https://www.faz.net/-gtm-9ydgo

Trainer Bruno Labbadia : Kehrtwende im Stillstand bei Hertha BSC

Der Nächste, bitte: Bruno Labbadia ist bereits der vierte Hertha-Trainer in der laufenden Bundesliga-Spielzeit. Bild: EPA

Der Trainerverschleiß in Berlin ist immens. Mit der Verpflichtung von Bruno Labbadia wechselt Hertha BSC zum dritten Mal in dieser Saison sportlich die Richtung. Auf den neuen Coach wartet nun viel Arbeit.

          3 Min.

          Es ist ja so eine Sache mit der öffentlichen Vorstellung eines neuen Trainers in diesen Tagen. Hertha BSC hat daher auf die ansonsten übliche Pressekonferenz für seine neueste Personalie in den vorösterlichen Tagen verzichten müssen, aber das ist in diesem Fall auch nicht weiter schlimm: Der Neu-Berliner Bruno Labbadia ist ohnehin einer der bekanntesten Gesichter der Fußballbranche, seit rund 35 Jahren im Geschäft aktiv, wenngleich mit den branchenüblichen Unterbrechungen in seiner Trainerzeit.

          Die Online-Flatrate: F+
          FAZ.NET komplett

          Zugang zu allen exklusiven F+Artikeln. Bleiben Sie umfassend informiert, für nur 2,95 € pro Woche.

          Jetzt 30 Tage kostenfrei testen
          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der 54 Jahre alte Coach und ehemalige Nationalspieler ist nun seit Gründonnerstag offiziell Trainer des abstiegsbedrohten Hauptstadtklubs, ausgestattet mit einen Vertrag bis zum Sommer 2022, nachdem er zuvor in der Bundesliga schon Bayer Leverkusen, zweimal den Hamburger SV, den VfB Stuttgart und zuletzt den VfL Wolfsburg trainiert hatte. Hertha BSC ist damit die siebte Bundesligastation für Labbadia in den vergangenen gut zehn Jahren.

          Noch rekordverdächtiger ist allerdings der Trainerverschleiß, den sich Hertha BSC in dieser ganz besonderen Spiel- und Wartezeit erlaubt. Bruno Labbadia ist nach Ante Covic, Jürgen Klinsmann und Alexander Nouri, den er nun ablöste, schon der vierte Berliner Cheftrainer in dieser Saison. Und rein finanziell betrachtet sogar der fünfte Trainer, den sich die bis zum Investoreneinstieg ziemlich klamme Hertha in dieser Saison leistet. Denn auch Pal Dardai, der nach viereinhalb Jahren sein Amt auf Drängen von Sport-Geschäftsführerer Michael Preetz in der Vorsaison vorzeitig hatte beenden müssen, war noch bis zum Sommer 2020 mit einem Cheftrainer-Vertrag ausgestattet, den die Hertha zumindest finanziell noch erfüllen musste.

          In der Präsentation von neuen Trainern hat Preetz daher eine gewisse Übung, auch wenn er die Vorstellung via Twitter bekanntgab. „Mit Bruno bekommen wir jemanden, der die Bundesliga durch viele Jahre als Spieler und Trainer im Detail kennt und bei seinen Stationen gezeigt hat, dass er Teams stabilisieren und entwickeln und im nächsten Schritt in obere Tabellenregionen führen kann“, sagte Preetz in diesem Video. Labbadia passe mit seiner Idee von offensivem Fußball, seiner Akribie und seinem Ehrgeiz perfekt zu Hertha BSC und deren Zielen. So oder ähnlich klang das in den vergangenen Monaten beim Sport-Geschäftsführer jedenfalls schon öfter.

          Die Hertha und Preetz haben mit der Entscheidung für Labbadia damit zum dritten Mal in dieser Saison sportlich die Richtung gewechselt. Erst vertraute der Klub mit dem ehemaligen Hertha-Profi und Nachwuchstrainer Covic seine Bundesligamannschaft einem unerfahrenen Coach an. Dann sollten mit dem aus Kalifornien einschwebenden ehemaligen Bundestrainer und Weltmeister Jürgen Klinsmann auch Glanz und Glamour sowie Power und Prestige bei der Hertha einziehen.

          Mit Labbadia kommt hingegen ein erfahrener und erdiger Bundesligatrainer nach Berlin, der, wenn irgendwann mal wieder in der Bundesliga gespielt werden kann, von dieser Saison noch retten soll, was zu retten ist. Und die Idee, nach der Flucht von Jürgen Klinsmann, der nach 76 Tagen hinschmiss, die Mannschaft trotzdem dessen Assistent Alexander Nouri anzuvertrauen, hatte der von den Ereignissen überrumpelte Manager ohnehin nie überzeugend erklären können.

          „Durch die aktuelle Situation bezüglich des Coronavirus und die Unterbrechung der Saison erleben wir gerade eine Art vorgezogene Sommerpause“, sagte Preetz in einer Vereinsmitteilung: „Wir haben uns dazu entschlossen, diese Chance, die Mannschaft in den nächsten Wochen auf eine mögliche Fortführung der Saison vorbereiten zu können, zu nutzen und unsere Entscheidung auf der Trainerposition vorzuziehen.“ In Berlin hatte in den vergangenen Monaten immer wieder der Name des gebürtigen Berliners und früheren Bayern-Trainers Niko Kovac als Wunschlösung die Runde gemacht.

          Labbadia traut sich angesichts seiner Erfolge in Abstiegskämpfen diese Rolle wie selbstverständlich auch beim Tabellendreizehnten in Berlin zu, den sechs Punkte vom Relegationsplatz trennen. „Hertha BSC ist ein Verein mit einem klaren, ambitionierten Plan für die Zukunft. Wir haben große Lust, Teil dieses Plans und der Weiterentwicklung von Hertha zu sein“, heißt es in der Erklärung. Labbadia bringt zwei Assistenten mit nach Berlin, seinen langjährigen Vertrauten Erdinc Sözer sowie Olaf Janßen.

          In Wolfsburg hatte Labbadia mit seiner Arbeit zuletzt beeindruckt. Er hatte den VW-Klub im Februar 2018, tief im Abstiegskampf steckend, übernommen und innerhalb von 15 Monaten in die Europa League geführt. Doch der neue Sportchef Jörg Schmadtke lag mit Labbadia nicht auf einer Wellenlänge, sein auslaufender Vertrag wurde nicht verlängert.

          Es stehe nun viel Arbeit an in Berlin, sagt Labbadia. Doch viel Arbeit, zumindest die jahrelang gewohnte, wird unter den aktuellen Bedingungen kaum zu leisten sein. Unter Einhaltung der aktuellen Regeln wolle er, so Labbadia, das Team ab Montag wenigstens „bestmöglich auf den Tag vorbereiten, an dem wieder Fußball gespielt wird“. Mehr geht nicht, auch nicht für einen Fußball-Feuerwehrmann.

          Weitere Themen

          Kohfeldt bleibt Werder-Trainer

          Nach Rettung in Relegation : Kohfeldt bleibt Werder-Trainer

          Florian Kohfeldt bleibt nach F.A.Z.-Informationen Trainer von Werder Bremen. Der Bundesliga-Traditionsklub hatte erst am Montag den Abstieg im Relegationsduell mit Heidenheim verhindert.

          Topmeldungen

          Donald Trump am Mittwoch im Rosengarten des Weißen Hauses.

          Oberstes Gericht entscheidet : Trumps Steuererklärungen bleiben zunächst geheim

          Amerikas Präsident muss nicht damit rechnen, dass im Wahlkampf seine Steuererklärungen öffentlich werden. Das hat das Oberste Gericht entschieden. Dafür steigen die Chancen eines New Yorker Bezirkstaatsanwalts, Finanzunterlagen von Trump zu erhalten.
          Joe Kaeser bei der virtuellen Siemens-Hauptversammlung am 9. Juli

          Abspaltung von Siemens Energy : „Joe Kaeser hat nichts gelernt“

          Die größte Transformation der Siemens-Geschichte ist fast einmütig abgesegnet worden. Der Börsengang der Energiesparte dürfte das Ereignis des Jahres am deutschen Aktienmarkt werden. Fridays for Future sieht ein „fossiles Geschäftsmodell“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.