https://www.faz.net/-gtm-8ogfo

Personalpolitik beim HSV : Gisdol kämpft um Beiersdorfer

  • -Aktualisiert am

Markus Gisdol (Vordergrund) und Dietmar Beiersdorfer (Hintergrund) während einer Pressekonferenz in Hamburg Bild: dpa

Auf dem Relegationsplatz stehen dem Hamburger SV nicht nur wegen des Punktestands unsichere Zeiten bevor. Auch wer den Posten des Sportchefs übernimmt, ist fraglich. Momentan setzt der Trainer auf den falschen Helfer.

          2 Min.

          Der Innenverteidiger Cléber, beim Hamburger SV eine Art Alleskleber mit geringer Haftleistung, hat den Verein verlassen. 2,5 Millionen Euro soll der FC Santos bereit sein, für die immer fröhliche, aber selten sichere Notlösung aus Brasilien zu zahlen. Für die leere Vereinskasse ist das schön, für Trainer Markus Gisdol verschärft der Abgang die Personalnöte im hinteren Bereich vor dem Spiel beim FSV Mainz 05 an diesem Samstag (15.30 Uhr / Live bei Sky und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET)

          Doch der neue Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen hat schon signalisiert, dass im Winter zwei bis drei zentrale Abwehrspieler und ein Defensiver für das Mittelfeld kommen sollen - den Millionen Klaus-Michael Kühnes sei es gedankt. Gisdol begrüßt das ausdrücklich. Doch für ihn stellt sich die Frage, wer die Geschäfte im Transferfenster II abwickeln soll.

          „Habe mit ihm gut zusammengearbeitet“

          Gisdol hat einiges stabilisiert beim HSV; das ist nicht nur an acht Punkten aus den vergangenen vier Spielen abzulesen. Er ist - wie seinerzeit im April 2015 Bruno Labbadia - der Mann, an dem sich der wieder einmal im Chaos versinkende HSV ausrichten soll.

          Und kann - denn Gisdol ist die Ruhe selbst. Doch ihn treibt um, dass die Transfergeschäfte womöglich sehr zäh laufen könnten, wenn die Spielerberater erst einmal einen Verhandlungspartner auf Seiten des HSV identifizieren müssen. Deswegen kämpft Markus Gisdol um Dietmar Beiersdorfer - dem ja schriftlich zum 22. Dezember gekündigt worden ist.

          Gisdol sagt: „Ich habe mit ihm außerordentlich gut zusammengearbeitet. In der aktuellen Situation ist es die sinnvollste Lösung, mit ihm weiterzuarbeiten. Unsere Transferaktivitäten kurzfristig in andere Hände zu geben, halte ich nicht für sinnvoll.“

          Doch dem steht der am Donnerstag endende Vertrag Beiersdorfers entgegen. Dass Bruchhagen bei seiner Vorstellung am Mittwoch durchgehend vom 30. Dezember sprach, war wohl ein Versehen. Ihm hatte Beiersdorfer kein Signal gegeben, über das Jahresende hinaus für den HSV als Sportchef tätig zu sein. Ob er sich vorstellen könnte, als entlassener Vorstandsvorsitzender auf dem Posten des Sportchefs weiterzumachen, ließ Beiersdorfer zuletzt unbeantwortet.

          Doppelfunktion gescheitert

          Bruchhagen, der den Wünschen des Trainers in der prekären Lage der Hamburger nachkommen möchte, könnte Beiersdorfer ohne Einwilligung des Aufsichtsrates zum Sportdirektor machen. Einen Vorstandsrang hätte Beiersdorfer dann nicht mehr.

          Gisdols Kampf um Beiersdorfer ist verständlich. Zum einen will er selbst nicht den Sportchef geben. Das haben schon andere Trainer meist erfolglos versucht. Er hat als Coach des HSV auch genug zu tun. Zum anderen hat Beiersdorfer ihn geholt und auf ihn gesetzt - die Zusammenarbeit mit Bruchhagen muss bei aller verbalen Wertschätzung erst noch wachsen. Für Gisdol wäre Beiersdorfer für den Moment die naheliegende Lösung - und ein Rettungsanker, um nicht allein vom sportlichen Vakuum der Hamburger aufgesogen zu werden.

          Allerdings setzt Gisdol auf den falschen Helfer. Hat Beiersdorfer in seinen knapp zweieinhalb Jahren beim Hamburger SV als Vorstandschef einiges in die richtige Richtung bewegt, so misslang die Doppelfunktion mit dem Zusatz „Sportchef“. Beiersdorfer hat konsequent falsche und zeitlich schlechte Personalentscheidungen getroffen.

          Die digitale F.A.Z. PLUS
          F.A.Z. Edition

          Die digitale Ausgabe der F.A.Z., für alle Endgeräte optimiert und um multimediale Inhalte angereichert

          Mehr erfahren

          Er hat 90 Millionen Euro in fünf Transferperioden ziemlich wahllos bewegt und den HSV in komplette Abhängigkeit eines streitbaren Milliardärs gebracht. Beiersdorfer hat, wie der scheidende Aufsichtsratschef Karl Gernandt gerade sagte, den HSV im „Kerngeschäft Fußball“ kein bisschen weitergebracht - und in genau diesem Kerngeschäft soll er jetzt wieder arbeiten? Das wäre im Grunde die schlechteste aller denkbaren Lösungen, auch wenn das Markus Gisdol im Moment anders vorkommen mag.

          Es wäre sauber und nachvollziehbar, wenn Beiersdorfer die angeschobenen Kaderbewegungen wie den Kauf des an Leipzig ausgeliehenen Leverkuseners Kyriakos Papadopoulos gemeinsam mit Gisdol bis zum Jahresende nun vollzieht. Danach sollte er einem Neustart auf der Position des Kadermanagers nicht mehr im Weg stehen – wie auch immer Markus Gisdol das in seiner Notlage betrachten mag.

          Weitere Themen

          Preuß beste Deutsche im Einzel

          Biathlon : Preuß beste Deutsche im Einzel

          Beim Biathlon-Weltcup in Östersund ist Franziska Preuß als Zwölfte beste Deutsche. Auf die siegreiche Französin Justine Braisaz hat Preuß knapp zwei Minuten Rückstand.

          Infantino darf ins IOC, Coe nicht

          Sitzung der IOC-Exekutive : Infantino darf ins IOC, Coe nicht

          Wegen eines Interessenskonflikts darf Sebastian Coe nicht IOC-Mitglied werden, Gianni Infantino gilt diesbezüglich als unproblematisch. Die Jugendwinterspiele 2024 werden ins südkoreanische Pyeongchang vergeben.

          Topmeldungen

          Die Kommunalwahlen in NRW sind für die SPD von existentieller Bedeutung: Die Partei kann sich nur stabilisieren, wenn ihnen ihre kommunale Basis nicht wegbricht.

          Verschuldete Kommunen : Werden die Altschulden zur tickenden Zeitbombe?

          Die Lösung des Altschulden-Problems hat sich die große Koalition fest vorgenommen. Gerade die von der SPD regierten Großstädte im Ruhrgebiet würden von Bundeshilfe profitieren – bisher verhält sich Nordrhein-Westfalen jedoch merkwürdig passiv.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.