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Eintracht Frankfurt : Hütter steht zu Kapitän Abraham

Nach dem Check von David Abraham liegt Christian Streich auf dem Rasen. Bild: dpa

Die Aufregung um den rüden Rempler von David Abraham legt sich nach dem Spiel dank Christian Streichs versöhnlichen Worten schnell. Der DFB wird dennoch eine harte Strafe aussprechen müssen. Die Kapitänsbinde bleibt dem Eintracht-Spieler aber sicher.

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          Nachdem sich die erhitzten Gemüter halbwegs beruhigt hatten, brachte der allseits befragte Christian Streich den Bodycheck des Jahres auf den Punkt. „Er hat mich – bumm – über den Haufen gerannt.“ Eine Kurzschlussreaktion. Ein nicht entschuldbarer Ausraster des Eintracht-Kapitäns David Abraham. Jenes Frankfurter Spielers, der in der Vorwoche noch beim furiosen 5:1 gegen die Bayern als Torschütze und Toreverhinderer zum Mann des Spieltags geworden war. Und nun ist es der Argentinier schon wieder. „Ihm sind die Sicherungen durchgebrannt“, sagte der Freiburger Trainer Streich fast schon entschuldigend.

          Bundesliga

          Schwarzwaldstadion, sechste Minute der Nachspielzeit. Beim Bestreben, aus dem 0:1 vielleicht doch noch ein 1:1 zu erzwingen, hatte Abraham in einen Angriffsmodus der besonderen Art geschaltet. Der ins Aus geratene Ball sollte schnell wieder zurück ins Spiel gebracht werden. Also sprintete der Frankfurter Spielführer zielstrebig in Richtung Freiburger Bank, und weil Streich ihm scheinbar im Wege stand, rammte ihn Abraham – und der konsternierte Coach fiel zu Boden. Eine Szene, die eindeutig ausschaute, aber durchaus Interpretationsspielraum lässt.

          Keine Frage: Abraham hätte zwingend an Streich vorbei ins Aus laufen müssen, um den Ball zu holen. Streich hätte dem heranstürmenden Eintracht-Kapitän aber auch ein Stück weit ausweichen können. Nachdem nämlich der Ball auf ihn zurollte, ließ der Freiburger Trainer den knapp an ihm vorbeirollenden Ball passieren. „Ich muss ihn ja nicht aufhalten.“ Verständlich aus seiner Sicht, denn die Aktion würde Zeit kosten und dem Sportclub das 1:0 sichern helfen. Streich machte noch einen kleinen Schritt zur Seite – und dann war auch schon der ungestüme Abraham zur Stelle und stieß Streich mit dem rechten Arm zu Boden.

          Schiedsrichter braucht Videoassistent

          Tumulte, Rudelbildung, Konfusion: Die gesamte Freiburger Bank war sofort in Aufruhr. Der schon ausgewechselte Vincenzo Grifo stürmte auf Abraham zu und griff ihm ins Gesicht. Schiedsrichter Felix Brych musste die elektronische Hilfe des Videoschiedsrichters in Anspruch nehmen. Rot für Abraham war eindeutig und unstrittig, und auch Grifo wurde nachträglich mit Rot bestraft. Für den gleichfalls verwickelten Freiburger Assistenztrainer Florian Bruns gab es Gelb.

          „Abraham ist ein extremst emotionaler Spieler“, sagte Streich später in der Pressekonferenz über den 33 Jahre alten Südamerikaner. „Er war mit Vollgas unterwegs, weil er unbedingt das Spiel gewinnen wollte.“ Das Spiel aber konnte die dezimierte Eintracht, die schon in der 45. Minute Gelson Fernandes mit Gelb-Rot verloren hatte, zu diesem Zeitpunkt nicht mehr gewinnen. Der Treffer von Nils Petersen, erzielt in der 77. Minute, blieb der einzige, den die 24 000 Zuschauer im ausverkauften Freiburger Stadion bei diesem ganz speziellen Sonntagsspektakel zu sehen bekamen. Der Sportclub, der bislang die beste Bundesligasaison seiner Vereinsgeschichte spielt, kletterte dadurch auf Tabellenplatz vier; die Eintracht rutschte leicht ab auf Position neun.

          Abraham wusste, dass ihm ein schlimmer Fehler unterlaufen war, und zügig suchte er dann auch das Gespräch mit Streich. „Ich habe mich in aller Form bei Christian Streich entschuldigt. Ich wollte in der letzten Minute der Nachspielzeit den Ball so schnell wie möglich wieder ins Spiel bringen und hätte ausweichen müssen“, sagte Abraham. „Ich bin sehr froh, dass wir nach dem Spiel gesprochen haben und alles gut zwischen uns ist.“ Später veröffentlichte die Eintracht neben einem Statement des Spiels auch noch ein Bild von Abraham mit Grifo.

          Streich bestätigte die Sichtweise des Eintracht-Kapitäns. „Klar, das darf er nicht machen“, sagte der Freiburger Fußballlehrer. Letztlich gab Streich die Empfehlung: „Runterfahren, fertig, und nicht noch dumm rumschwätzen. Abraham hat sich bei mir entschuldigt, und damit ist das Thema für mich erledigt.“

          Für Abraham noch lange nicht. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes wird wie üblich bei Platzverweisen einen Strafantrag an das Sportgericht stellen. Auch Fredi Bobic weiß, dass dem Frankfurter Spielführer eine längere Sperre droht. „David Abraham darf so etwas nicht machen“, sagte der Eintracht-Sportvorstand. „Er war emotional und hat sich provoziert gefühlt, aber das darf ihm nicht passieren. Das weiß er auch.“ Neben Streich war auch der Frankfurter Trainer Adi Hütter um Mäßigung bemüht. „Fußball lebt von Emotionen“, sagte er, Spekulationen, Abraham könnte als Kapitän abgesetzt werden, erteilte der Eintracht-Coach am Montag eine klare Absage. „Wir haben mit ihm gesprochen und ihm mitgeteilt, dass wir solche Aktionen nicht akzeptieren und auch nicht mehr sehen wollen. Aber David ist und bleibt weiterhin unser Kapitän.“

          Streichs Worte

          „Er isch ein junger Büffel, und ich bin 54“ • Der Freiburger Trainer Christian Streich im Wortlaut: „Ich hab ihn g’sehe, er isch halt ein emotionaler und wilder Spieler. Ich kenne ihn von seiner Zeit in Basel, des isch net weit von uns weg, da habe ich ihn oft gesehe. Dann kommt er also, aber er kam so schnell. Der Ball isch an mir vorbeigrollt, und dann hat er mich, bumm, über de‘ Hufe grannt. Dann sind leider natürlich alle Spieler aufgesprunge, aber ich bin sofort wieder hoch, weil ich ja keinen Bock auf des ganze Theater hab. David isch danach au’ zu mir komme, er hat sich entschuldigt. Er sagte: ,Ich habe gedacht, du bisch ein bissle stabiler.‘ Aber er isch ein junger Büffel, und ich bin 54. Das darf er natürlich net mache, ich komm ja gar nimme weg bei dem Tempo. Des isch natürlich scheiße. Au’ für Frankfurt. Er isch wild, alle von Frankfurt sind wild. Aber wenn se net so wild wäre, dann hätte se au’ net so viel Erfolg. Ich hab viele persönliche Schwächen. Aber eine Schwäche, die ich net hab, isch, dass ich nachtragend bin. Die Sache isch erledigt. Thema erledigt. Weiter geht’s, zum Fußball gehören halt au’ Emotionen. Ich bin scho so lang auf’m Kickplatz, so isch der Fußball au’. Aber es isch alles gut, des isch keine Story wert. Ich habe wirklich keinen Bock auf des ganze Zeug. Es isch alles gut, die Schulter hat gehalte, ich bin ja au’ stabil, ich dehne mich ja immer. Wenn mich einer umhaut, isch es net glei’ gesagt, dass ich sofort verletzt bin. Ich weiß net, wie es am Montag isch, vielleicht hab ich ja ein Schleudertrauma. Aber fertig, Fußball, ab. Thema erledigt, in Ruhe lassen.“ sid

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