doch der zu Eintracht Frankfurt gewechselte Österreicher mochte den Lorbeer seiner eigenen Arbeit nicht mehr ernten und die konfliktbeladene Zusammenarbeit mit Schmadtke nicht mehr fortsetzen.

          Aggressiver Defensivspieler und Abräumer

          Ein entsetzter Aufschrei war aber deshalb in Wolfsburg in den vergangenen Tagen nicht zu hören. Es regiert bereits wieder die Vorfreude auf das Neue. „Den Zeitpunkt für einen Umbruch kann man sich im Profifußball nicht immer aussuchen“, erklärt Schmadtke. Er bleibt gelassen angesichts der Tatsache, dass Experimente auf dem Weg in die Champions League besonders kritisch beäugt werden. „Man sollte seine Entscheidungen“, findet der Vordenker in Wolfsburg, „nicht von Ergebnissen, sondern vom Grundsätzlichen abhängig machen.“

          Dem neuen Cheftrainer in Wolfsburg eilt ein Ruf voraus, der vor allem durch dessen Vita als Spieler bestimmt wird. Van Bommel hat sich bekanntlich während seiner Zeit bei der PSV Eindhoven und FC Bayern München als aggressiver Defensivspieler und Abräumer einen internationalen Namen gemacht. Er gilt als extrem ehrgeizig bis bissig. Das ist eine Eigenschaft, die vor allem bei den „Wölfen“ in Wolfsburg gut zu dem passt, was die runderneuerte Vereinsphilosophie besagt.

          Der VfL möchte unter der Regie von Schmadtke nicht mit Gewalt und dank teurer Transfers stattfinden, sondern einen anderen Weg gehen. Gemeinsam mit Sportdirektor Marcel Schäfer und dem neuen Trainerteam um van Bommel soll es gelingen, entwicklungswillige Spieler noch besser zu machen. Das klingt nach einem vorbildlichen Ansatz, bleibt aber auch geschrumpften Budgets geschuldet. In jedem Fall trauen Schmadtke und Schäfer dem zuletzt vereinslosen van Bommel, als Forderer und Förderer in Wolfsburg glänzen zu können.

          Nicht nur die Verpflichtung des Niederländers lässt aufhorchen – auch die Zusammensetzung der kompletten sportlichen Leitung. Das neue Trainerteam in der Ära nach Glasner bilden neben van Bommel die ehemaligen Profis Michael Frontzeck und Kevin Hofland sowie Alex Abresch und Vincent Heilmann, die vom PSV Eindhoven kommen. Was zusammengewürfelt klingt, basiert auf der Annahme, dass van Bommel auf mehrere Meinungen und eine abwechslungsreiche Mischung setzt. „Ich bin gespannt auf mein neues Umfeld, die Menschen und die Aufgabe, die mich erwartet“, ließ van Bommel im Zuge seiner Verpflichtung verlauten. Der 44-Jährige hat beim VfL Wolfsburg einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben.

          Als Spieler war van Bommel, der Vize-Weltmeister von 2010, unumstritten eine ganz große Nummer. Bei seiner Rückkehr in die Bundesliga als Trainer will er unter Beweis stellen, dass er nun auch als Stratege und Entwickler einen guten Job machen kann. Dass ihm ein Routinier wie Frontzeck, der selbst schon an mehreren Bundesligastationen als Cheftrainer tätig gewesen ist, als Assistent zur Seite stehen wird, hat viele Fans und Kritiker des VfL Wolfsburg gewundert.

          Denn van Bommel und Frontzeck hatten bisher keinerlei Gemeinsamkeiten oder Berührungspunkte. Im Fall von Frontzeck ist es eher so, dass er ein langjähriger Freund von Schmadtke ist, der über sehr viel Erfahrung in der Bundesliga verfügt. „Es ist mir egal, was die Leute darüber denken“, sagt Schmadtke. „Wenn wir erfolgreich sind, war es eine geniale Idee. Wenn nicht, dann war es meine Schuld.“

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