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Tour de France : Contador als Patron - Schlecks als Zukunftshoffnungen

  • -Aktualisiert am

Der Favorit der Gegenwart und die Hoffnung für die Zukunft: Alberto Contador (l.) hat Andy Schleck (Mitte) und dessen Bruder Frank noch im Griff Bild: AFP

Die Luxemburger Brüder Schleck tragen die Radsport-Hoffnungen ihres Heimatlandes. Andy Schleck soll auf Dauer die Tour dominieren - auch wenn er im Einzelzeitfahren am Donnerstag chancenlos war gegen den Tagessieger und Gesamtführenden Alberto Contador.

          Nicolas Sarkozy war in Geberlaune, er verteilte eine Menge Komplimente. Lance Armstrong war davon betroffen, aber auch die Luxemburger Brüder Frank und Andy Schleck blieben nicht unbehelligt. Der französische Präsident zeigte sich als Gast der Tour de France sehr beeindruckt von der Darbietung der Schlecks am Mittwoch in Le Grand-Bornand, er sagte, dass dieses Spektakel ihm Vergnügen bereit habe. „Sie sind Gentlemen“, sagte Sarkozy, er münzte das auch gleich auf den Spanier Alberto Contador, der Frank Schleck am Berg großzügig den Etappensieg überlassen hatte, um am Donnerstag dann im Einzelzeitfahren wieder dem gesamten Feld davonzufahren. Während Contador das Einzelzeitfahren mit 3,18 Sekunden Vorsprung auf Fabian Cancellara gewann und souverän sein Gelbes Trikot verteidigte, mussten die Schlecks Lehrgeld zahlen.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Ein größeres Entgegenkommen Contadors gegenüber seinen luxemburgischen Verfolgern war natürlich sowieso ausgeschlossen, damit rechnete auch niemand beim Team Saxo Bank, bei dem die beiden Luxemburger Radprofis unter Vertrag stehen. „Er ist halt gut“, sagt Teamchef Bjarne Riis lapidar über den Spanier, der seinen beiden Stars einiges voraus hat. In Zahlen ausgedrückt: Contador hat nach dem Kampf gegen die Uhr einen Vorsprung von 4:11 Minuten auf den Gesamtzweiten Andy Schleck, und Frank Schleck liegt 5:59 Minuten hinter dem Mann aus Pinto bei Madrid und 34 Sekunden hinter dem Gesamtdritten Lance Armstrong auf Rang sechs in Reichweite des Podiums.

          Laut Riis der kommende Mann

          Mag Contador in diesem Jahr auch unantastbar gewesen sein, so setzt Riis doch große Hoffnungen in sein luxemburgisches Doppel, vor allem in Andy Schleck. Der Däne hält den 24 Jahre alten Rennfahrer aus Bad Mondorf für den kommenden Mann bei der Tour de France, er fordert: „Er muss auf Tour-Sieg fahren.“ Riis behauptet sogar, dass Andy Schleck, der das Weiße Trikot des besten Jungprofis trägt, die Tour auf Dauer dominieren könne.

          Kaum noch einzuholen: Alberto Contador hat die Tour fast gewonnen

          Dass der Profi, der ein Versprechen für die Zukunft zu sein scheint, manchmal noch ein bisschen zu ungestüm agiert, dass er auch noch Schwächen im Zeitfahren hat, nimmt Riis gelassen hin. „Er macht noch kleine Fehler“, sagt er, „aber er soll auch keine Maschine werden.“ Zumindest von dem Kampfeswillen von Andy Schleck ist Riis bereits sehr beeindruckt. „Der fährt, bis er umfällt.“

          Gerüchte um Verbindung zu Fuentes

          Genüßlich setzt sich auch die Luxemburger Presse mit der Radsport-Familie Schleck auseinander. Dem Erfolg von Frank Schleck, der schon 2006 in L’Alpe d'Huez eine Tour-Etappe für sich entschieden hatte, schrieb sie umgehend eine radsporthistorische Dimension zu: Frank Schleck sei damit, hieß es, in der Rangliste aller Luxemburger Tour-Etappensieger mit Jean Majerus (1937, 1938), François Neuens (1939) und Jean Goldschmit (1949, 1950) gleichgezogen – diese Fahrer hatten ebenfalls jeweils zwei triumphale Tage bei der Tour de France.

          Dass Frank Schleck vor einiger Zeit ins Zwielicht geraten war, spielt für die Luxemburger keine Rolle mehr – sie konzentrieren sich ganz auf sein Auftreten von heute, das sie verzückt. Der Profi Schleck war mit dem mutmaßlichen spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes in Verbindung gebracht worden, dabei war eine Überweisung Schlecks von etwa 7000 Euro auf ein Konto von Fuentes entdeckt worden. Schleck wies allerdings alle Dopingvorwürfe zurück, das Geld, sagte er, habe er lediglich in Trainingsprogramme investiert. Die Luxemburger Anti-Doping-Agentur griff den Fall zwar auf, sie erkannte darin aber keinen Verstoß gegen die Anti-Doping-Regeln – und schloß die Akte.

          Dem Morgen hoffnungsvoll entgegenblicken

          Teamleiter Riis vertraut Frank Schleck jedenfalls. Der Däne, der ein Dopinggeständnis abgelegt hatte, gibt sich jetzt selbst als Anti-Doping-Kämpfer. Dass bei der Tour de France noch kein Doping-Sünder enttarnt worden ist, empfindet er als ein „gutes Zeichen“. Riis ist da auf einer Linie mit Pat McQuaid, dem Präsidenten des Internationalen Radsportverbandes (UCI). „Wir sind auf dem richtigen Weg, dafür arbeiten wir“, sagt Riis. Dass es immer noch einige „blöde Leute“ gebe, „damit müssen wir leben“, erzählt er noch. Aber solche Personen wie den Italiener Danilo di Luca, der soeben des Cera-Dopings beim Giro d’Italia überführt wurde und vermutlich lebenslang aus dem Radsport verbannt wird, vermutet er ja nicht in seiner näheren Umgebung.

          Riis, der selbst dem gerade schwer gestürzten Berliner Jens Voigt die Tour-Teilnahme im kommenden Jahr zutraut, blickt dem Morgen hoffnungsvoll entgegen, komme, was wolle. Dass seine Mannschaft neue Konkurrenz bekommen wird, ficht ihn nicht an. In den Vereinigten Staaten wird zwar ein neuer Rennstall um den Texaner Lance Armstrong entstehen. „Aber Armstrong wird auch nicht jünger“, sagt Riis. Dass der Dopingsünder Alexander Winokurow sich nach Ablauf seiner Sperre wieder dem Team Astana anschließen wird, beunruhigt den Dänen ebenfalls nicht – er glaube nicht, sagt er, dass der Kasache mit alter Stärke zurückkehren werde. Und überhaupt: Wer auch immer im Rennen erscheine: „Erst mal müssen sie die Schlecks schlagen“.

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